Kulturprogramm der Stadt droht das Aus

Von: Stefan Klassen
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Sind die Schaukästen mit den Ankündigungen städtisch geförderter Kulturveranstaltungen im Alten Rathaus bald leer? Am Dienstag berät die Politik. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Der von der Kommunalaufsicht verordnete strikte Sparkurs hat für die Würselener Bürger erste Folgen. Dem städtischen Kulturprogramm im Alten Rathaus droht der K.o. Am nächsten Dienstag, 17.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses am Morlaixplatz, wird sich die Politik mit dem Vorschlag der Stadtverwaltung auseinandersetzen müssen, „ab 2009 im Kulturzentrum Altes Rathaus kein städtisches Kulturprogramm mehr durchzuführen”.

So heißt es in der Beratungsvorlage des Ausschusses für Sport und Kultur. Lediglich die bereits vertraglich festgezurrten Veranstaltungen seien noch zu realisieren.

Der Grund ist finanzieller Natur: Die Stadt Würselen ist derart hoch verschuldet, dass die Kommunalaufsicht auch bei den freiwilligen Ausgaben, zu denen das Kulturprogramm zählt, den Rotstift angesetzt hat. „Alles steht mittlerweile unter dem Diktat der wirtschaftlichen Betrachtungsweise”, betont Werner Birmanns, als Erster Beigeordneter verantwortlich für den Kulturbereich. Der Stadtverwaltung seien die Hände gebunden. „Inhaltlich will das keiner hier in der Verwaltung”, so Birmanns zum drohenden Aus für das Kulturprogramm. „Eine äußerst unangenehme Geschichte.”

Künstler machen mobil

Das meint auch Nicole Kaffanke, Würselener Künstlerin und eine der vielen treibenden ehrenamtlichen Kräfte im Kulturzentrum Altes Rathaus. „Das städtische Kulturprogramm ist ein ganz wichtiger Teil des Würselener Kulturlebens. Es darf nicht wegfallen.” Das von Sigrid Kerinnis und ihrem städtischen Kulturbüro koordinierte Programm sei „über lange Zeit gewachsen” und habe „ein hohes Niveau erreicht, das Würselen über die Stadtgrenzen hinaus bekanntgemacht hat”.

Malerin Nicole Kaffanke will dem vermeintlichen Kultur-GAU nicht tatenlos zusehen und hat deshalb eine Petition an den Petitionsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags initiiert. Darin wird gefordert, der Stadt Würselen weiterhin die Ausgaben für das Kulturprogramm zu erlauben. Zahlreiche Unterschriften hat Nicole Kaffanke auch aus Reihen ihres Künstler-Netzwerkes bereits dafür bekommen. Diese sollen den Würselener Politikern während der Ausschusssitzung am Dienstag übergeben werden.

Günter Kölling, Vorsitzender des Kulturforum Würselen e.V., spricht derweil von einer „desaströsen und katastrophalen Entwicklung” und fordert die Politiker auf, das Kulturprogramm zu erhalten. Dieses sei mit seinen Angeboten wie etwa Kleinkunst- und Musikveranstaltungen unverzichtbar.

Stelle gestrichen

Kölling sorgt sich in diesem Zusammenhang auch um die Zukunft der im Alten Rathaus beheimateten Stadtbücherei: Nach dem Ausscheiden von Angela Ortmanns-Dohrmann Ende 2008 - ihre Leiterinnen-Stelle wurde vom Stadtrat gestrichen - sei ein Vakuum entstanden. Pädagogisch wertvolle Veranstaltungen und Aktionen wie beispielsweise die Lesenächte für Kinder stünden nun zur Disposition. Kölling: „Es ist eine irrige Meinung, dass eine Bücherei nur zum Ausleihen von Büchern da ist.”

SEW wartet ab

Kommissarische Büchereileiterin ist derzeit die Noch-Kulturbüro-Chefin Sigrid Kerinnis. Sie soll, so schlägt die Verwaltung der Politik vor, nach dem Wegfall des Kulturprogramms ab 2010 komplett in der Bücherei eingesetzt werden. Die gesamten Einsparungen - gestrichene Stelle und Kosten für das Kulturprogramm - belaufen sich laut Birmanns auf rund 60000 Euro im Jahr.

Klar ist: Das städtische Kulturprogramm, darunter Vorzeigeprojekte wie die Kinder- und Jugendtheaterreihe „Theaterstarter”, ist insgesamt ein Zuschussgeschäft. Was den Geschäftsführer der Stadtentwicklung Würselen (SEW), Manfred Zitzen, davon abhält, ohne Wenn und Aber das städtische Kulturprogramm in seine Gesellschaft zu übernehmen. Derartige Überlegungen, nämlich die städtische Kultur unter dem Dach der SEW zu bündeln, hatte im Dezember der Stadtrat ins Spiel gebracht. Zitzen erinnert daran, „dass eine bloße Verlagerung von städtischen Aufgaben auf eine stadteigene Gesellschaft ohne Kosteneinsparung ebenso unter die Maßnahmen zur Haushaltssicherung fällt wie eine stadteigene Lösung”. Das SEW-Personal sei „quantitativ nicht in der Lage, die Aufgabe ,Kulturveranstaltungen Altes Rathaus´ noch zusätzlich zu übernehmen”.

Der SEW-Aufsichtsrat, so Geschäftsführer Zitzen, werde erst dann eine Entscheidung treffen, wenn klare Vorgaben aus der Politik vorliegen.
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