Kunterbuntes Spektakel vor dem Dom

Von: ehg
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Prächtiges Spektakel vor dem Dom: Auch die Fahnenschwenker des Jungenspiels Oppen-Haal begeisterten die vielen Zuschauer. Foto: W. Sevenich

Würselen. Da waren die Spellsleute am Sonntagmorgen schon etwas enttäuscht: Hatte sich nach den beiden voraufgegangenen Sonnentagen der Himmel doch über Nacht zugezogen und die Temperaturen waren mächtig in den Keller gegangen, als sie zum traditionellen Fahnenschwenken vor der Kulisse der Pfarrkirche St. Sebastian aufmarschierten.

Um es vorweg zu nehmen: Das Fahnenschwenken war wiederum ein einmaliges Erlebnis, insbesondere für die vielen Beteiligten, aber auch für die Schaulustigen am Straßenrand. Und dabei wiederholt es sich doch jedes Jahr. Warum dem so ist, dazu der Präsident des Europäischen Parlaments, der Ehrenpritschenjunge von Bissen und Morsbach, Martin Schulz: „Alle Generationen bringen sich in ihren Quartieren bei den Jungenspielen ein!“ Der Spellsjong vergangener Tage freute sich, nach fünf Jahren mal wieder Augenzeuge sein zu dürfen.

Unverwechselbar

Bevor das erste Jungenspiel – es war diesmal Scherberg – auf der Bildfläche erschien, wurde kurz eine erste Bilanz gezogen. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Würselener Jungenspiel, Hans Maassen, stellte nach den ersten Aufwartungen mit Bürgermeister Arno Nelles auf den Zelten fest: „Es spielte sich meist alles unter freiem Himmel ab. Da löste sich das Raucherproblem von alleine.“ Zumal der Wettergott ein Einsehen hatte! Es freute Maassen, dass an allen Abenden Repräsentanten aus den Außenquartieren mit ihm und dem Bürgermeister auf Gratulationstour gingen. Nach vier Jahrzehnten – so alt wird die Arbeitsgemeinschaft in diesem Jahr – stimmt die Chemie in ihr immer noch!

Nach und nach stellten sich auch die übrigen Spiele aus den Alt-Würselener Quartieren ein. Angesichts der großen Zahl der Pärchen machte neben Oppen-Haal auch Markt-Preck Appetit auf mehr. Waren es doch bei ihm schon 42 am Morgen. Zuletzt das Königsspiel Bissen, das einen von Pfarrer Rainer Gattys zelebrierten Gottesdienst in St. Sebastian besucht hatte. Einigermaßen pünktlich konnte das farbenprächtige Spektakel seinen unverwechselbaren Lauf nehmen. AWJ-Vorsitzender Maassen und Bürgermeister Arno Nelles freute es, dazu auch Gäste aus zwei Partnerstädten begrüßen zu dürfen: 37 aus der thüringischen Partnerstadt Hildburghausen mit der Vorsitzenden der dortigen Freundschaftsgesellschaft, Elke Bischhaus, an der Spitze und 22 aus der bretonischen Partnerstadt Morlaix. Mit von der Partie war die 17-köpfige Folkloregruppe „Bagad“, die auf ihren Dudelsäcken und Bombards bretonische Folklore in das Jungenspiel-Brauchtum einfließen ließen. Leider nur kurz! Nach dem Aufmarsch mit dem Morsbacher-Siedler-Königsspiel zum großen Festzug mussten sie die Heimreise antreten. Am nächsten Morgen stand für zwei Musikanten die Abiturklausur auf dem Programm. Chapeau, dass die jungen Musikanten die strapaziöse Reise in Kauf genommen hatten, um nicht zuletzt Ellen Thielen-Vafaie, der Vorsitzenden der hiesigen Freundschaftsgesellschaft, eine Freude zu bereiten. Die Radfahrer, die in Thüringen gen Stadt der Jungenspiele gestartet waren, hatten am Morgen ihr Ziel noch nicht erreicht.

Los ging es mit der Vorstellung des Scherberger Königsspiels. Bürgermeister und AWJ-Vorsitzender schüttelten bei allen sechs Spielen fleißig die Hände der Spielspitze und der Schützenmajestäten. Bei den Königinnen, Maimägden und Ehrendamen gab es ein dreifaches Küsschen in Ehren „obendrauf“. Welch eine nicht alltägliche Ehre! Rolf Paffen, seit Jahren Chef der Scherberger Fahnenschwenker, machte nicht nur mit Sohn Pascal (5) und Tochter Katrin (9) sowie Nichte Simone (19) seine Aufwartung. Mit seiner Truppe zelebrierte er nach Walzerklängen Synchronschwingen, vom Feinsten.

Es schlossen sich die Akteure des Morsbacher-Königsspiels an. Sie ließen ihre bunten Zechen-Tücher flott um den Hals und um die Fußgelenke kreisen sowie durch die Beine wandern. Eine Kunst für sich! Nicht zuletzt dann, wenn zwei Fahnen gleichzeitig ins Spiel gebracht werden. Für akrobatische Einlagen sind die Fahnenschwenker aus Schweilbach-Teut immer wieder gut. Diesmal bauten sie zwei spektakuläre Pyramiden. Vor elf Jahren am Kirmessonntag geboren, schwang Marco Magney am Kirmessonntag 2013 mit großem Herzklopfen erstmalig bei den von Michael Kriescher, dem Sohn des AWJ-Ehrenvorsitzenden Willi Kriescher, trainierten Fahnenschwenkern bei Markt-Preck die Fahne. Ein echter Kirmesjong! Da war ein Sonderapplaus fällig.

Keine Frage: Das einzigartige Brauchtum lebt wie in keiner anderen Stadt! Und wird auch angesichts des engagierten Nachwuchses auch überleben. Szenenapplaus war bei allen Darbietungen an der Tagesordnung.

Ohne ihren „Chef“ Hans-Josef Bülles mussten die Bissener Akteure zurechtkommen. Er war an diesem Tag als König der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624 „dienstverpflichtet“. Unter Marschklängen bereiteten seine Freunde ihm alle Ehre. Trotz des böigen Windes, der inzwischen aufgekommen war.

Nicht abseits stehen wollte das von Willi Hendriks vor ein paar Jahren neu zum Leben erweckte Elchenrather Jungenspiel. Mit „Brasil“ heizten seine Fahnenschwenker gehörig ein.

Da fehlte noch Oppen-Haal. Als seine Spielspitze vorgestellt war, setzten die von Ulrich Grossmann geleiteten Akteure dem Schauspiel mit ihren Rautentüchern die Krone auf, rockig und fetzig zugleich! Mit einem kleinen – Gott sei Dank nur Konfetti – Regen obendrauf. Zwischenzeitlich hatten sich auch vermehrt die Schaulustigen eingestellt, die den Spells-leuten beim Abmarsch fleißig applaudierten.

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