Lebenslange Wunden verhindern

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Gemeinsam gegen Gewalt: (v.l.) Renate Wallraff (Frauenhaus Alsdorf), Silke Tamm-Kanj (Gleichstellungsbeauftragte), Annette Meuthrath (kfd), Sylvia Reinders (Opferschutz Polizei Aachen) und Annette Pütz vom Verein Frauen helfen Frauen. Foto: Nina Krüsmann

Nordkreis. Mit einer Informations- und Diskussionsveranstaltung „Gemeinsam gegen Gewalt - wir lassen Frauen nicht allein!” haben sich in Würselen Vertreterinnen verschiedener Verbände und Vereine im Alten Rathaus an die Öffentlichkeit gewandt. Initiiert hatten das Treffen die Gleichstellungsstelle Würselen, die kfd-Regionalversammlung Aachen-Land, die VHS Nordkreis Aachen, das Frauenplenum, der Integrationsrat und das Erzählcafé.

„Mir wäre es lieber, dass eine solche Veranstaltung gar nicht nötig wäre. Aber leider ist es notwendig, das Thema Gewalt in der Öffentlichkeit zu thematisieren und die Opfer nicht alleine zu lassen”, betonte Bürgermeister Arno Nelles. Man müsse das Thema Gewalt in der Stadt auf seinen Gesamtkontext ausdehnen.

„Gewalt hat viele Facetten, psychische und körperliche Folgen. Leider verzeichnen wir auch in unserer Region viele Fälle von Gewalt gegen Frauen”, sagte Nelles. Positiv sei allein, dass die Tabuisierung abgenommen habe. „Das Thema muss auf die Tagesordnung. Schluss mit Gewalt”, forderte Nelles.

Annette Meuthrath, Referentin der kfd-Regionalversammlung Aachen-Land, betonte: „Gewalt hinterlässt immer Spuren. Seelische und körperliche Verletzungen, Schockzustände, Ängste, Leistungsbeeinträchtigungen und psychosomatische Erkrankungen bis hin zur Zerstörung der Persönlichkeit sind die Folgen.”

Problem sei, dass psychische Gewalt oft nicht als Gewalt wahrgenommen werde. „Erpressung, Bedrohung, Beleidigung oder sexuelle Gewalt verletzen das Selbstbewusstsein und bewirken seelische Schmerzen und Wunden, die oft ein Leben lang nicht heilen.” Oft würden die Betroffenen sich in Alkohol, Drogen oder Selbstmordversuche flüchten.

„Gewalt findet in der Öffentlichkeit, in der Partnerschaft, in der Familie und in der Pflege statt. Zukünftig wollen wir zu den verschiedenen Themengebieten gezielt Einzelveranstaltungen anbieten”, kündigte Moderatorin Silke Tamm-Kanj, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würselen, an.

Auch thematisierten die Vertreterinnen verschiedener Institutionen die verschiedenen Erscheinungsformen, die Gewaltdynamik, die Folgen von Gewalt und bestehende Hilfsangebote in der Städteregion Aachen. „Zu uns kommen Frauen, die von häuslicher Gewalt, Stalking oder Zwangsheirat betroffen sind. 2009 hatten wir insgesamt 92 Frauen und 102 Kinder in unserer Obhut, darunter 52 Prozent Deutsche”, sagte Renate Wallraff vom Frauenhaus Alsdorf.

Schwierig sei sowohl die finanzielle Lage des Hauses als auch die der Klientinnen. „Es darf nicht sein, dass eine Frau sich den Schutz vor Gewalt nicht leisten kann.”

Zukunft ohne Gewalt

„Besonders traurig ist, wenn Kinder Gewalt in der Familie miterleben und dadurch traumatisiert werden. Wir helfen, Kindern eine gewaltfreie Zukunft zu ermöglichen”, sagte Annette Pütz von Frauen helfen Frauen e.V. „Da die ökonomische Gewalt in der Hand der Männer liegt, zögern viele Frauen, ihren gewalttätigen Mann zu verlassen. Entscheiden muss am Ende immer die Klientin selbst”, betonte Pütz.
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