Kunstrasenplätze für Würselen: Rat bringt Sportkonzept ins Rollen

Von: ehg/-ks-
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Echte ehrenamtliche Handarbeit
Echte ehrenamtliche Handarbeit: Hans Hilgers (l.) und Fritz Klöcker sind mit Markierungsarbeiten an der derzeitgen Laufstrecke auf dem Sportplatz an der Paulinenstraße beschäftigt. Die Chancen für eine neue Tartan-Umlaufbahn sind nun recht gut. Foto: Karl Stüber

Würselen. Was wäre der Verein DJK Armada ohne seine Ehrenamtler? Pressewart Hans Hilgers arbeitet diesmal nicht an einer Mitteilung, sondern am Geländer des Sportplatzes an der Paulinenstraße. Hilgers pinselt schwarze Markierungen aufs Geländer. Materialwart Fritz Klöcker werkelt mit einer Bohrmaschine.

„Wir bringen Markierungen für die Laufstrecke an, damit Prüfungen für das Sportabzeichen abgenommen werden können”, sagt Hilgers. Von einer richtigen, also regelkonformen Laufstrecke kann auf diesem Sportplatz leider nicht die Rede sei. Ein rot geschotterter Rundweg, 416 Meter lang, führt um den Fußballplatz, inklusive S-Kurve. Gerade mit Blick auf die starke Leichtathletikabteilung des Vereins schade. Aber nun scheint ein lang gehegter Wunsch Chance auf Erfüllung zu haben. Die beiden Ehrenamtler und mit ihnen der Verein setzen auf eine 400-Meter-Tartan-Umlaufbahn. Die Kommunalpolitik in Würselen hat dies in ihr Sportkonzept aufgenommen.

Im Herbst erste Beschlüsse

Nachdem in den letzten zehn Jahren Millionen in die Sanierung der Schulen und in die Neugestaltung der Innenstadt geflossen sind, ist nun der Sport an der Reihe. Durch einen Antrag der Kooperation (CDU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen) wurde der Ball jetzt in Richtung „Bau von Sportanlagen” ins Rollen gebracht. Die Kooperation sei - so der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Karl-Jürgen Schmitz - zuversichtlich, dass bereits im Herbst erste konkrete Beschlüsse gefasst werden. Diese Zuversicht schöpft er aus informellen Gesprächen. „Es soll ein gemeinsames Werk des Rates werden”, setzt die Kooperation auf eine breite Mehrheit. Es würden weitere Gespräche mit den Sportvereinen gesucht. Ob und wann die zu fassenden Beschlüsse umgesetzt werden können, werde von der Finanzierbarkeit der Vorhaben abhängen.

Die Überlegungen, neue Sportanlagen auf „Konzentrationsflächen” zu erstellen, seien - so Schmitz - zwar nicht abwegig gewesen. Man habe sich aber von ihnen verabschieden müssen, weil sie auch wegen der nicht vorhandenen Infrastruktur nicht finanzierbar seien. Der Bau einer einzigen Anlage würde den Betrag auffressen, den wir für Maßnahmen an drei Orten zur Verfügung haben. Es sei auch nicht möglich, alle Sportplätze zu Bauland zu machen und darüber dieses Modell zu finanzieren. Die Kooperation hat sich deshalb entschieden, drei vorhandene Fußballplätze durch den Bau von drei Kunstrasenplätzen zu ersetzen, und zwar dort, „wo der größte Bedarf besteht.” So sollen der Rasenplatz an der Birkenstraße, der Aschenplatz an der Krottstraße und der Rasenplatz in Linden-Neusen in Kunstrasenplätze umgewandelt werden. Es ergebe sich aus dem Sportentwicklungsplan und aus den Berichten des Stadtsportverbandes, dass insbesondere die Trainingsmöglichkeiten für rasensporttreibende Vereine im Winter verbessert werden müssten, begründet die Kooperation ihren Antrag. Durch die Umgestaltung bestehender Sportflächen würden darüber hinaus Mittel für dringend erforderliche Reparaturmaßnahmen an „alten” Plätzen frei.

