Kulturforum: Ballade hat auch heute ihren Platz

Von: ehg
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Frühlingsfest des Kulturforums: Essen und Trinken mit balladesker Poesie im Rathaus-Restaurant „Zitadelle“. Günter Kölling (M.) hieß die Gäste willkommen. Gedichte trugen unter anderem Christa Ross (re.) sowie Dietrich und Gudrun Hoppe (l.) vor. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Einen mitreißenden Ausflug in die Welt der Balladen unternahm das Kulturforum (Kufo) auf seinem im Restaurant „Zitadelle“ veranstalteten Frühlingsfest. Dabei wurde der Bogen von der Klassik bis zur Moderne gespannt. Das mehr als dreistündige abwechslungsreiche Programm hatte Kuo-Vorsitzender Günter Kölling, der auch literarisch versiert durch den Abend führte, mit viel Herzblut arrangiert.

Professionell in Szene setzten sich bei ihren „Lesungen“ die bewährten Kufo-Rezitatoren Christa Ross sowie Gudrun und Diedrich Hoppe. Musikalisch in den Bann gezogen wurden die Besucher durch das Trio „The Hookers“ mit Stücken, die kongenial zum Balladen-Programm passten.

Damit die aufmerksamen Zuhörer wussten, worauf sie sich einließen, gab Kölling ihnen Worte von Kurt Tucholsky mit auf den Weg: „Die Ballade ist Tragödie und Klatschorgan, Nachrichtenkanal und Groteske, politisches Pamphlet und Geschichtsbuch, Schlager und Chanson, Geisterbahn und Trauerflor, Kitschroman und Sexblatt, Krimi und Western, ein Welttheater in drei Minuten.“

Auf unterhaltsame Weise wurde im Laufe des Abends mehr und mehr aufgezeigt, dass – so der Moderator – die Ballade auch im 20. Jahrhundert im Schwange war und auch in der zeitgenössischen Lyrik einen bedeutenden Platz einnimmt.

Zunächst wurde in Erinnerungen an die Schulzeit „geschwelgt“. Zum Vortrag gelangten „Der Fischer“ von Johann Wolfgang von Goethe und „Der Handschuh“ von Friedrich von Schiller. Die Dichterfürsten wurden nicht zufällig an den Anfang gesetzt. Haben sie doch im Jahr 1797 einen freundschaftlichen Wettbewerb um die besseren Balladen ausgetragen.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, aus dessen Feder der Text der deutschen Nationalhymne stammt, schilderte in seiner Ballade „Missheirat“, „dass eine kurzfristige Sanierung langfristige Probleme nach sich ziehen kann“. Weiter ging es mit der 1722 geborenen, nur wenig bekannten Anna Louisa Karsch, auch die Karschin genannt.

Die Schönheit ihrer Poesie und besonders ihr außergewöhnliches Improvisationstalent machten sie berühmt. Mit der Romanze „Recept wider böse Weiber“ nahm sie ihr Geschlecht auf die Schippe. In der kleinen Ballade „Ein frühes Waterboarding“ zeichnete Otto Julius Bierbaum, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein einflussreicher Journalist, den Prototyp von Millionen, vorwiegend junger Beziehungen nach, bei denen es himmelhoch jauchzend beginnt und zu Tode betrübt endet.

Als Nachschlag gab es aus der Feder von Bierbaum die Ballade „Erzählung“. Kölling: „Diese Erfahrungen und Enttäuschungen von jungen Träumern mit wirklichkeitsfremden Vorstellungen hat Heinrich Heine 60 Jahre vor ihm behandelt und nach ihm üppig Erich Kästner.“ Ludwig Thoma, der 1867 in Oberammergau geborene Rechtsanwalt und Redakteur beim „Simplicissimus“, zeichnete unterdessen mit spitzer Feder die Scheinmoral im bayerischen Fasching nach.

Erzählt wurde von den Erlebnissen eines durch und durch moralisch gesinnten Gymnasiallehrers im Münchener Fasching. Bekanntschaft mit dem so gut wie unbekannten Literaten Peter Glan machte das Publikum ebenfalls auf der Wanderung durch die Welt der Balladen. Er gilt – so Kölling – als literarischer Einzelfall: Seine Gedichte und virtuosen Spielereien mit alten Versformen zeugen von sokratischer Ironie, Bescheidenheit und Melancholie.

Rundum gelungen

Am Ende des rundum gelungenen Frühlingsfestes gelangten noch zwei Musterbeispiele aus Robert Gernhardts Gedichte-Werkstatt zum Vortrag: „Neulich in der Mommsenstraße“ und „Dreams that money can buy“. Mit Günter Kölling resümierte das Publikum: „Die Zeiten ändern sich, die Balladen bleiben. Sie ändern sich in der Form, aber auch in neuer Ausdruckskraft, Wucht, Witz und Lakonie, in der Raffinesse und – ganz wichtig – in der Vielfalt.“

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