Leser-Aktion: Was bewegt Sie beim Einkaufsbummel?

Von: Bea Oprée, Stefan Schaum und Karl Stüber
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Nordkreis. Bekommen Sie in Ihrer Stadt, alles, was Sie benötigen? Welche Angebote fehlen Ihnen in Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath oder Würselen? Oder kaufen Sie lieber woanders ein? Solche Fragen bewegen auch uns Redakteure. Wir möchten von Ihnen gerne wissen, wo der Schuh drückt – zum Beispiel beim Einkaufen, aber nicht nur.

Nach Auswertung des Fragebogens „Was bewegt Sie?“, der Ihrer Tageszeitung am Samstag wie ein Einkaufszettel oder eine Wunschliste beiliegt, suchen wir für Sie Antworten auf Ihre Fragen, erläutern auf Ihre Anregung hin Hintergründe und beleuchten dank Ihres Hinweises Missstände und drängen die Verantwortlichen auf Abhilfe.

Kaufkraft und Stadtentwicklung

Zum Einstieg schlagen wir Ihnen vor, sich zum Thema Einkaufen zu äußern. Auch dies können Sie auf dem Fragebogen notieren. Der mit seinem Umfeld zufriedene Bürger ist eher bereit, sein Geld vor Ort auszugeben. Das ist wichtig, um im Spiel von Angebot und Nachfrage die Strukturen der (Nah-)Versorgung zu schaffen und aufrecht zu erhalten, die die Menschen brauchen. Kaufkraft heißt das Zauberwort. Wenn die Bürger ihr Geld lieber woanders ausgeben, ist das eine Ohrfeige für Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter – und ein Schlag für die Stadtentwicklung. Die BBE Handelsberatung hat das in Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen durchschnittlich verfügbare Geld pro Kopf und Jahr verglichen (siehe Grafik, Stand 2012).

Würselen überdurchschnittlich

Bei den Einzelhandelsrelevanten Verbrauchsausgaben schneidet Würselen besonders gut ab und liegt über dem Bundesdurchschnitt von 5664 Euro. Bürgermeister Arno Nelles sieht zwar die Innenstadt mit dem Kern Kaiserstraße weiter als Anziehungspunkt: „Hier bekommt man nahe beieinander viel geboten.“ Aber er weiß, dass Stadt und Kaufmannschaft noch einige Hausaufgaben zu erledigen haben. „Der Online-Handel ist eine große Herausforderung.“

So soll nach dem Beispiel Herzogenrath ein Internet-Portal „Marktplatz Würselen“ geschaffen werden, auf dem sich ortsansässige Kaufleute profilieren können mit dem Ziel, dass die Ware letztlich bei ihnen gekauft wird. Mit besserer Beratung und Service können Händler und andere Unternehmer wie Dienstleister den Preisvorteil des onlinebasierten Internethandels ausgleichen, hofft Nelles: „Unsere Stadtentwicklungsgesellschaft soll das in engerer Kooperation mit den Kaufleuten organisieren.“ Würselen habe eine Menge an Know-how zu bieten, „das sollen nicht nur die eigenen Bürger erfahren, sondern auch Auswärtige“, hofft Nelles auf Kaufkraftzufluss. Mit neuen Geschäften auf dem ehemaligen Singer-Gelände soll ein wichtiger Impuls folgen.

In den Ortslagen sieht Nelles Nachholbedarf, etwa im Bereich Morsbach, Schweilbach und Scherberg. „Hier ist es aber schwierig, dem Konzept der Konzerne folgend, entsprechend große Flächen zur Verfügung zu stellen.“ Dem DORV-Konzept, wie es in Jülich-Barmen oder Herzogenrath-Pannesheide umgesetzt ist, kann der Bürgermeister einiges abgewinnen. Allerdings: „Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung“ – dafür steht das Kürzel – benötigen eine Gemeinschaft als Träger. Die will gefunden werden. Doch was nützt der schönste DORV-Laden im Dorf, wenn die, die per Umfrage für eine Gründung gestimmt haben, anschließend doch nicht hinreichend dort einkaufen?

In Baesweiler gab es ebenfalls Überlegungen, in den Dörfern ein DORV-Konzept anzubieten. Untersuchungen aber erbrachten, dass solch ein Laden sich kaum tragen könne. Entweder seien die Dörfer zu klein, etwa Puffendorf oder Floverich, oder sie liegen wie Loverich zu nah an Setterich, wo es Geschäfte gibt. Wohl dem, der mobil genug ist, um sie zu erreichen.

