Leiter der Tafel auch mit 70 Jahren stets aktiv

Von: Stefan Schaum
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Auch hier ist sein Platz: Willy Feldeisen sitzt gern mal selbst hinterm Steuer, um neue Waren für die Tafel zu beschaffen. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Es gibt Menschen, die vor allem hinter den Kulissen dafür sorgen, dass ein Laden läuft. Und es gibt welche, die in der ersten Reihe stehen und aktiv dort anpacken, wo Not am Mann ist. Willy Feldeisen ist einer, der beides kann und gerne macht.

Der seit kurzem 70-Jährige ist seit Gründung der Baesweiler Tafel im Jahr 2007 der Motor, der eine große Gemeinschaft antreibt. Über eine stetig steigende Bedürftigkeit und die Versorgung vieler Menschen spricht er im Wochenend-Interview.

Sie verbringen pro Woche viel Zeit im Einsatz für die Tafel. Hatten Sie sich ihren Ruhestand so vorgestellt?

Feldeisen: Ach, das passt schon ganz gut. Ich bin ohnehin keiner, der länger zuhause still rumsitzen kann, dann werde ich verrückt.

Wie kam es denn zur Gründung der Tafel?

Feldeisen: Bürgermeister Willi Linkens kam mit der Idee 2006 auf mich zu. In Übach-Palenberg gab es zu der Zeit bereits eine Tafel. Gemeinsam sind wir dort hingefahren und haben geschaut, wie die es machen. Und schon auf der Rückfahrt nach Baesweiler war klar: Mensch, das müssen wir auch bei uns haben!

Und dann haben Sie einfach mal losgelegt?

Feldeisen: Ein wenig Vorlauf hat es schon gebraucht. Aber die Räume waren ganz schnell gefunden. Kirsti Greier, die damals Pfarrerin in der evangelischen Gemeinde in Setterich war, hat uns dabei sehr unterstützt. Im Gemeindehaus an der Emil-Mayrisch-Straße sind wir bis heute. Im Keller, denn das ist geradezu ideal. Im Sommer haben es die wartenden Tafel-Kunden angenehm kühl und im Winter mollig warm.

Wie viele warten denn dort? Werden es immer mehr?

Feldeisen: Leider ja. Viel mehr sogar. Als wir angefangen haben, waren es 29 Namen in der Kundenkartei, heute kommen pro Ausgabetermin auch mal 110 Menschen.

Sind Sie diesem Andrang denn noch gewachsen? Ihre Vorräte dürften doch auch nicht unerschöpflich sein.

Feldeisen: Noch geht es. An die 120 könnten wir pro Ausgabe bedienen. In den Wintermonaten ist es schwieriger, das ist klar. Da sind frisches Obst und Gemüse teuer und die Händler kalkulieren deshalb knapper. Da bleibt dann oft nicht viel übrig, das sie an die Tafel weitergeben können. Aber zum Glück erfahren wir von Sponsoren und Spendern viel Unterstützung und können auch Lebensmittel hinzukaufen, wenn es mal eng wird.

Wie viele Klinken müssen sie denn putzen, damit der Nachschub nicht ins Stocken kommt?

Feldeisen: Das sind schon einige, aber das liegt mir ganz gut. Ich bin einer der gern auf die Leute zugeht, so locker-flockig vom Hocker. Und ich kenne ja auch den ein oder anderen in der Stadt. Das war schon zum Start ganz hilfreich. Ich bin wochen- und monatelang rumgelaufen und habe um Unterstützung gebeten. Auch kleine Spenden waren mir willkommen. Nach dem Motto: viel wenig ist unterm Strich auch viel. Das Hilfswerk „Menschen helfen Menschen“ des Aachener Zeitungsverlags hat uns damals bei der Anschubfinanzierung sehr unterstützt. Zu Beginn hat uns die Tafel in Übach-Palenberg einen Transporter geliehen, damit wir Waren heranholen konnten. Aber dank Sponsoren konnten wir sehr schnell ein eigenes Fahrzeug anschaffen. Heute sind 21 Aufkleber von Unterstützern auf dem Wagen – und in der ganzen Zeit ist kein einziger Sponsor abgesprungen.

Und Lebensmittel? Hapert es daran auch nicht?

Feldeisen: Nein, zum Glück. Die Lebensmittelmärkte und Discounter in Baesweiler unterstützen uns da sehr.

Selbst wenn Sie helfen können, die Not vieler Menschen zu lindern – wie nah gehen Ihnen die Schicksale, von denen sie in der Tafel erfahren?

Feldeisen: Sehr nah, da muss man oft schlucken. Ich verstehe grundsätzlich nicht, dass es in einem reichen Land wie Deutschland so viele Menschen geben kann, denen es am Nötigsten fehlt. Umso mehr haut mich die Dankbarkeit um, die man oft erfährt. Zu meinem 70. Geburtstag vor einer Woche habe ich eine große Glückwunschkarte bekommen mit ganz vielen Unterschriften von Tafel-Kunden. Ich kann gar nicht sagen, wie gerührt ich da war.

Wie sieht es mit Ehrenamtlern aus? Stehen immer noch genug Helfer parat?

Feldeisen: Oh ja. Derzeit haben wir gut 50 im Team, das ist sehr ordentlich.

Stimmt ja: Sie sind einer, der auf die Menschen zugeht.

Feldeisen: Ja. Aber den ein oder anderen Helfer hat auch unser Bürgermeister davon überzeugt, bei uns mitzuarbeiten.

Wo sehen Sie ihre Aufgabe in der Tafel? Sind sie eher Verwalter oder einer, der die Warenkisten schleppt?

Feldeisen: Ich mache beides. Um 8.45 Uhr fahren wir täglich los, um Waren in Geschäften abzuholen. Dann sitze ich oft selbst hinterm Steuer. An die zehn Stunden pro Woche kommen allein beim Fahren locker zusammen.

Und die Kinder haben noch nie gesagt: Papa, jetzt trete doch endlich mal kürzer?

Feldeisen: Nein, die kennen mich ja nur so. Bloß mein Enkel hat schon mal gefragt: Opa, musst du schon wieder weg? (lacht) Aber das war auch nicht ernst gemeint.

Wie lange wollen Sie das denn noch machen?

Feldeisen: Ans Aufhören habe ich noch nicht gedacht. Da würde mir auch gleich ganz wehmütig. Ich sag‘ immer: So lange man sich einsetzen kann, soll man es tun.

Das gilt bei Ihnen offenbar auch für die Lokalpolitik. Am 28. Mai werden sie erneut Direktkandidat für die CDU sein. Eine leichte Entscheidung, noch einmal anzutreten?

Feldeisen: Im Grunde schon. Ich hab‘ aber vorsichtshalber mal in der Partei nachgefragt, ob ich es wirklich machen soll. Da hieß es dann gleich: Klar, Du bist doch noch fit, wir finden das top!

Nehmen Sie sich denn überhaupt mal Auszeiten? Wann waren Sie das letzte Mal in Urlaub?

Feldeisen: So richtig in Urlaub? Das ist wohl schon länger her. Aber das brauche ich nicht, und meine Frau Irmgard auch nicht. Wir sind durch und durch vereinsjeck. Wir machen hier und da Kurzausflüge oder kleine Wanderungen. Und es ist ja schon ganz entspannend, sich am Wochenende daheim eine kurze Auszeit zu gönnen. Aber zu lang darf die nicht werden – das halte ich dann auch nicht aus.

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