Leser werfen einen Blick hinter die Burgkulissen

Von: ust
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Kennt sich auf der Bardenberger Burg bestens aus: Hans Brings (3.v.r.) leitet die Bühne. Foto: Ute Steinbusch

Würselen. Wenn man die zahllosen Künstler fragen würde, was sie an der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein wirklich schätzen, würden viele wohl den genialen Caterer nennen. Zumindest wenn man Hans Brings glaubt, der dem Herrn hinterm Tresen auf die Schulter klopft.

„Da kam Max Mutzke mal drei Stunden zu früh hierher…“, erzählt Brings, und es klingt, als hätten er und seine Mitstreiter schon Schweißperlen auf der Stirn gehabt. Künstler und noch dazu die stets für den reibungslosen Ablauf so wichtigen Techniker können komplizierte Leute sein.

Doch der Caterer hat es mit den entsprechenden kulinarischen Ideen gerichtet. Mutzke war später bei seinem Konzert bester Laune. Im Rahmen der Aktion „7 x Sommer“ nahmen zehn Leserinnen und Leser unserer Zeitung an einer Führung durch die Freilichtbühne, Backstage natürlich inklusive, teil und ließen sich im Anschluss von Josef Sevenich, dem Burgherrn senior, in alte Zeiten entführen.

Finales Bonbon war das Konzert von Manfred Leuchter und Gästen, das im Anschluss auf unsere Leser wartete. Und sie hatten viele Fragen: Wie viele Besucher fasst die Freilichtbühne? „Sie ist zugelassen für 999 Personen“, schilderte Hans Brings, der städtische Leiter der Freilichtbühne. Doch unter den 999 sind nicht nur Besucher zu verstehen, sondern alles, was sich vor, auf und hinter der Bühne befindet. Daher lässt der Veranstalter, die Stadt Würselen, maximal 950 Besucher zu, bei Kinoveranstaltungen nur 750, damit jeder eine gute Sicht auf die Leinwand haben kann.

Die Verhandlungen mit den Künstlern übernimmt Brings selbst. Er unterliegt dem Zwang, dass die Freilichtbühne insgesamt kein Zuschussgeschäft sein darf. „Künstler wie Götz Alsmann haben ganz besondere Verbindungen zu uns. Alsmann ist ein Freund meines verstorbenen Vorgängers Uli Pesch. Mit ihm haben wir schon Veranstaltungen im Stadtgarten vor einer Hand voll Leute organisiert, bevor er so bekannt wurde wie heute. Das vergisst er uns nicht.“

Brings rechnet vor, dass er pro Veranstaltung alleine schon 6000 Euro Kosten verursacht, ohne auch nur einen Euro an Gage gezahlt zu haben. Welch schwierigen Spagat die Stadt Würselen damit stemmt und doch jede Saison wieder ein tolles kulturelles Angebot offeriert, die Leser staunen. Dann geht es in die „Theater Lounge“, einen gemütlichen Biergarten oberhalb der Freilichtbühne, den die Burgeigentümer kürzlich angelegt haben, damit Besucher auch nach einer Veranstaltung noch auf Wilhelmstein verweilen können.

Es erscheint der Burgherr im Ruhestand, Josef Sevenich. Der alte Herr ist guter Laune. Seine Faszination für die Geschichte der Burg erfasst auch unsere Leser. Errichtet wurde die Burg um 1300, wahrscheinlich auf den Fundamenten einer zuvor bereits „geschleiften“, also zerstörten „Valencia“, einer Limburger Festung. Sevenich lässt die Anekdote vom Jeel Puete einfließen, der aus Frust über den gierigen Zöllner zwischen dem Limburger und dem Jülicher Land seine Eier mit den Füßen zertritt.

Er berichtet vom Burgturm, der zwei Stockwerke an Kerkern beherbergte. Wie schon einer Schrift auf dem Turm zu entnehmen, durften sich nur die Insassen des oberen Stockwerks Hoffnung auf bessere Zeiten machen . . . Die wiederkehrenden Veranstaltungen im Kalenderjahr, der Ausgangsort der Fronleichnamsprozession, die Lebende Krippe am dritten Advent und die Christmette interessieren die Leser besonders, die geschichtsträchtige Burg hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

Ob der Denkmalschutz der Erhaltung des Gebäudes zuträglich wäre? Josef Sevenich lehnt sich bedächtig zurück. Einmal habe er vom Denkmalschutz einen überschaubaren Kostenzuschuss bekommen, als das alte Gemäuer akut vom Verfall bedroht war. Einmal und nie wieder, klingt es aus Sevenichs Worten raus. Er hat einen langjährigen Pachtvertrag über die Freilichtbühne mit der Stadt abgeschlossen, in dessen Rahmen ihn die Stadt bei der ständigen Erhaltung unterstützt. Alles aber in einem vernünftigen Rahmen, Sevenich rechnet als ehemaliger Banker sehr genau und weiß, dass überall sparsam zu haushalten ist.

Die Leser sprechen ihn auf den berühmt-berüchtigten Pfau aus dem kleinen Tierpark seiner verstorbenen Schwiegermutter Anna Grafen an. Ein Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht. „Ja ich erinnere mich noch gut an ein Konzert von Justus Frantz und dem Orchester der Nationen. Gerade, als Frantz anstimmen will, erhebt der seine Stimme, der Krüppel…“ Sevenich und seine Zuhörer lachen. Die Freilichtbühne Burg Wilhelmstein ist eben einzigartig.

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