>„Außerdem sollen durch den Bau von Kunstrasenplätzen die jährlichen Pflegekosten und damit die Ausgaben im freiwilligen Korridor gesenkt werden”, betont die Kooperation in Richtung Kommunalaufsicht. Bei der Auswahl der umzuwandelnden Plätze habe sie sich vom Prinzip der Gleichbehandlung aller drei Stadtteile leiten lassen. Wichtig ist ihr, dass die Kunstrasenplätze ortsnah zur Verfügung stehen und dass die Vereine sich mit ihren Anlagen identifizieren. Die Kooperation lässt keine Zweifel daran, dass sich die Vereine an den Kosten werden beteiligen müssen. Es soll mit ihnen, so CDU-Chef Schmitz, über eine gerechte Lösung je nach Nutzung nachgedacht werden. Auch durch eine Kostenbeteiligung werde die Identifikation der Platzanlage bei den Nutzern gestärkt werden, ist sich die Kooperation einig.

Die Möglichkeit der Finanzierbarkeit werde derzeit von der Verwaltung geprüft, die im Hinblick auf ihren Antrag solide Vorarbeit geleistet habe, wofür sich Schmitz ausdrücklich bedankte. Der Sportplatz an der Paulinenstraße soll in ein Leichtathletikzentrum umgewandelt werden. Dazu soll eine 400-Meter-Tartan-Umlaufbahn Typ C gebaut und ein Sport- und Gemeinschaftshaus errichtet werden. Die Umgestaltung diene laut Schmitz vor allem der Förderung des Leistungssports und dem Schulsport. Dass durch einen neuen Anlauf das 40 Jahre alte leidige Thema endlich zu den Akten gelegt werden könne, wünscht sich die Kooperation.

Weil auch der Sportplatz Scherberg dringend sanierungsbedürftig sei, biete er sich für die Schaffung eines solchen Zentrums an. Dabei soll auch ein neues Sport- und Dorfgemeinschaftshaus entstehen, das als Ersatz für die abgängigen Gebäude am Sportplatz Paulinenstraße neue Umkleiden und Duschen erhalten soll. Zudem soll dort die Schießsportanlage, die derzeit in einer Schule untergebracht ist - ein auf Dauer nicht hinnehmbarer Zustand - untergebracht werden. Dazu gehören soll ein Besprechungs- und Versammlungsraum für die sport- und kulturtreibenden Vereine. Der Bau eines leichtathletischen Zentrums in Scherberg werde von allen Vereinen begrüßt.

Mit dem Bau eines Sport- und Dorfgemeinschaftshauses macht sich der Kooperation zum Fürsprecher aller Scherberger Vereine, die bereits Anfang Juni einen entsprechenden Antrag an den Bürgermeister gestellt hatten. Sei doch damit zu rechnen, dass die Gaststätte „Alt Scherberg” in absehbarer Zeit schließe. Dazu komme, dass das Pfarrheim St. Marien vom Bistum umgewidmet und künftig für die Erweiterung des Kindergartens genutzt werde. Die Folge sei, dass kein Versammlungs- beziehungsweise Veranstaltungsraum für die ortsansässigen Vereine mehr zur Verfügung stehen werde.

Aus Sorge um die Existenz der Vereine und um den Fortbestand der Dorfgemeinschaft war unter der Federführung der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen worden, um nach Lösungsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Schließlich entwickelte sie den Plan, auf dem im Eigentum der Stadt befindlichen Gelände vor dem jetzigen Rasentrainingsplatz ein Sport- und Dorfgemeinschaftshaus (SDGH) zu errichten. Bei der Parzelle handele es sich - so Schmitz, der Aktiver der Schützenbruderschaft ist - um eine derzeit als Pferdekoppel verpachtete Grünfläche, die als Sportfläche ausgewiesen ist. Auf Bitten der Vereine hat die Bauorganisation Schüller kostenfrei eine vorläufige Planung erstellt. Mit Freude stellt Schmitz fest, „dass der ganze Ort hinter diesem Vorhaben steht und die Vereine sich auch an den Kosten beteiligen wollen”. Es freue die Kooperation darüber hinaus, dass Bürgermeister Arno Nelles das Vorhaben, wie er die Scherberger Vereine wissen ließ, „uneingeschränkt” unterstützen wolle.

„Durch unseren Antrag werden wir einen Meilenstein in der Sportgeschichte der Stadt setzen”, sprach FDP-Fraktionsvorsitzender Hans Carduck von „einer fast 100-prozentigen Verbesserung der derzeitigen Verhältnisse”.

Auch die Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Renate Knauf, hält es für wichtig, dass die Vereine wegen der Identifikation mit den Sportstätten an den Kosten beteiligt werden, auch an den Energiekosten. Ins Rollen gebracht ist der Ball. Dass er schon bald im Tor landen möge, das wünschen sich die Vereine.
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