Leser machen einen Ausflug in die Welt der Obstsorten

Von: Yannick Longerich
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Wertvolle Tipps: Auch wenn Helmut Herten (links) keinen „klassischen“ Baumschnittkurs anbot, viele Fragen seiner Gäste bezüglich der Pflege der eigenen Bäume im heimischen Garten beantwortete er gerne. Foto: Yannick Longerich

Baesweiler. Eine wahre Idylle versteckte sich hinter dem verlassenen Schulgebäude. Während die Schüler der Grundschule Loverich noch in den wohlverdienten Ferien weilten, trafen sich am nahe gelegene Feldweg Leser unserer Zeitung zu einer spannenden Heimat-Exkursion.

Im Rahmen des „7 x Sommer“-Programms begrüßte Obstbaumwart Helmut Herten seine Gäste. An der Lovericher Weihergasse hat Herten, Vorsitzender des Gartenbauvereins Baesweiler und Leiter der Exkursion, zusammen mit seinen Vereinskollegen einen halben Hektar Wiese in Obhut.

Kirsch- und Birnbäume haben hier neben den Apfelbäumen – in der Region am meisten verbreitet – ihren Platz. Ein unscheinbarer Landstrich inmitten von Rüben- und Kornfeldern sowie Pferdekoppeln? Keineswegs – Streuobstwiesen zeichnen gewissermaßen ein verstecktes Bild der modernen Gesellschaftsentwicklung.

Neben einem idyllischen Panorama bot Herten seinen gespannten Zuhörern auch gleich einen kurzweiligen Rückblick auf die Geschichte der klassischen Obstwiese in den vergangenen 150 Jahren. In Zeiten von Lebensmitteldiscountern sei der Blick auf Obstsorten bedauerlicherweise vereinheitlicht worden.

Unter „Äpfeln“ verstehe man lediglich noch die ökonomisch rentabelsten Sorten, wie sie im Supermarkt liegen. Viele traditionelle Sorten, wie man sie speziell in der Region anbaute, geraten in Vergessenheit.

Die traditionelle Züchtung von Obstsorten für den Eigenbedarf geht zurück bis in die Römerzeit. Mit der zufälligen Kreuzung aller Sorten durch die klassische Insektenbestäubung ergeben sich aus den Kernen eines Baumes niemals identische Ableger. Mit der Separierung und „Befruchtung von Hand“ wird das gewünschte Ergebnis generiert.

Zwei massive Einschnitte hat der Obstbaumbestand in der Region im vergangenen Jahrhundert erlitten. Zunächst vernichteten die erbarmungslosen Kampfhandlungen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs unzählige Biotope. Ferner gab es in den 1970er Jahren regelrechte „Fällprämien“ für Besitzer alter Obstbäume. Bund und Länder wollten mit dieser Maßnahme den Import von Obst ankurbeln – Verantwortung gegenüber der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft spielten aus politischer Sicht die entscheidende Rolle.

Auf der Lovericher Wiese steht fast ausschließlich „Hochwuchs“. Diese Bäume mit einem Hauptstamm über 140 Zentimeter können in Sachen Ertrag mit dem sogenannten „Niederwuchs“ (hier ist der Hauptstamm kürzer und die Krone beginnt deutlich niedriger), wie er im konventionellen Obstanbau genutzt wird, nicht mithalten.

Auch die Pflege fällt beim Hochwuchs deutlich umfassender aus. Um eine ausladende und gesunde Krone zu garantieren, sollten „hängende“ Äste möglichst an einer Gabelung abgetrennt werden, um einen „Besen“ aus neuen Trieben zu verhindern.

Wie an vielen anderen Wiesen der Region verzeiht es auch die Weihergasse, wenn man sich am Fallobst bedient. Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen können auch größere Mengen abgeholt werden. Auch wenn der Fundus meistens nicht mit den „Hochglanzprodukten“ in den Regalreihen der Supermärkte mithalten kann – eine kulinarische Reise durch die Welt alter Obstsorten lohnt sich in jedem Falle.

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