Leckerer „Burger-Meister“: Arbeitsessen mit Humor gewürzt

Von: Jule Klieser
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Herzogenraths Jugendpfleger testet neue Form der Kommunikation zwischen Alt und Jung. Zuerst wird gut gekocht, damit die Gesprächspartner in die richtige Laune versetzt werden.

Herzogenrath. Als Hauptgang gab es, wofür Jugendliche meilenweit gehen, gewürzt mit einer Prise Humor: einen „Burger-Meister“. Jugendliche kreierten diesen Hamburger bei der Veranstaltung „Jugendthemen à la Carte“ zu Ehren von Bürgermeister Christoph von den Driesch, der ihn dann mit Genuss verspeiste. Ein Drei-Gänge-Menü hatten die sechs Jungen und ein Mädchen in der Küche des Jugendtreffs Streiffelder Hof zubereitet. Mit Jugendpfleger Oliver Krings hatten sie Repräsentanten aus Politik, Kultur und Wirtschaft eingeladen, um in lockerer Atmosphäre ins Gespräch zu kommen...

Schon am Spätnachmittag hört man die Köche werkeln, Duftschwaden durchziehen das Gebäude. Die fein-scharfe Tomatensuppe ist was fürs Auge mit der weißen Schaumhaube. Buletten werden geformt, Kartoffelschnitze gebacken, Tomaten geschnitten und Tiramisu mit Kirschen in Gläsern angerichtet. Die Hobby-Köche Michael Teichert und Oskar Knops, Sozialpädagogen beim Caritasverband, stehen den Jungköchen zur Seite. Beide kochen für ihr Leben gern und hatten sich sofort bereit erklärt, das Projekt des Jugendamtes zu unterstützen.

Am mit bunten Servietten gedeckten Tisch nehmen die geladenen Gesprächspartner Platz: neben dem Bürgermeister auch SPD-Ratsherr Bruno Barth, Guido Breuer von der VR-Bank, Petra Müller, Inhaberin einer Kfz-Werkstatt, sowie Galeristin Jutta Melchers. Schon tragen flinke Hände erste Platten herbei. Tomaten-Tortellini-Spießchen brechen schnell das Eis. Auf die Skateranlagen kommen die Jungs zu sprechen. Am liebsten hätten sie eine Bahn mitten in der Stadt. Platz gäbe es vielleicht, doch „das gibt nur Ärger“, befürchtet Bruno Barth.

Schon ist man bei der Lärmbelästigung: „Es kann aber nicht sein, dass Jugendliche in Randgebiete gedrängt werden, weil sie stören“, finden die Erwachsenen. Auch der Bürgermeister, von Hause aus Jurist, versteht eine Rechtsprechung nicht, mit deren Hilfe Bürger sich gegen Spielplätze in ihrer Nähe wehren können und begrüßt ein sich allmählich änderndes Bewusstsein in Richtung „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“. Sogar Kindertagesstätten hätten manchmal schon in Frage gestanden, „jetzt konzentriert man sich darauf, dass Kinder wichtiger sind“. Dazu Barth: „Vor der Haustür wollen die Leute Ruhe haben, aber woanders schnell fahren. Doch in manchen Bereichen ist Licht am Ende des Tunnels. Es müssen ja nicht nur Spielplätze da sein, sondern auch Angebote für Jugendliche.“

Oliver Krings fragt nach: „Wie erlebt Ihr das, habt Ihr manchmal Stress mit Anwohnern?“ Und schon dreht sich das Gespräch um die Umgangsformen zwischen Jung und Alt: „Wir werden nie höflich angesprochen“, bringt der 17-jährige Bünyamin sachlich vor. „Wenn man freundlich mit Jugendlichen spricht, kommt es freundlich zurück“, sagt Krings. Er höre von Älteren meist, Jugendliche seien respektlos, setzt der Bürgermeister entgegen. „Ihr könntet die Leute überraschen, wenn Ihr freundlich und höflich seid. Dann werden sie ihre Vorurteile ändern“, schlägt er vor. Das Thema wird noch eine Weile diskutiert. Facebook, Internet, Handy – an diesen Aspekten kommt keiner vorbei. Die Brücke schlägt Michael Teichert, als er über schlechtes Benehmen quer durch soziale Schichten und über inflationäre elektronische Kommunikation philosophiert. „Medienkompetenz ist wichtig, aber die Sozialkompetenz leidet“, ist sein Fazit.

Während der „Burger-Meister“ verspeist wird, haben alle etwas beizutragen, denn mit E-Mail-Fluten, SMS-Sprache und Datensammelwut von Internet-Unternehmen hat jeder zu tun. Doch nicht jeder lässt sich davon nerven. „Ich finde ein Gerät zum Musikhören wichtiger“, sagt ein Schüler.

Als die Dessertgläser ausgekratzt sind und jeder in der Schlussrunde ein Statement abgibt, sind alle glücklich. Jeder kam zu Wort, jeder hat etwas erfahren. „Ihr seid diszipliniert und engagiert. Ich bin begeistert. Und mit wie viel Spaß Ihr das gemacht habt“, lobt Oskar Knops. „Ich finde die Sache super und würde das so ins nächste Jahr übernehmen“, sagt Lukas vom Kochteam. Gäste und Köche schicken die Sache auf einen guten Weg: „Experiment gelungen!“

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