Herzogenrath - Landtagskandidaten auf dem Prüfstand

Landtagskandidaten auf dem Prüfstand

Von: Lars Odenkirchen
Letzte Aktualisierung:
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Angeregte Diskussion: Die Landtagskandidaten Horst-Dieter Heidenrich (Grüne), Reimund Billmann (CDU), Maximilian Slawinski (FDP), Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) und Frank Thyssen (Linke, v.l.) stellten sich den Fragen des Moderators Wilfried Hammers. Foto: Lars Odenkrichen

Herzogenrath. Da sage noch mal einer, Politik sei langweilig: Im Herzogenrather Klösterchen ging es angesichts der anstehenden Landtagswahl bei einer Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten nicht bloß informativ, sonders teils gar richtig unterhaltsam zu.

Dass die Besucherzahl dabei eher gering war, konnte Moderator Wilfried Hammers nicht entmutigen: „Es ist uns einfach wichtig, dass es öffentliche Orte gibt, an denen Diskussionen geführt werden, damit die Wähler sich informieren können.” Teils leer gebliebene Sitzreihen wertete Hammers dabei auch als politische Botschaft: „Das Desinteresse beweist, dass die Menschen das Gefühl haben, von der Politik nicht für voll genommen zu werden.”

Unterschiedliche Standpunkte

Diejenigen Zuschauer, die sich im Klösterchen eingefunden hatten, zeigten sich jedoch sehr interessiert und sorgten auch mit ihren Fragen für eine angeregte Diskussion. Die Bildung war dabei ein Schwerpunktthema, dem sich die Kandidaten Reimund Billmann (CDU), Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD), Horst-Dieter Heidenreich (Grüne), Maximilian Slawinski (FDP) sowie Frank Thyssen (Linke) stellten. Dabei wurden schnell unterschiedliche politische Standpunkte deutlich.

So plädierte die SPD-Kandidatin Voigt-Küppers für eine „Gemeinschaftsschule, die aber weder eine Gesamtschule noch eine Einheitsschule ist”. Bis zum 6. Schuljahr sollten alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden, danach sollte der Weg auf die Gemeinschaftsschule führen, die von jeder Kommune eigenständig gestaltet werden könne - prinzipiell auch mit einer internen Gliederung in Haupt-, Real- und Gymnasialklassen.

Für sechs gemeinsame Schuljahre trat auch Horst-Dieter Heidenreich ein. Doch appellierte er, nicht „durch ideologische Scheuklappen wieder in Schulkämpfe wie in den 70er Jahren zu geraten”. Das bisherige dreigliedrige System in verbesserter Form fortführen möchten hingegen CDU und FDP, wobei FDP-Kandidat Slawinski für kleinere Klassen und mehr Sozialarbeiter eintrat. Frank Thyssen von den Linken betonte vor allem die Wichtigkeit des integrativen Lernens: „Es darf weder reine Migranten-, noch Behindertenschulen geben.”

Keine Zustimmung

Nach rund einer Stunde kamen auch andere Themen auf den Tisch: Verkehr, Klima und die Bestechlichkeit von Politikern gehörten hier dazu. CDU-Landtagsmitglied Reimund Billmann wurde etwa gefragt, wie der Bau eines neuen Kohlekraftwerks in Datteln mit dem Klimaschutz zu vereinbaren sei. Billmann lobte in diesem Zusammenhang das neue Kraftwerk als „sehr modern” und betonte, der Klimaschutz sei ihm sehr wichtig, man könne aber nicht allein auf Wind und Sonne als Energieträger setzen.

Der Grünen-Kandidat Horst-Dieter Heidenreich konnte dem Kraftwerksbau erwartungsgemäß nicht ganz zustimmen: Er räumte zwar ein, dass „man nicht von heute auf morgen alles außer Sonne und Wind abschalten kann”, Kohlekraftwerke hätten aber einen „bescheidenen Wirkungsgrad”. Einig zeigten sich beide darin, dass man Privathaushalte bei Sanierungs- und Energieeffizienzmaßnahmen unterstützen solle. Zur Sprache kamen schließlich Lobbyismus und Korruption. Einig waren sich die Politiker, dass man illegale Machenschaften aufs Schärfste verfolgen müsse und der Wähler mit seiner Stimme die Macht habe, korrupte Politiker abzustrafen.

Der Ton wird schärfer

Schärfer wurde der Ton zwischen Frank Thyssen und Maximilian Slawinski: Während der Kandidat der Linken recht eindeutig auf die Hotelier-Spenden an die FDP anspielte und diese Vorgänge als „eindeutige Korruption” bezeichnete, wehrte sich Slawinski entschlossen. „Parteispenden gibt es überall. Und ich würde ja auch nie der SPD einen Vorwurf machen, weil sie sich für Gewerkschaften einsetzt, obwohl sie gleichzeitig Spenden von den Gewerkschaften annimmt.”

Am Ende waren ein paar Farbenspiele angesagt - und es schien, als ob der Wahltag 9. Mai alle Optionen für Koalitionen offen lässt. Zumindest dann, wenn es nach den Kandidaten der Städteregion geht. Schwarz-Gelb und Rot-Grün erklärten die Vertreter der jeweiligen Parteien zwar zu ihren Traumkombinationen, aber auch abseits davon scheinen im politischen Malkasten so viele Farbkombinationen möglich zu sein wie nie zuvor. Ob Jamaika oder Ampel, Rot-Rot-Grün, Schwarz- Grün oder am Ende gar eine große Koalition - Möglichkeiten gibt es viele, ausgeschlossen wurden keine.
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