Dass in den Dörfern „so gut wie keine Nahversorgungsstrukturen mehr vorhanden sind“, räumt Bürgermeister Dr. Willi Linkens ein. Eine „mobile Versorgung“ ist nun angedacht. Ein rollender Dorfladen, wie es ihn für Gemüse und Backwaren bereits gibt. Ob sich das rechnet, muss sich zeigen. Zudem verweist Linkens auf Gespräche mit Einzelhändlern, um die Möglichkeiten eines Bring-Dienstes auszuloten. Ein Lieferservice, wie es ihn online bereits gibt – aber wie er von den Händlern vor Ort realisiert werden könnte.

Baesweiler legt nach

Ansonsten spricht Linkens in seiner Stadt von „einem gut sortierten und leistungsfähigen Handel mit hoher Produkt- und Beratungsqualität in überwiegend eigentümergeführten Einzelhandelsgeschäften“. Die Nahversorgung in den Zentren – jüngst aufgewertet in Setterich im Bereich „Neuer Markt“ und in Baesweiler derzeit vorbereitet am Feuerwehrturm – habe sich deutlich verbessert: „Es wird künftig weniger Kaufkraft in die Nachbarstädte Alsdorf und Übach-Palenberg abfließen.“ Was Linkens in Baesweiler vermisst: einen größeren Drogeriemarkt. Der aber brauche einerseits eine Verkaufsfläche ab 600 Quadratmetern aufwärts, die es derzeit nicht gibt, andererseits sei Baesweiler mit seinen 28.000 Einwohnern kein Top-Kandidat für Filial-Niederlassungen großer Ketten.

Auf die besondere Struktur Herzogenraths mit drei zentralen Lagen statt eines klar dominierenden Zentrums verweist Bürgermeister Christoph von den Driesch. Mit der Dreiteilung gehe ein hoher Nahversorgungsgrad einher: „Die Stadt Herzogenrath erfüllt in diesem Punkt ihre Funktion über die eigene Bevölkerung hinaus und sorgt für Kaufkraftzufluss aus den Nachbarkommunen.“ Was bei der Nahversorgung von Vorteil sei, erscheine bei zentrenrelevanten Sortimenten als Nachteil: „Daher ist dieses Sortiment in den drei Zentren allein nicht in der sonst für eine Stadt unserer Größenordnung üblichen Form zu finden, sondern häufig auch in dezentralen Lagen.“

Schon 2007 habe die Stadt ein Zentrenkonzept mit planungsrechtlichen Konsequenzen entwickelt. Ein Vorteil Rodas sei die Nähe zu den Niederlanden mit zusätzlichen Käuferströmen. Zurzeit würden diese bei Interessenten für neue Investitionen in den Vordergrund gebracht.

Der Herausforderung des Online-Handels soll mit dem Stadtmarketing-Projekt „MeinHerzogenrath.de“ begegnet werden, das sehr gut angelaufen sei. Von den Driesch: „Eine virtuelle Shopping-Mall vereint unser breites, über die Stadt verteiltes Angebot. Ich hoffe, dass das Interesse des Einzelhandels an diesem Projekt anhält.“ Ein zusätzliches Angebot an Sportartikeln ist für von den Driesch wünschenswert.

Die Nahversorgung in den Ortsteilen von Alsdorf sieht Erster Beigeordneter Ralf Kahlen nach einigen Neuansiedlungen als sehr gut aufgestellt. Auch im Zentrum habe sich einiges zum Besseren gewandelt. Sogar moderne Boutiquen seien hinzugekommen. „Allerdings ist die Verweilqualität ein Problem“, sieht Kahlen Handlungsbedarf. Hier wird mit neuen Bänken, einem Fassadenprogramm und mehr Grün reagiert. Viel verspricht sich Kahlen von dem städtebaulichen Wettbewerb, bei dem Studenten Vorschläge für die Gestaltung der Annaplatte und des zentralen Parkplatzes machten. Das habe schon die Aufmerksamkeit diverser Investoren erregt. „Wir haben jetzt die Chance, das Shoppingangebot in Alsdorf gezielt und nachhaltig zu erweiteren.“

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