Lärmschutzwände 25 Jahre nicht geprüft

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
11192025.jpg
Mittlerweile wurden die Wände vom Grün befreit, eine Begehung ist jedoch noch nicht erfolgt. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Groß waren die Befürchtungen in Alsdorf, dass die Überprüfung der Lärmschutzwände am Kurt-Koblitz-Ring und der Grünschnitt durch Straßen NRW letztlich zu einem Kahlschlag führen könnte. Die Grünen schlugen Alarm und „auch wir waren erschrocken“, sagte Eleonore Prömpers vom Umweltamt der Stadt beim jüngsten Stadtentwicklungsausschuss.

„Der dichte Bewuchs ist ein schönes Entree in unsere Stadt, aber wilder Wein und Efeu drücken die Wände auseinander. Dem müssen wir uns beugen.“ Man habe sich mit Straßen NRW darauf geeinigt, die großen Gehölze, die sich zum Teil selbst gesät haben, stehen zu lassen – es sei denn, sie stehen zu nah an den Wänden. Auch das berüchtigte „auf den Stock setzen“ könne eine Chance sein, so Prömpers weiter: An vielen Stellen käme erst nach einem Meter trockenem Gestrüpp ein bisschen Grün. „Nach dem Schnitt kann von unten frisches, dichtes Grün nachwachsen“, so die Verwaltungsbeamtin.

„Der hohe Stellenwert des Grüns ist uns vollkommen klar“, sagte Alfred Sebastian, Abteilungsleiter Betrieb und Verkehr des Landesbetriebs Straßen NRW, Niederlassung Ville-Eifel. Einige Sorgen konnten er und seine Kolleginnen im folgenden entkräften und die erforderlichen Arbeiten gut begründen. Wenig zu diskutieren gibt es beispielsweise an Stellen, wo 20 Meter hohe Bäume auf aufgeschüttetem Boden stehen und sich bereits zu neigen drohen. Wie zum Beispiel an der Würselener Straße. Oder wo Fluchttüren an der Fußgängerbrücke zugewachsen sind. Oder sich abgestorbene Äste in Baumkronen gesammelt haben und auf den Rad- und Fußgängerweg am Kindergarten fallen können. Und: „Von der Straßenseite aus gesehen sind an manchen Stellen Schilder nicht mehr zu sehen und auch die Bushaltestelle wächst zu“, so Christiane Kluth von Straßen NRW, Niederlassung Euskirchen.

Nun zum schwierigen Teil: Da man in dichtem Bewuchs selektiv vorgehen will, sind die Arbeiten relativ aufwendig. Ein großer Kran wird zum Einsatz kommen, es ist also wahrscheinlich, dass eine Fahrbahn und der Radweg zweitweise gesperrt werden müssen. „Ich empfehle Ihnen, bevor Sie die Umleitungsbeschilderung aufstellen, sich mal aufs Rad zu schwingen und die vorgeschlagene Route selbst abzufahren“, regte Oliver Schmidt-Schwan (Die Linke) an und erntete dafür im Ausschuss zustimmendes Gemurmel.

Hintergrund: die Radwegsperrung und damit verbundene Umleitung wegen des Baus einer Stützwand an der B 57 Richtung Würselen. Dieser wurde unvermeidbar, nachdem die Straße immer weiter aufgeschüttet worden war, sich der Druck auf die angrenzenden Häuser erhöht hatte und sich schon Risse an den Hauswänden gebildet hatten. Im Dezember dieses Jahres soll die Wand fertig sein.

Aber zurück zum Beschneiden und Entfernen des Grüns zwecks Stabilitätskontrolle der Lärmschutzwände: Maximal bis Februar hat Straßen NRW für die Arbeiten Zeit. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt vor, dass nur im Winter, zwischen November und Februar geschnitten werden darf. Solange sollen die Arbeiten aber nicht dauern.

Und ja: an manchen Stellen wird es am Ende kahl aussehen. Beispielsweise dort, wo besagte Kletterpflanzen wachsen. Die müssen komplett weg. Die Verwaltung setzt darauf, dass sich große Teile der Natur im Frühjahr erholen werden und Grün frisch nachwachsen wird. Der eigentliche Skandal ist aber weniger, wie die Maßnahmen im Ergebnis aussehen, sondern dass Straßen NRW die Wände seit ihrem Bau vor rund 25 Jahren weder überprüft, noch Bäume und Sträucher gepflegt hat.

Eigentlich ist dies alle drei und in größerem Umfang sogar alle sechs Jahre vorgeschrieben. Sebastian versuchte im Ausschuss erst gar nicht, das schön zu reden oder zu rechtfertigen: „Wir haben uns darauf verständigt, das ab jetzt regelmäßig zu machen, dann fallen die Maßnahmen auch nicht so radikal aus wie jetzt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert