„Lebenslagen und Teilhabe“: Menschen in Kohlscheid erreichen

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
Kohlscheid
Die Studie betrachtet Einkommen/Vermögen, Bildung, Erwerbstätigkeit, Wohnsituation, Gesundheit sowie soziale Beziehungen/Familie. Vieles, etwa Bewertungen der Infrastruktur, sind auch bedeutsam für die entwicklungspolitischen Bemühungen zur Umgestaltung des Kohlscheider Zentrums. Foto: Manfred Kistermann

Herzogenrath. Bruno Ortmanns krempelt gerne die Ärmel hoch: Er ist ein Mann konkreter Ansprache und fundierten Handelns. „Bruder- respektive Schwesterdienst“ möchte er als Ständiger Diakon der Kohlscheider Pfarrei Christus unser Friede leisten. Und dazu ergründet wissen, wer sie denn sind, die „Armen und Randständigen unserer Gesellschaft“, denen er sich besonders widmen will.

„Wobei Armut nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale, politisch-partizipative, kommunikative und (inter)kulturelle Armut einschließt“, betont er. Wie muss man sich also aufstellen, um die Menschen zu erreichen?

Um diese zentrale Frage zu beantworten, hatte die Pfarrei eine großangelegte Studie zu „Lebenslagen und Teilhabe in Kohlscheid“ aufgelegt, detailreich in ihrer Ausrichtung, einzigartig im gesamten Bistum. 2000 Haushalte – in Kooperation mit der Stadt Herzogenrath repräsentativ ausgewählt – erhielten einen 16-seitigen Fragebogen. Anonym hinterfragt wurden die Themenblöcke Einkommen und Vermögen, Bildung, Erwerbstätigkeit, Wohnsituation, Gesundheit sowie soziale Beziehungen und Familie.

Genau 301 Rückläufe hat es gegeben. „Das ist in der empirischen Sozialforschung schon ganz beachtlich“, sagt Ortmanns, studierter Sozialwissenschaftler und Politologe. „Anfangs habe ich natürlich relativ viele E-Mails bekommen mit der Frage, ob alles wirklich anonym sei. Diese Bedenken konnte ich aber schnell aus dem Weg räumen. Schließlich geht es uns um reelle und nicht etwa geschönte Antworten.“

Über eine wesentliche Erkenntnis aus den Rückläufen freuen sich Ortmanns und Pastor Rainer Thoma besonders: Die Kohlscheider sind „kampagnenfähig“. Will heißen: „sehr sensibel“ für karitative Arbeit, aber auch für den politischen Einsatz. Was Pastor und Diakon denn auch mit einem großen Lob quittieren.

Noch eine Grunderkenntnis: Den Menschen in Kohlscheid geht es „grundsätzlich gar nicht so schlecht“, wie Ortmanns sagt. Allerdings waren es hauptsächlich besser Situierte, die sich mit den Fragen der Studie auseinandergesetzt haben. Erkennbar an Haushaltseinkommen (durchschnittlich 2500 Euro netto), Bildung (...), Wohnsituation (hohe Eigenheimquote) und Wünschen an die Infrastruktur („Wer ein Auto hat, nimmt weitere Anfahrten in Kauf“).

„Aber“, so Ortmanns, „es gibt in der Pfarrei auch einen größeren Anteil an Ausreißern.“ Menschen, die durchaus im Pfarrbüro um Hilfen für den Lebensunterhalt bitten. Niedrigschwellige Unterstützung gibt es dann aus der Caritaskasse. „Aber im Wesentlichen sind wir ja Vermittler zu Institutionen, die für die weitere Hilfe zuständig sind.“

Informelle Hilfsstrukturen wie diese zu fördern, gehört zu den aus der Studie entwickelten vier Handlungsansätzen für die künftige Arbeit: Durch eine breitere Palette pfarrlicher Veranstaltungen möchte man mit den Menschen ins Gespräch kommen. Wesentlich ist zudem eine Modernisierung der Öffentlichkeitsarbeit, um sich auf dem Weg in die sozialen Medien breiter aufzustellen. Und, ganz besonders wichtig, junge Menschen anzusprechen.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

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