Lesung: Augen für die schöne Schweiz geöffnet

Von: Rolf Hohl
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Erzählt von seiner Kindheit in der Schweiz: Max Moor im Alten Rathaus. Foto: Rolf Hohl

Würselen. Nicht nur gute Laune, sondern auch einen erweiterten Grundwortschatz in Schweizerdeutsch nahmen die Besucher von diesem Abend mit. Dabei stellte der Autor und Fernsehmoderator Max Moor im Alten Rathaus in Würselen sein neues Buch vor.

„Als Max noch Dieter war – Geschichten aus der neutralen Zone“ heißt sein mittlerweile drittes Werk. Dieses handelt nicht mehr von den Kuriositäten seines Lebens als Exil-Schweizer in der brandenburgischen Provinz, sondern erzählt von seiner Kindheit in der Schweiz.

„Die Schweiz ist mir inzwischen so fremd, wie mir Brandenburg nie war“, sagte Moor, der am 1. Mai 59 Jahre alt wurde. 2013 änderte er seinen Vornamen von Dieter zu Max, daher auch der Buchtitel. Weil ihm nämlich die Geschehnisse in dem brandenburgischen Dorf, in dem er heute mit seiner Frau Sonja einen Demeter-Bauernhof betreibt, gar nicht mehr so seltsam vorkamen, wagte er nun einen Blick zurück. Einen Blick auf die Kindheit in Mellikon, einer Kleinstadt im Schweizer Kanton Aargau – und dort mangelte es anscheinend nicht eben an erzählenswerten Geschichten.

Aus der Sicht des neunjährigen Dieter – und auch in dessen Sprache – schildert er etwa gemeinsame Familienausflüge mit dem „perlweißen VW“, dem ganzen Stolz des Vaters. Dabei lernten die Zuschauer im rappelvollen Veranstaltungssaal des Alten Rathauses, dass die Strecke über den Gotthard nicht nur kurvenreich, sondern auch gefährlich war.

Das lag weniger an den Straßen mit den engen „Serpentinen“, sondern an der Fahrweise des Vaters, die er sich aus dem Fernsehen von einem Bergrennfahrer abgeschaut hatte. „Und immer wieder kamen blaue Schilder mit einem Feldstecher drauf, die darauf hinwiesen, wo die Schönheit der Schweiz ganz besonders schön ist“, schilderte Moor die Fahrt.

Mit seinen Erzählungen, in denen er sehr häufig auf schweizerdeutsche Versatzstücke zurückgreift, blickt er auf ein Land, das mit sich selbst zufrieden ist. Immer geht es dabei um die Suche der so vielbeschworenen „Schönheit der Schweiz“, die für den kleinen Dieter aber meist mit gewissen Tücken verbunden ist. Diese beschreibt er manchmal etwas zu ausführlich, aber eben auch mit viel Witz und etwas Wehmut.

Vor allem haben seine Geschichten aber einen Wiedererkennungswert, insbesondere für Schweizer selbst. Kennt doch jeder die Sprüche vom schnell wechselnden Wetter in den Alpen, und dass „jeden Moment wieder die Sonne hervorkommt“, oder die Spötteleien über die Autokennzeichen der Zürcher und Aargauer, wobei das ZH für „Zuchthäusler“ stehe und das AG für „Achtung Gefahr“. Und dass es nichts Außergewöhnliches sei, wenn die halbe Wanderausrüstung noch aus alten Armeebeständen stamme – daran habe sich wenig geändert.

Dass Moor die Geschichten durchgehend mit Schweizer Begriffen anreichert, ist da nur konsequent und dazu sehr unterhaltsam. Das neue Buch atmet dadurch einen ganz eigenen Charme, der vor allem durch die Sprache zustande kommt, wie er sagt. „Schweizerdeutsch wird ausschließlich mündlich überliefert, dadurch ist es sehr lebendig und wandelbar.“ Dieser Lebendigkeit hat er sich bedient, und das begeisterte Publikum an dem Abend gab ihm recht.

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