Herzogenrath - „Leben retten“: Aktion des Kindermissionswerks für Flüchtlinge

„Leben retten“: Aktion des Kindermissionswerks für Flüchtlinge

Von: Beatrix Oprée
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„Das Meer ist keine Grabstätte“: Antonia Gilles und Noah Fränkel haben ganz klare Forderungen an die Politiker in Brüssel. Auch eine Gruppe von Messdienern aus St. Josef wird am 20. Juni ins Europaparlament fahren und für eine humane Flüchtlingspolitik protestieren. Foto: Beatrix Oprée
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Planke

Herzogenrath. „Es muss ganz, ganz schlimm sein, wenn man erfährt, dass ein Familienmitglied im Mittelmeer ertrunken ist!“ Antonia Gilles (10) fasst in Worte, was viele Kinder in diesen Monaten bewegt. Denn die allgegenwärtigen Meldungen über die Flüchtlingskatastrophe gehen auch an den Jüngsten nicht spurlos vorbei.

Auch Kinder haben das Foto des kleinen Ailan Kurdi, der leblos am Strand nahe der Touristenhochburg Bodrum angespült wurde, im Fernsehen, in Magazinen und im Internet gesehen. Es ist nur eines von vielen Bildern, die sie nicht mehr aus dem Kopf bekommen und die sie angemessen verarbeiten müssen.

Die Mitmachaktion „Leben retten“ der Sternsinger im Kindermissionswerk bietet derzeit eine probate Plattform dafür: um die Geschehnisse zu diskutieren, aber auch um Protest zu äußern und Änderungsvorschläge zu machen. „Ganz viel geht in den Kindern vor“, sagt Öffentlichkeitsreferentin Hedi Beckers: „Es ist wichtig, dass sie dies äußern können – auch über kreatives Tun.“ (siehe Infobox)

Antonia und Noah gehören zur Gruppe der Messdiener in der Pfarre St. Josef in Straß, die sich an diesem Nachmittag versammelt haben, um die Aktion „Leben retten“ zu unterstützen. Mit Pinsel und bunter Farbe machen sie sich daran, rund 1,20 Meter lange Holzbretter zu bemalen. Bootsplanken sollen es werden, um ein riesengroßes Flüchtlingsschiff zu bauen, eines, auf dem alle Menschen Platz haben und das niemals untergehen kann. „Man muss richtige Schiffe bauen und sie zu den Menschen schicken“, sagt Antonia. „Damit sie nicht auf alten kaputten Booten übers Meer fahren müssen.“ Denn dass allen Menschen das Recht auf ein menschenwürdiges Leben zusteht, das haben die Messdiener verinnerlicht. „Es tut mir so leid“, sagt Emilia Börner (12), „dass diese Menschen in solch einer schlimmen Situation sind. Sie alle haben doch große Hoffnung auf ein besseres Leben. Deswegen gehen sie ja so ein Risiko ein!“ Luisa Gilles (11) fordert deswegen: „Wir sollten sie alle aufnehmen. Und natürlich auch etwas dagegen tun, dass Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden.“

Diese Reaktionen zeigen, dass das Weltgeschehen für Kinder weitaus mehr ist als ein Wust anonymer Nachrichten. So versucht der zehnjährige Noah Fränkel etwa zu begreifen, warum so viele Menschen ertrinken, warum Menschen überhaupt fliehen müssen. „Der Krieg muss einfach aufhören“, schlussfolgert er. „Dafür muss man einfach alles tun!“

Kinder offenbaren eine klare Sichtweise. Und hat das Potenzial, politisch Handelnde zu norden. Doch Kinder müssen auch seelisch bewältigen können, womit sie tagtäglich konfrontiert werden. Das Gefühl, ernst genommen zu werden, kann ihnen dabei helfen.

In Brüssel mitdiskutieren

Für die Messdiener von St. Josef ist daher auch klar: Sie werden am 20. Juni mit nach Brüssel fahren, wenn im Zuge der „Leben-retten“-Aktion das symbolische Flüchtlingsschiff im europäischen Parlament vor Anker geht. Zusammengesetzt aus einer Unmenge an bunten Planken, die den Politikern viel Stoff zum Nachdenken geben. Drastische Szenen haben die Kinder von St. Josef auf das Holz gemalt: Menschen, die in hohen Wellen um Hilfe schreien. Völlig überfüllt Boote, die in den Fluten versinken. Angsterfüllte Gesichter. „Den Hafen im Blick und trotzdem ertrunken“, heißt es auf einem der Bretter. Oder: „Es gibt keine zwei Welten. Und die eine Welt gehört allen!“ Das alles wollen die Kinder den Politikern dann auch persönlich mitteilen, ergänzend ist in Brüssel ein Podium „Kinder fragen – Politiker antworten“ geplant. Ganz im Sinne von Gemeindereferent Wilfried Hammers: „Die Kinder sollen auf Augenhöhe mitdiskutieren.“

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