Aachen/Würselen - Lehrer vor Gericht: Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung

Lehrer vor Gericht: Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Justizia
Einem Lehrer aus Monschau werden von der Aachener Staatsanwaltschaft schwerste Straftaten vorgeworfen. Foto: Peter Steffen/dpa

Aachen/Würselen. Einem Lehrer aus Monschau werden von der Aachener Staatsanwaltschaft schwerste Straftaten vorgeworfen. Der 63-Jährige muss sich deswegen seit Freitag vor dem Aachener Schöffengericht verantworten.

Den Versuch einer besonders schweren Brandstiftung und versuchte gefährliche Körperverletzung soll der Pädagoge Franz Anton D. in der Nacht vom 27. auf den 28. November 2015 nach drei Uhr in der Frühe in seinem ehemaligen Haus in Würselen begangen haben, er leugnete die Vorwürfe am Freitag.

Es ist eine wirkliche Gruselgeschichte, die die fünfköpfige Familie in dem Haus in dieser Nacht auszustehen hatte. Denn als Christos K. (43), der dort in dem Haus mit der Sozialarbeiterin Susanne K. (40) und ihren drei Kindern lebt, am Ende eines spannenden Spätfilms zu Bett gehen wollte, hörte er gegen drei Uhr im noch nicht ganz renovierten Dachgeschoss Geräusche.

Als er von unten aus dem Parterre kommend die Treppe hochging, stand er urplötzlich vor einem mit einer Sturmhaube vermummten Mann. Spontan habe er mit dem Eindringling zu kämpfen begonnen, er habe an einen Fall von Wohnungseinbruch gedacht, beschrieb der Zeuge dem Vorsitzenden Richter Marcel Menn am Freitag die hochbrisante Situation.

Er habe wenig sehen können, es sei ihm aber gelungen, den Eindringling in den Schwitzkasten zu nehmen. Gleichzeitig habe er seine Frau, sie schlief bereits, gerufen, sie kam umgehend und half ihrem Lebensgefährten mit einem Kantholz, den Fremden niederzuringen, das kämpfende Paar war in der Zwischenzeit die Treppe hinuntergefallen.

„Hör auf, es hat doch keinen Zweck“, hatte Christos K. dem vermeintlich Fremden zugerufen, letztlich ergab sich der Eindringling, das Paar konnte den Mann mit Panzertape fesseln, eines der beiden Mädchen, die vom Kampflärm wach geworden waren, hatte de Polizei verständigt. Selbst da habe er, so berichtete K. am Freitag, dem Einbrecher die Sturmhaube nur bis zur Nase hochgezogen, es habe ihn nicht interessiert, wer das war.

Die war auch innerhalb von Minuten vor Ort und nahm das „Paket“ in Empfang. Beim Abführen sei Susanne K. aufgefallen, dass die Silhouette des Mannes der ähnele, die sie vom Vorbesitzer des Hauses, dem Monschauer Lehrer D., kannte. Und erst als die Polizei den Mann vernahm, begann ein merkwürdiger Fund auf dem Dachboden richtig Sinn zu machen.

Denn dort hatte Christos K. in Begleitung eines Polizisten einen ihm völlig unbekannten Rucksack aufgefunden, in dem sich eine Sprühflasche gefüllt mit Otto-Treibstoff, wie es in der Anklage hieß, sowie zwei Kerzen und diversen Feuerzeugen befanden, quasi ein Werkzeug-Kit für Brandstifter. Gleichzeitig fand man einen Lammfellstiefel, die der Eindringling als Lärmschutz über seine Schuhe gestreift hatte.

Später bei der Polizei begründete der Angeklagte sein Eindringen in sein ehemaliges Haus, das er im August 2014 „in einer freundschaftlichen Atmosphäre“ den Leuten verkauft hatte, mit dem Gefühl, er solle von denen über den Tisch gezogen werden. Denn seit Monaten tobte ein Rechtsstreit um das Haus, dessen Dachgeschoss nach der Einschätzung der Genehmigungsbehörde schwarz ausgebaut worden war und eigentlich gar nicht bewohnt werden durfte.

Daraufhin hatte das Paar in Würselen den Monschauer Verkäufer auf eine Summe von etwas mehr als 150.000 Euro verklagt. Deswegen habe er denen „einen Denkzettel“ verpassen wollen, stand in den Polizeiberichten. Susanne K. und Christos K. waren echt geschockt, als sie von der wahren Identität des Einbrechers erfuhren.

Der hatte im Übrigen am Freitag vor dem Schöffengericht eine ganz eigene Version der Dinge ausgebreitet, eine Geschichte, die bei Oberstaatsanwältin Jutta Breuer umgehend auf erhebliches Kopfschütteln stieß: „Die Umstände, die sie jetzt schildern“, stellte Breuer unmissverständlich fest, „stimmen keinesfalls mit den Ermittlungen überein“, warnte sie den Angeklagten vor den Folgen einer falschen Einlassung.

Denn D. hatte angegeben, er habe nur deswegen bis nachts in seinem Auto vor dem Haus gewartet, um ein Gespräch über die Forderungen zu suchen. Als dann das Auto der Familie vorfuhr, habe er sich durch die offen Tür ins Haus begeben. Da habe man sich Probleme der Bausubstanz angeschaut, es habe plötzlich Streit gegeben, dann habe das Paar ihn verprügelt.

Alles gelogen, meinten am Freitag die beiden Geschädigten, die Kinder würden heute noch unter der nächtlichen Attacke des Schulleiters leiden. Wann der Prozess jedoch fortgesetzt wird, stand am Freitag noch nicht fest.

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