Lebensfreude aus Kuba in die Klinik importiert

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Mut machende Motive: Fotograf Michael Horbach, Rainer Geginat, Annegret Mund-Keller, Oberärztin der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin des MZ, und Chefarzt Dr. Till Wagner.

Würselen. Die Menschen auf diesen Fotografien sprechen zu ihren Betrachtern, regen die Fantasie an und entführen ins entfernte Kuba. Jetzt hängen zwölf Bilder des Fotografen Michael Horbach im Großformat auf der Palliativstation des Medizinischen Zentrums der Städteregion Aachen (MZ) Marienhöhe.

„Das ist eine Dauerleihgabe“, erklärt der Chefarzt der Palliativstation, Dr. Till Wagner, und zeigt sein Lieblingsbild: ein gelassener Straßenmusiker neben seinem Kontrabass, frei und ungezwungen nach einer Session. Eingefangen auf einer kubanischen Straße von Michael Horbach. Der gebürtige Würselener, der bis zu seinem 50. Lebensjahr Unternehmer war und sich seit 15 Jahren dem Reisen, der Kunst und seiner Stiftung widmet, übergab die zwölf Bilder jetzt an den Chefarzt im MZ.

Der erzählte während der feierlichen Übergabe eine besondere Geschichte: „Als ich die Fotos im Flur unserer Station aufhängte, beobachtete mich ein Patient, gab mir Anweisungen, wie die Bilder zu hängen hätten.“ Es war Rainer Geginat (66), im Juni vergangenen Jahres mit sehr heftigen Rückenschmerzen und der Diagnose eines inoperablen Tumors an der Wirbelsäule auf die Palliativstation eingewiesen wurde. „Ich war an den Rollstuhl gefesselt und wusste, dass ich Krebs habe“, erzählt der Taxiunternehmer.

Zwei Wochen auf der Palliativstation folgten – seine Auseinandersetzung mit dem Tod. Aber es war auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die jedoch nur sehr kurz sein sollte. „Ich habe mit einem 91-jährigen Bergmann auf dem Zimmer gelegen. Felix und ich lachten gemeinsam, erzählten, überlegten uns, wie wir überleben können. Wir frühstückten in der Sonne auf dem Balkon. Er war wie mein Vater, mein Bruder und mein Leidensgenosse“, erinnert sich Rainer Geginat, dem die Tränen in die Augen steigen.

Denn für ihn bedeutete die Palliativstation nicht die Endstation. „Wir haben Geginats Fall mit einem Kollegen aus der Orthopädie besprochen, der seine Wirbelsäule dann operierte – erfolgreich“, berichtet Dr. Till Wagner. „Als ich wach wurde, erfuhr ich, dass Felix inzwischen gestorben war“, sagt der Taxiunternehmer mit leiser Stimme.

Dann steht er auf und zeigt auf ein Bild von Michael Horbach: „Diese Bilder strahlen pure Lebensfreude aus und haben mir Kraft gegeben“, sagt Geginat, der mindestens fünf weitere Jahre leben will. „Auf der Palliativstation macht vieles Hoffnung“, sagt der Aachener, der selbst Hoffnung verbreitet. Kleine gelbe Smiley-Luftballons hängt er überall auf der Station auf, möchte, dass sie die Menschen zum Lächeln bringen.

Die lässt er auch strahlen, wenn er unkompliziert Patienten der Palliativstation mit seinem Taxi nach Hause bringt. Denn seit der Operation ist er nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen und kann wieder Auto fahren. „Es gibt Patienten, die entlassen wir am Wochenende nach Hause. Die haben aber keine Angehörigen oder kein Geld, um sich ein Taxi zu leisten. Den Notarztwagen können wir für diese Fahrt nicht in Anspruch nehmen, weil es ja nach Hause geht“, erzählt Chefarzt Dr. Wagner.

Genau für diese Patienten kommt Rainer Geginat nach Würselen, um sie gut gelaunt nach Hause zu fahren und um ihnen Mut zu machen. Jedes Mal ist schnell ein Thema gefunden: die Bilder der Kubaner auf der Palliativstation.

Dabei ist die Dauerleihgabe der Fotos einem Zufall zu verdanken. „Michael Horbach hatte sie in der Cafeteria in Marienhöhe ausgestellt, als eine Patientin der Palliativstation sie kurz vor ihrem Tod sah. Sie strahlte und erklärte, dass sie ein Leben lang nach Kuba reisen wollte, es aber nicht mehr geschafft habe. Nun sei sie unendlich dankbar, dass das Land kurz vor ihrem Tod zu ihr gekommen sei“, erinnert sich Wagner.

Diese Geschichte erzählte der Chefarzt dem Künstler, der daraufhin prompt entschied: Die Palliativstation erhält die Dauerleihgabe.

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