Alsdorf - Lebenstraum: „Die Energiewende war immer mein Ziel“

Lebenstraum: „Die Energiewende war immer mein Ziel“

Von: Karl Stüber
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Bleibt sich als Grüner auch im Berufsleben treu und setzt beim Neubau seines Firmensitzes (im Hintergrund) gegenüber dem Energeticon in Alsdorf konsequent auf Energieeffizienz: Hans-Willi Grümmer. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Zurzeit ist Hans-Willi Grümmer, Inhaber der „euregio-solarzentrum“ GmbH, leider nicht gut zu Fuß. Mit Krücken und auch schon mal - zur Entlastung des heilenden Fersenbeins - im Rollstuhl bewegt er sich durch seinen noch leer stehenden neuen Firmensitz an der Ecke Konrad-Adenauer-Allee/Carl-von-Ossietzky-Straße.

Es war ein Arbeitsunfall. Er ist vom Dach gefallen, als er mit der Abwicklung eines Auftrags in Sachen erneuerbare Energien befasst. Dabei hatte er mit dieser Verletzung noch Glück im Unglück. Von dem vorübergehenden Handicap lässt er sich seine gute Laune nicht verderben. Denn Hans-Willi Grümmer hat sich einen Lebenstraum erfüllt – mit dem Neubau direkt gegenüber dem Energeticon.

Und er lässt es sich auch nicht nehmen, beim 12. Alsdorfer Stadtgespräch teilzunehmen, das sich unter dem Titel „Zündende Ideen – leuchtende Beispiele“ mit der Energiewende vor Ort befasst (siehe Info). Denn das genau ist sein Thema.

Grümmer war Mitglied der ersten Grünen-Stadtratsfraktion in Alsdorf. Aber die politische Arbeit im und rund ums Rathaus war dann doch nicht seine Sache, wie er erzählt. Der Betriebswirt blieb jedoch seiner Überzeugung treu, sagte „Atomkraft, nein danke“, gehörte dem Verein Energiewende an, setzte sich für „Eine-Welt-Energie“ ein und gründete 1994 die SOG Sonnenenergie Grümmer, aus der letztlich die euregio-solarzentrum GmbH wurde. „Die Energiewende vor Ort war immer mein Ziel“, bekennt er. „Ich will nachhaltig wirken.“

Klar will er wirtschaftlich gut über die Runden kommen und seine Familie ernähren, aber dem Mann mit dem grünen Herzen geht es nicht um Gewinnmaximierung, wie er bekennt. Einen guten Teil von dem, was er verdient, investiert er wieder in neue Energien, so in den Neubau, der knapp eine Million Euro kosten wird. „Die Nähe zum Energeticon ist einfach perfekt“, sieht er in dem Dokumentationszentrum für historische und erneuerbare Energieformen eine „perfekte“ Einrichtung, um das Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit, den verantwortungsvollem Umgang mit den Ressourcen der Natur und die sinnvolle und wirtschaftliche Nutzung regenerativer Energien zu befördern.

„Und jetzt werden das Gymnasium und die Realschule unsere Nachbarn“, begrüßt er den voranschreitenden Bau des Kultur- und Bildungszentrums. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich Alsdorf doch noch so vom Steinkohlenbergau erholt“, sagt der 59-Jährige, dessen Großvater Bergmann war und der selbst noch gut in Erinnerung hat, dass das Annagelände im Kern von Alsdorf von Kokerei und Grubenbetrieb beherrscht war.

„Wir sind nicht mehr am Anfang der Energiewende. Wir sind da schon weit, sehr weit, dürfen aber nicht nachlassen“, sagt er.

Seit Jahren hält Grümmer in Sachen Energie Vorträge bei der Volkshochschule und versucht, ohne Belehrung Problembewusstsein zu schaffen, in der Hoffnung, dass argloses Verhalten sich in bewusstes, ja gezieltes verwandelt. Auch am neuen Firmensitz, den er Mitte März 2015 offiziell eröffnen will, ist Platz für Vorträge und Diskussionen rund um Energieeffizienz.

Natürlich ist der Neubau ein Paradebeispiel für niedrigen Energieeinsatz im Betrieb. Dreifachverglasung, eine 40 Zentimeter mächtige Bodenplatte mit Bodenheizung, die aus Solarwärme bzw. Solarstrom via Wärmepumpe bedient wird. Auf den Dächern von zwei Baukörpern Solaranlagen, die fünf bis sechs Mal mehr Energie erzeugen, als das Gebäude zum Betrieb benötigt

Die Energiewende bedeutet für ihn keinesfalls Verzicht oder gar Frieren, sondern gutes Wirtschaften und keine Verschwendung von Energie. Am eigenen Haus sollte ein jeder machen, was auch wirtschaftlich sinnvoll ist, um zur Energiewende beizutragen. sagt er. Der „grüne“ Hans-Willi Grümmer ist ein politischer Realo: „Ich will die eine Welt erhalten, denn es gibt für uns keine Reservewelt“. „Ich bin gerne in Alsdorf, das hier ist meine Heimat“, sagt er – und schaut in Richtung Energeticon.

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