„Kurve kriegen“: Angebot für Kinder von psychisch erkrankten Eltern

Von: Rolf Hohl
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Alsdorf. An einer psychischen Erkrankung haben oft nicht nur die Betroffenen selbst zu leiden, sondern auch ihre Mitmenschen. Besonders drastisch wirkt sich das in Familien aus.

Wenn die Eltern krank werden, laden sich häufig die älteren Kinder jene Verantwortung auf, die diese nicht mehr tragen können. Seit 2014 gibt es deshalb in Alsdorf den „Kinderwunderladen“, ein Gruppenangebot für Kinder von psychisch erkrankten Eltern. Jörn Keller vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Alsdorf stellte dessen Arbeit im Jugendhilfeausschuss der Stadt Alsdorf genauer vor.

In zwölf jeweils wöchentlichen Treffen versuche man, den Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren dabei zu helfen, die Krankheit der Eltern besser zu verstehen. „Wir nehmen den Kindern die Verantwortung ab, die sie zu Hause tragen und entlasten sie von der Idee, sie selbst seien am Zustand der Eltern schuld“, sagte Keller.

Die Eltern selbst würden die seelischen Belastungen häufig auf körperliche Beschwerden schieben, würden aber Rat und Unterstützung durchaus gerne annehmen. Die Gespräche mit den Eltern fänden jeweils parallel zu den Gruppenangeboten statt, während die Kinder in geschützter Atmosphäre eine möglichst unbeschwerte Zeit ermöglicht werden soll, so Keller.

Weiter wurde in der Ausschusssitzung auch die Arbeit der Landesinitiative „Kurve kriegen“ gegen Kinder- und Jugendkriminalität vorgestellt. Diese wurde 2011 in acht Modellregionen gestartet, darunter auch in der Städteregion Aachen, wo Kriminalhauptkommissar Franz Schmitz für das Programm zuständig ist. Dieser zog insgesamt eine positive Bilanz: 77 Jugendliche hätten in der Städteregion bislang daran teilgenommen, elf davon aus Alsdorf.

Die Initiative hat zum Ziel, mehrfach straffällig gewordene Heranwachsende pädagogisch zu begleiten und sie auf dem Weg aus der Kriminalität zu begleiten. Bei rund 40 Prozent aller Fälle sei das erfolgreich gewesen, so Schmitz. Jedoch stehe der Datenschutz der Polizeiarbeit häufig im Weg, weil diese nur begrenzt auf persönliche Informationen zugreifen dürfe und so die entsprechende Zielgruppe nur schwer auszumachen sei.

Um dem seit 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu gewährleisten, wurde vom Ausschuss die Einrichtung von vier zusätzlichen Übergangsgruppen für zwei Jahre beschlossen: Jeweils zwei in den Räumlichkeiten des Familienzentrums Eva Ofden und im ehemaligen katholischen Kindergarten St. Barbara.

Beschlossen wurden auch der Neubau einer neuen Kita in Alsdorf-Mitte für drei bis sechs Gruppen sowie der Ersatzneubau des AWO-Familienzentrums „Mittendrin“ für künftig sechs Gruppen. Weil diese im derzeitigen Finanzrahmen nicht aus städtischen Mitteln realisiert werden können, wurden am Dienstag die Angebote von Investoren behandelt, zu denen aber noch keine Details öffentlich bekannt sind.

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