Baesweiler - Lesung von Niklas Frank: Hass und Ekel sprechen aus jeder Zeile

Lesung von Niklas Frank: Hass und Ekel sprechen aus jeder Zeile

Von: Margret Nußbaum
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Niklas Frank (r.) sprach mit Günter Pesler vom Geschichtsverein Baesweiler über die Tendenz der Deutschen, die Gräueltaten des Dritten Reiches aus Scham zu verdrängen.

Baesweiler. So still ist es im Pädagogischen Zentrum des Baesweiler Gymnasiums selten: Gebannt und zutiefst betroffen lauschte das Publikum – weit über 100 waren gekommen – der aufrüttelnden Lesung von Niklas Frank, Autor von „Der Vater – eine Abrechnung“ und „Meine deutsche Mutter“. Bücher, in denen er seine Kindheit und das Verhältnis zu seinen Eltern aufarbeitet.

Hans Frank, höchster Richter während des Nazi-Regimes und einer der Statthalter Hitlers in Polen, führte eine brutale Besatzungspolitik durch und trieb die Umsetzung des NS-Rassenwahns mit der Selektierung und Ermordung unzähliger Menschen jüdischer Abstammung voran. Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte riss er hemmungslos polnische und jüdische Besitztümer an sich.

Für seinen nach Ende der Schreckensherrschaft zum Tod verurteilten Vater zeigte Niklas Frank damals und zeigt er auch heute kein Mitleid. Aus jedem Wort seiner Lesung ist Hass und Ekel zu spüren. Eine Emotionalität, die den Atem stocken lässt. Für den Geschichtsverein Baesweiler und die Volkshochschule Nordkreis Aachen waren die Lesung und ein darauffolgender Thementag ein gigantischer Erfolg. Die Reihe unter dem Titel „Zukunft gestalten“ wird fortgesetzt.

Voll des Lobes über die Lesung und die anschließende Diskussion mit dem Publikum war Jan Braun, Direktor der Realschule in Setterich, der mit Schülern gekommen war. „Wir dürfen uns glücklich schätzen, einen solchen Geschichtsverein zu haben, der ganz neue Wege geht und damit Verantwortung für die Zukunft übernimmt“, sagte er. Dies sei nach der Bundestagswahl besonders wichtig.

Günter Pesler, Geschäftsführer des Geschichtsvereins, geht es laut eigener Aussage darum, die Diskussionskulturen in unserem Land zu verändern.

Mahnende Worte

Niklas Frank mahnte den Hang des deutschen Volkes zum Verdrängen und Verschweigen an. 80 Prozent der Bevölkerung seien immer noch mit einem Schuldkomplex behaftet. Dies sei kontraproduktiv. „Scham heißt immer noch wegschauen und unter den Teppich kehren“, sagte er und fügte hinzu: „Ich liebe Deutschland. Aber ich misstraue den Deutschen. Die Flüchtlinge, die ökonomische Krise, die unverständliche Zuwendung zur AfD: Wir Deutschen müssten wissen, wohin das führen kann.“

Doch die Deutschen, so Frank, seien ein Volk ohne Empathie. „Wir haben es nicht gelernt, das unendliche Leid, das wir verursacht haben, anzuerkennen. Das müsste jede und jeden eigentlich mit Zorn erfüllen. Aber das Gift des Verschweigens und Nicht-Anerkennens schlummert weiter in uns.“

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