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Land NRW wirbt für mehr ehrenamtliche Kräfte bei der Feuerwehr

Von: Naima Wolfsperger
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Die Alsdorfer Feuerwehr verfügt über 164 aktive Mitglieder, wovon 49 hauptamtlich in der Feuerwache arbeiten. Hinzu kommen 34 in der Jugendfeuerwehr, 43 in der Ehrenabteilung, 21 im Spielmannszug und fünf Fachberater. Insgesamt sind es 267 Mitglieder.

Nordkreis. Mit Geld ist die Arbeit, die sie ausführen, eigentlich nicht aufzuwiegen. Wer das eigene Leben riskiert, um andere zu retten, ist ein Held. Und der wohl unumstrittenste Heldenberuf ist der des Feuerwehrmanns. Der Beruf, von dem viele Kinder träumen, hat aber an Attraktivität eingebüßt.

3000 Stellen für hauptamtliche Kräfte sind derzeit in Nordrhein-Westfalen unbesetzt. Deshalb hat das Land eine Werbekampagne gestartet, mit der es mehr Ehrenamtler fürs Retten, Bergen, Löschen, Schützen – das Motto der Feuerwehr, im vierteiligen Logo dargestellt – begeistern will, um die Lücken zu füllen. Die Ursachen für den personellen Mangel in diesem Berufsfeld sind vielschichtig, die Konsequenzen einer unterbesetzten Wache für die Allgemeinheit verheerend.

Acht Minuten nach der Alarmierung sollen in 80 Prozent der Fälle neun Feuerwehrleute im Einsatz sein. Nach weiteren fünf Minuten insgesamt 22 Kräfte. Das besagt eine Rundverfügung der Bezirksregierung Köln zur Bewertung der Leistungsfähigkeit der Feuerwehren. Dieses Ziel ist hoch gesteckt und nicht immer leicht zu erreichen.

Die Alsdorfer Feuerwehr wurde im Jahr 2016 zu 701 Einsätzen gerufen. Sie verfügt über 164 aktive Mitglieder, und davon arbeiten 49 hauptamtlich in der Feuerwache. Hinzu kommen 34 in der Jugendfeuerwehr, 43 in der Ehrenabteilung, 21 im Spielmannszug und fünf Fachberater. Insgesamt sind es 267 Mitglieder.

Wer den Sprung von der ehren- in die hauptamtliche Wehr schaffen will, muss eine anderthalbjährige Ausbildung für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst durchlaufen. In der Regel folgt der Wechsel zu den Rettern erst nach einer anderen Berufsausbildung. „Früher musste die erste Ausbildung eine handwerkliche sein. Heutzutage spielt das keine Rolle mehr,“ sagt Peter Adenau, Leiter der Feuerwache Alsdorf Mitte.

Neben einem Rettungssanitäterlehrgang, einer Sprechfunkausbildung und einem Maschinistenlehrgang machen die Auszubildenden einen Lkw-Führerschein und üben für ABC-Einsätze – ABC steht für atomar, biologisch und chemisch. Im Idealfall wiegt der Feuerwehrmann mit der Ausrüstung 100 Kilogramm. Letztere bringt es auf 25 Kilo, da bleiben für den idealtypischen Retter um die 75 Kilo Eigengewicht.

„Die Trainings sind hart“, sagt Adenau. Wenn der Weg versperrt ist, kann es sein, dass der Feuerwehrmann durch enge Schächte kriechen muss. Dann kann es vorkommen, dass die Atemschutzmaske abgenommen und nach dem Durchkriechen wieder angezogen werden muss.

Um solche Extremfälle zu üben, gibt es in Aachen einen sogenannten Flashover-Container. Bis zu 600 Grad Deckentemperatur können darin simuliert werden. Das ist so heiß, dass sich die Übungskräfte auf den Boden legen müssen, wo es zumindest etwas kühler ist.

Weil das nur der schaffen kann, dessen Körper auch viel aushält, müssen die Anwärter den Sporttest NRW bestehen, bevor sie ihre Ausbildung beginnen dürfen. Nicht nur Zirkeltraining, Sprint und 3000-Meter-Lauf stehen auf dem Programm. Ein Diktat und ein Mathetest müssen bestanden werden und auch das Allgemeinwissen wird abgefragt. Die größten Hürden, an denen die meisten scheitern: „Bei den Laufübungen und in Mathematik. Da fallen die meisten durch“, sagt Adenau.

Aber wie schützen sich die Retter selbst? Neben der intensiven Ausbildung ist die Schutzkleidung ein wichtiger Faktor. Um die 1000 Euro kostet die Arbeitskleidung eines Feuerwehrmanns. Dazu gehören aber nicht nur jene Sachen, die die Einsatzkräfte bei einem Brandfall tragen, sondern unter anderem auch ein Blouson und eine Bundhose; Kleidung für die alltägliche Arbeit, die auf der Wache erledigt wird.

