Würselen - Lehren aus der Vergangenheit in die Zukunft mitnehmen

Lehren aus der Vergangenheit in die Zukunft mitnehmen

Von: ehg
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Stellte sich bei „Schwarz auf
Stellte sich bei „Schwarz auf Weiß” den Fragen von Dr. Matthias Wendt (l.): Rabbiner Max Mordechai Bohrer brach auch eine Lanze für den interreligiösen Dialog. Foto. Wolfgang Sevenich

Würselen. Großes Interesse fand der Besuch des Rabbiners der Jüdischen Gemeinde Aachen, Max Mordechai Bohrer, bei „Schwarz auf Weiß” in St. Marien im Rahmen des 4. Ökumenischen Gemeindetages.

Mit ganz viel Beifall begrüßt, stand er Moderator Dr. Matthias Wendt, Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Würselen, offen Rede und Antwort - bei Fragen zu seiner Person und zum religiösen Leben. Und zwischendurch war er immer mal zu einem Scherz aufgelegt.

Nicht nur der Moderator staunte über das fast akzentfreie Deutsch, in dem sich der Gast artikulierte, obwohl er erst 2007 nach Deutschland übergesiedelt war. Bevor er nach Aachen kam, war er zwei Jahres Landesrabbiner in Bremen. Bohrers Erklärung: „Ich habe in meinem Elternhaus die deutsche Kultur und damit auch die deutsche Sprache geatmet.”

„Unter einem gewissen Aspekt” betrachtet er sich als Nachfolger seines Großvaters, dessen Name er auch trage. „Er war vor der Verfolgung durch das Nazi-Regime der letzte Rabbiner am Oberrhein.” Und: „Er ist im Konzentrationslager Dachau umgebracht worden!” Es sei für ihn ein Trost, dass die jüdischen Gemeinden mit Unterstützung der Deutschen wieder aufgebaut würden. Wichtig erschien ihm, dass die Vergangenheit nicht vergessen werde. Der Übergang von Israel nach Deutschland - Bohrer ist 1956 in der Nähe von Tel Aviv geboren - sei ihm nicht leicht gefallen. Doch habe er sich schnell eingelebt, so dass er sich heute im Land seiner Väter zuhause fühle. „Deutschland ist meine zweite Heimat geworden.” Er wolle bis zu seinem Ruhestand gerne Rabbiner in Aachen bleiben.

Rabbiner sei ein Beruf wie jeder andere, wandte sich Bohrer, von Moderator Dr. Wendt danach gefragt, seinen Aufgaben in der Gemeinde zu, deren „Arbeitnehmer” er als geistliches Oberhaupt sei. Neben den Gottesdiensten am Sabbat, der am Freitag nach Sonnenuntergang beginne und am Samstag nach Sonnenuntergang ende, befriedige er alle religiösen Bedürfnisse der Gemeinde.

Zu einem Besuch eines Gottesdienstes freitags um 19 Uhr in der 1995 eingeweihten Synagoge am Synagogenplatz 23 lud er die Christen beider Konfessionen herzlich ein. Wichtig sei ihm, dass Menschen aller Religionen sich begegnen und Meinungen untereinander austauschten, brach er eine Lanze für den interreligiösen Dialog. Erfreut stellte Bohrer, Vater von zwei Jungen und einem Mädchen, die nach wie vor in Tel Aviv leben, fest: „Die Integration der Religionen ist in Aachen weit fortgeschritten.”

Zu den religiösen Strömungen im Judentum sprach der Rabbiner Klartext. „Wer mit der Vergangenheit bricht, hat keine Zukunft”, schrieb er den Liberalen ins Stammbuch. Er räumte andererseits auch ein, dass die Orthodoxen die Auslegung der Bücher Mose übertreiben, was er an einem Beispiel verständlich machte.

Sorge macht Bohrer, dass die Zahl der Gemeindemitglieder - in Aachen sind es rund 1500 - nicht wachse und immer weniger den Weg zur Synagoge finden. „Wie es in 20 oder 30 Jahren aussehen wird, überlasse ich Gott. Ich tue heute mein Bestes”, hofft Bohrer auf bessere Zeiten. Verwaltet wird die Gemeinde von einem siebenköpfigen Vorstand, der alle vier Jahre nach demokratischen Prinzipien neu gewählt werde.

Dass Rabbiner Max Mordechai Bohrer großes Interesse am Judentum geweckt hatte, spiegelte sich bei „Schwarz auf Weiß” in St. Marien nicht zuletzt in den Fragen wider, die von den Besuchern in der Pause zu Papier gebracht worden waren.
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