Landeselternbeirat: Das Beste für alle Kinder ist das Ziel

Von: Martin Wirtz
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Im Landeselternbeirat: Nadine Tomczak (l.) und Susanne Moers. Foto: Nadine Wirtz

Nordkreis. „Wir sind so etwas wie die Partei der Kinder“ – so fasst Nadine Tomczak die Aufgabe des Landeselternbeirats (LEB) zusammen. Die 36-Jährige ist im Elternbeirat der Baesweiler Kindertageseinrichtung KiLiBa aktiv und Vorsitzende des Jugendamtsbeirats der Städteregion Aachen.

Gemeinsam mit Susanne Moers (42), Mitglied des Elternbeirats der DRK-Kita „Die mit den Elefanten“ (Würselen) und Vorsitzende des Jugendamtsbeirats der Stadt Würselen, wurde sie kürzlich in den 15-köpfigen Vorstand des LEB gewählt.

Der im Jahre 2011 auf Grundlage des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) gegründete Landeselternbeirat ist womöglich ein Beispiel für das in den letzten Jahren zweifellos gestiegene Interesse der Eltern am Bildungsweg ihrer Kinder.

Mit dem Interesse stiegen auch die Ansprüche. In Extremfällen verklagen manche Eltern sogar Lehrer, um den Bildungserfolg ihrer Kinder zu garantieren. Ist der LEB also wirklich die Partei der Kinder, oder nur Ausdruck der Paranoia von Eltern, die heute schon ab der Kita die Ausbildung ihrer Kinder kontrollieren wollen?

Sicher ist: Die Mitwirkung im Vorstand des LEB bedeutet für Susanne Moers und Nadine Tomczak eine Menge Arbeit. Neben der Verwaltung der finanziellen Mittel des LEB, die ihre offizielle Aufgabe darstellt, nehmen Nadine Tomczak und Susanne Moers an Sitzungen von Ausschüssen des Landtages und der Landschaftsverbände teil, die im Vorstand nach Arbeitsgruppen aufgeteilt werden.

Hinzu kommt die Teilnahme an Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu relevanten Themen, mal auf Einladung durch die Veranstalter, mal auf eigene Initiative. Alle 15 Vorstandsmitglieder sind dadurch regelmäßig unterwegs, ob nach Düsseldorf oder sogar nach Berlin, nehmen Termine auch vormittags und unter der Woche wahr. All dies geschieht ehrenamtlich, was die Aufgabe nicht unbedingt erleichtert. Die gewählten Vertreter müssen außerdem nach vergleichsweise kurzer Zeit aus ihrem Amt scheiden, wenn sie kein Kind mehr im Kindergartenalter haben.

Kontinuität ist somit in der Praxis nur durch weiteres Engagement ehemaliger Vorstandsmitglieder zu erreichen. „Am besten wäre eigentlich eine Geschäftsstelle“, meint daher Susanne Moers. Aber dazu fehlen die Mittel. Ihr Ehrenamt bekamen Nadine Tomczak und Susanne Moers nicht geschenkt.

Um Mitglied im LEB zu sein, mussten beide zunächst zu Jugendamtselternbeiräten gewählt werden, und dazu bereits im Elternbeirat ihrer jeweiligen Kita aktiv sein (und bleiben). Durchsetzen kann sich hier nur, wer aktiv für sich wirbt, wer also darum bittet, die eigene Freizeit für das Interesse der Kinder einsetzen zu dürfen. Schnell wird deutlich: Die beiden Bürgerinnen und Mütter mussten eine gehörige Portion Motivation mitbringen.

Persönlich ist Nadine Tomczak als zweifache Mutter und Führungskraft in der Bilanzbuchhaltung von der Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf betroffen. Durch ihre berufliche Erfahrung im Steuerbereich weiß sie zudem, dass die Bemessungsgrundlagen für Elternbeiträge häufig nicht realistisch sind.

Elternbeiträge sollten ihrer Meinung nach besser abgeschafft werden, wo doch auch die Schulausbildung und inzwischen auch wieder das Studium beitragsfrei sind: „Warum sollte man ausgerechnet für die erste, so wichtige Stufe zahlen müssen?“, fragt sie. Es war diese Kombination aus persönlicher Betroffenheit und beruflicher Kompetenz, die die Delegierten überzeugte.

Susanne Moers, die im April ihr zweites Kind erwartet, konnte vor allem durch frühere Erfahrung in Elternverbänden punkten. Anders als Nadine Tomczak ist sie mit der Familienfreundlichkeit ihrer Arbeitsstelle durchaus zufrieden, wie auch mit den Verhältnissen in ihrer Kita. Trotzdem hat sie über den Tellerrand geschaut. Ihre Arbeit mit psychisch kranken Menschen in einer Kölner Einrichtung verschafft ihr dabei einen besonderen Blickwinkel: „Ich arbeite häufig mit denen, bei denen die Weiterentwicklung aufgrund früher Versäumnisse gestört ist“, sagt sie.

Deshalb beschränkt sich das Engagement der beiden Frauen nicht auf den Einzelfall. „Es geht um die Rahmenbedingungen“, macht Nadine Tomczak deutlich. Die derzeit anstehende Überarbeitung des KiBiz bietet hier eine gute Gelegenheit für Verbesserungen, wie Susanne Moers erklärt. Hier stellt der Landeselternbeirat nicht nur Forderungen, sondern macht auch konkrete Vorschläge, zum Beispiel zur Aufwertung der Erziehertätigkeit.

Eben das ist es, was die Arbeit von Susanne Moers und Nadine Tomczak (sowie die der anderen Vorstandsmitglieder des LEB) vom gelegentlichen Aufstand manch anderer Eltern im Namen des jeweils eigenen Kindes unterscheidet: Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind.

Aber Nadine Tomczak und Susanne Moers wollen das Beste für alle Kinder. Es ist daher kein Zufall, dass auch die politisch Verantwortlichen diesen Einsatz honorieren und sich gern anhören, was die „Partei der Kinder“ zu sagen hat. Weitere Informationen über den Landeselternbeirat gibt es unter www.lebnrw.de

Bei Fragen und Anregungen zur Arbeit des LEB wenden sich Interessenten an kontakt@lebnrw.de

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