Würselen - Laptops an Grundschulen müssen fit gemacht werden

Laptops an Grundschulen müssen fit gemacht werden

Von: Georg Pinzek
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Leichter, schneller und flexibler: Tablet-Computer könnten die alten Lemmon-Laptops bald ablösen. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Haben Eltern, die für ihre Kinder über 1200 Euro teure und seit Monaten nicht einsatzfähige Lemmon-Laptops gekauft haben, also doch mit Zitronen gehandelt? In der Sondersitzung des Bildungsausschusses zum Projekt „Lernen mit modernen Medien – online“ (Lemmon) machte Susanne Hilgers, Mutter eines Kindes in einer so genannten „Laptop-Klasse“, ihrem Ärger Luft.

„Wir Eltern sind nicht länger bereit, das auszuhalten. Wir möchten am liebsten das Gerät zurückgeben. Sagen Sie uns dafür einen Ansprechpartner, dem wollen wir eine Frist setzen.“ Über zwei Stunden tagte das Gremium. Auf dem Beratungstisch lag ein Sachstandsbericht, der Pleiten, Pech und Pannen (wir berichteten mehrfach) und Perspektiven auflistete. Die Techniker versprachen Besserung – mal wieder. Dabei hatte die Diskussion das Zeug für Déjà-vu-Erlebnisse in Serie. Am Ende der Debatte verkündete Ausschussvorsitzende Doris Harst (SPD), dass dem Wunsch der Schulen nachgekommen wird, erneut einen „Runden Tisch“ mit allen Projektbeteiligten zu etablieren.

Nachdem Regio-IT die Laptops an Realschule und Gymnasium aufgerüstet und mit neuen Programmen „betankt“ hat, soll das System grundsätzlich wieder laufen. Nach ersten Tests bestätigten mit dem Projekt beauftragte Lehrer das dem Ausschuss, unisono lobten sie dabei die gute Kommunikation mit Regio-IT. Für sie steht weiterhin außer Frage, dass ein hohes Maß an technischer Ausstattung vonnöten sei, um Medienkompetenz zu vermitteln.

Die Pädagogen verhehlten aber nicht, Schüler, Eltern und Kollegen seien ganz offenkundig von „Lemmon“ maßlos enttäuscht. Problematisch sei es, verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Während am Städtischen Gymnasium bereits seit zwei Jahren keine Laptop-Klasse mehr gebildet werden konnte, ist im kommenden Schuljahr zumindest an der Realschule noch eine am Start. Zur Erinnerung: 2,5 Millionen Euro investiert die Stadt in die „Bildungsoffensive“.

Das hat sich eben rumgesprochen: Die drei Kilo schweren Laptops sind reparaturanfällig, die Akkus halten keinen Schultag durch und auch für die private Nutzung der Rechner hat der „neue“ Medien nutzende Nachwuchs nur ein müdes Lächeln übrig. Eröffnet wurde im Bildungsausschuss die Diskussion, inwieweit der baldige Einsatz von Tablet-Computern das Medienkonzept zukunftsfähig machen könnte. Nicht nur die Direktorin des Gymnasiums, Lydia Becker-Jax, warnte aber vor einer erneuten konzeptionslosen Einführung von Endgeräten.

„Der erste Schritt muss sein, dass das System mit den Laptops läuft, damit Ruhe einkehrt“, betonte die Schulleiterin und sprach sich für eine Weiterentwicklung des für die Schüler so wichtigen Medienkonzepts aus. Realschulleiter Lorenz Hellmann bezweifelte, dass von Eltern finanzierte Laptops das System dauerhaft tragfähig machen. Er stellte die Frage in den Raum: „Ist eine bessere Ausstattung der Schulen nicht sinnvoller?“ Hellmann monierte „den gigantischen Aufwand, der für die Betreuung der Rechner an der Schule nötig ist“.

„So viel Zeit und so viel Geld“

Unmissverständlich äußerte die Leiterin der Wurmtal-Grundschule, Ulla Dunkel-Pabich, ihren Unmut über den Projektverlauf: „Was bei uns Grundschulen passiert, ist eine Unverschämtheit. Wir können die Laptops nicht nutzen, sie stehen nur rum und versperren die Flure. Bei den Grundschulen herrscht ganz großer Frust.“ Die Rektorin der Sebastianus-Grundschule, Adelheid Fröhlich, bekräftigte: „Die Wut ist einfach riesengroß bei den Kolleginnen.“ Sie erinnerte daran: „Laut Lehrplan sind wir verpflichtet, mit modernen Medien zu arbeiten.“ Schulleiter Josef Palm von der GGS-Mitte stellte fest: „Das System ist, wenn es denn läuft, für Grundschulen völlig überladen.“

Beigeordneter Werner Birmanns äußerte „großes Verständnis für den Ärger an den Grundschulen. Es war aber unerlässlich, dass wir zuerst die Probleme am Gymnasium und an der Realschule lösen mussten.“ Regio-IT-Geschäftsführer Dieter Rehfeld versprach, dass das Konzept nach den Bedürfnissen der Grundschulen ausgerichtet werde: „Geben Sie uns eine Chance, dass wir auch bei Ihnen anfangen, systematisch aufzuräumen.“

CDU-Fraktionschef Karl-Jürgen Schmitz wollte es „nicht mehr hinnehmen, dass wir Stück für Stück hingehalten werden. Wir erwarten, dass die Probleme bis zur nächsten Sitzung des Bildungsausschusses am 23. Mai gelöst werden.“ CDU-Sprecher Peter Havers ärgerte sich „über die mangelhafte Information der Verwaltung“. Andreas Dumke (SPD) stellte fest: „Unser Geduldsfaden ist zum Zerreißen angespannt.“

Frank Lubbe (FDP) stellte dem kompletten System miserable Noten aus: „Um ein vernüftiges Netzwerk aufzubauen, braucht man nicht so viel Zeit und so viel Geld.“ Christoph Simon (Grüne) bedauerte ebenfalls, dass „die angeschafften Geräte offensichtlich nicht mehr zeitgemäß sind“. Und Walter Quadflieg (UWG) bezweifelte, „dass es Sinn macht, bereits in der fünften Jahrgangsstufe Laptop-Klassen zu bilden“.

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