Die Überjacke und Überhose für den Einsatz sind besonders widerstandsfähig und mit einer speziellen Membran versehen, damit der heiße Dampf nicht hindurch kommt. Bis zu 1100 Grad Celsius kann ein Zimmerbrand produzieren. Die Kleidung muss außerdem gewisse Kriterien erfüllen. Sie darf nicht aus reinem Kunststoff sein, der würde bei diesen Temperaturen schmelzen.

Deshalb besteht die Schutzausrüstung aus Baumwolle oder höchstens einem Mischstoff. „Sechs Jahre Haltbarkeit empfiehlt der Hersteller“, sagt Adenau. In der Regel wird die Arbeitskluft dann auch nach dieser Zeit gewechselt, sagt Adenau. Außer bei starker Beanspruchung. Dann müssten die Überhosen und -jacken auch nach kürzerer Zeit ausgetauscht werden.

Aber es gibt noch mehr, was die Helfer schützt: Für den Einsatz in brennenden Gebäuden gibt es eine spezielle Schutzhaube, die jeden Zentimeter der Haut abdeckt und sich um das Atemgerät schließt. Auch sie schützt vor der Hitze. „Sie sieht so aus wie eine Skihaube“, sagt Adenau. Aber sie kann viel mehr.

Trotz der ehrenvollen Arbeit und der besonderen Ausrüstung scheint der Feuerwehrberuf nicht mehr so beliebt wie früher. Vielleicht liegt es an der breiten Auswahl anderer attraktiver Berufe. In Teilen mag es auch am Gehalt liegen, für das man sein Leben riskieren soll. Sorgen machen müsse man sich in keiner der Nordkreisstädte, sagt Adenau.

Aber: „Ausgebildete Kräfte können wir kaum rekrutieren.“ Man muss selbst ausbilden. Und er merke zumindest in Alsdorf ein Nachlassen der Beteiligung bei der freiwilligen Feuerwehr. Gründe könne das viele haben. „Vielleicht gibt es heute mehr Schichtdienst als früher, vielleicht ist das Ehrenamt nicht mehr so anerkannt. Es kann auch sein, dass das Engagement bei den Arbeitgebern nicht mehr so gern gesehen wird. Schließlich müssen die Arbeitskräfte im Notfall freigestellt werden. Ich glaube, viele Gründe spielen eine Rolle.“ Ein Trend, der auch in anderen Kommunen zu spüren sei, sagt Adenau.

In einigen, aber eben nicht in allen. Die Baesweiler Feuerwehr erhält trotz der Einwohnerzahl von knapp 30.000 und der Klassifizierung als mittlere kreisangehörige Stadt seit 1996 immer wieder eine Sondergenehmigung von der Bezirksregierung, dass die freiwilligen Helfer ausreichen und keine Hauptwache installiert werden muss.

Sicherlich spielen in diese Entscheidung auch Haushaltsfragen mit hinein. „Vor allem liegt es aber an unserem ausgeklügelten Konzept: Wir arbeiten mit einem Brandschutzbedarfsplan, haben eine ausgeprägte Helfertradition und betreiben intensive Jugendarbeit“, sagt Pierre Froesch vom Ordnungsamt Baesweiler. 189 aktive Mitglieder hat die freiwillige Feuerwehr; 48 in der Jugendfeuerwehr. „Aber es gibt bei diesem Job keine Obergrenze. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied.“ Die Baesweiler Feuerwehr ist im vergangenen Jahr 193 mal ausgerückt.

In Herzogenrath hatte die Feuerwehr 2016 656 Einsätze. „Wir haben 279 Mitglieder, 154 aktive“, sagt Ordnungsamtsleiter Manfred Sickert. Die Rahmenbedingungen um freigewordene Stellen über den freien Markt nachzubesetzen seien schlecht. „Landesweit fehlen derzeit rund 3000 hauptamtliche Feuerwehrmänner und -frauen“, sagt Sickert. Deshalb setze man in Herzogenrath auf neue Ausbildungsplätze.

Auch in Würselen werde die Werbekampagne des Landes NRW unterstützt, über die der Feuerwehrnachwuchs verstärkt werden soll, sagt Ralf Jüsgens. Er ist Pressesprecher der Würselener Feuerwehr, die im vergangenen Jahr 349 Einsätze hatte. Und er ist zufrieden mit den Mitgliederzahlen: 157, davon 122 aktive und 35 Hauptamtliche. „Aber auch wir freuen uns über jedes neue Gesicht.“

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