Lesermeinung: Der Präsenzdienst des Würselener Ordnungsamtes

Von: Stefan Schaum
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Gute Laune auch bei Stress: Th
Gute Laune auch bei Stress: Thomas Hacking vom Würselener Ordnungsamt überzeugt davon, dass mehr Präsenz für mehr Sicherheit sorgt und auch das Image der Kollegen verbessert.

Nordkreis. Die Ordnung war schon immer sein Ding. Früher hat An-dreas Schaaf professionell Gebäude gereinigt, heute achtet er darauf, dass es auf den Straßen und Plätzen in Würselen sauber und gesittet zugeht. Dass nichts zerstört, beschmiert oder gestohlen wird.

Seit April ist der 33-Jährige einer von sechs Mitarbeitern im Präsenzdienst des Ordnungsamtes. In so einem Job kommt man rum in der Düvelstadt, seine Pappenheimer kennt er längst. Oft - aber längst nicht immer - sind das Jugendliche.

„Es gibt Leute, die sofort bei uns im Büro anrufen, sobald sich mal zwei, drei Teenager auf einem Spielplatz treffen. Die vermuten dahinter gleich eine organisierte Kriminalität”, sagt er. Klar, das ist reichlich überspitzt formuliert. Doch macht es deutlich, dass die Menschen sich Gedanken über die Sicherheit in ihrem Umfeld machen. Dass viele womöglich Angst davor haben, dass gleich vor ihrer Haustür oder in ihrer Nachbarschaft etwas Schlimmes passieren könnte. Genau deshalb bewegen sich Andreas Schaaf und seine Kollegen mit den blauen Westen möglichst auffällig im Stadtbild. Ganz nach dem Motto: Seht her, wir sind da, wir schauen für Euch nach dem Rechten!

Von 8 bis 22 Uhr

In drei Schichten sind die Kräfte draußen unterwegs. Von 8 bis 22 Uhr, bei Bedarf auch länger. „Wenn uns jemand mitteilt, dass in seiner Nachbarschaft immer spät nachts laute Geräusche auf der Straße zu hören sind, dann schauen wir da selbstverständlich nach”, sagt Thomas Hacking. Der 39-Jährige hat schon einige Erfahrung im Ordnungsamt gesammelt. Seit 1995 ist er dabei, zunächst in Baesweiler, seit 2003 in Würselen. Er sorgt im Büro für die Koordination: Wenn seine Mitarbeiter draußen einen übervollen öffentlichen Mülleimer sehen, klingelt sein Telefon. Dann schaut er zu, dass rasch jemand rausfährt und den Eimer leert. Beschwert sich andererseits ein Bürger bei ihm über einen Missstand, ruft er den Präsenzdienst an und sagt: Fahrt doch bitte da mal flott hin!

Nicht immer jedoch sind die Anrufer bei ihm wirklich an der richtigen Adresse. Denn der Begriff Ordnungsamt wird des Öfteren recht großzügig interpretiert. Erst neulich hat einer angerufen und gemeint: „Schauen Sie doch bitte mal bei meinem Nachbarn in die Garage rein - da drin liegt alles total durcheinander!” Das mag zwar stimmen, doch ist solch eine Frage dieser (Un-)Ordnung zweifellos keine für das Ordnungsamt.

„Wir sind nur dann zuständig, wenn die öffentliche Sicherheit betroffen ist”, präzisiert Hacking. Wenn etwa jemand vor einer Kneipe randaliert, wenn eine Glasscheibe an einem Bus-Wartehäuschen zertrümmert worden ist und Scherben auf dem Gehsteig liegen.Leicht ist die Arbeit nicht immer. Richtig hart wird es etwa, wenn die Mitarbeiter Tote in deren Wohnung auffinden, nachdem besorgte Nachbarn sich gemeldet hatten. Oder wenn psychisch Kranke zwangseingewiesen werden müssen. „Da braucht man schon ein dickes Fell”, sagt Hacking, fügt aber gleich hinzu: „doch der Job macht Spaß”.

Weil er abwechslungsreich sei und das Image des Ordnungsamtes keineswegs ein schlechtes. „Wir haben uns bei den Bürgern einigen Respekt erarbeiten können.” Nicht nur bei denen, die wollen, dass es in ihrer Stadt friedlich und sauber zugeht. Auch bei denen, die es damit nicht so genau nehmen. Das liegt womöglich am Auftreten des Präsenzdienstes. „Wir gehen nie mit der Brechstange an die Leute ran”, sagt Andreas Schaaf, „Druck erzeugt bloß Gegendruck.” Mit einem freundlichen - aber bestimmten - Ton komme man viel weiter. „Wir wollen ja nicht nur, dass jemand den Müll wieder aufhebt, den er in die Landschaft geworfen hat. Er soll vor allem einsehen, dass der Müll eben nicht in die Natur gehört.” Überzeugungsarbeit - auch die ist Teil der Aufgabe, und zwar ein wichtiger.

Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Präsenzdienst am frühen Abend die Runde entlang der Spielplätze macht. Spielplatz und Brennpunkt - die beiden Begriffe fallen im Ordnungsamt häufig in einem Satz. „Es stimmt schon, dass Jugendliche abends häufig dort abhängen und es mit der Ruhe und Sauberkeit nicht so genau nehmen”, sagt Schaaf.

Auch gab es schon Teenager, die mit dem Moped quer durch den Sandkasten gebrettert sind. Die Passanten angepöbelt haben oder sich untereinander prügeln. Und leere Alkoholflaschen finden sich nicht selten neben den Klettergerüsten.

Klar, dass das die Anwohner gewaltig nervt. Klar, dass sie sich da regelmäßig beschweren. Deshalb liegen etwa die Spielplätze an der Dürerstraße und Auf der Weide beinahe täglich auf der Route der Präsenzdienstler. Selbst dann, wenn gerade mal niemand im Ordnungsamt angerufen hat. Immer wieder Präsenz zu zeigen, ist eben auch eine Möglichkeit, die Kontrolle zu behalten - und womöglich den Jugendlichen den Spaß am unpassenden Treffpunkt nach und nach zu vermiesen.

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