„Kultur nach Acht“ in Baesweiler: HG Butzko

Von: mas
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HG Butzko in Baesweiler: „Lachen Sie laut über lauter traurige Dinge. Das hilft uns, den Mist zu ertragen.“ Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Das kennt man doch gerade in Baesweiler: Alles unter einer Kappe? Ja, das hat HG Butzko auch. Im übertragenen Sinne. Der Kabarettist mit dem eigenen Anspruch, das „Kumpel-Kabarett“ erfunden zu haben, kommt mit dem Motto der Baesweiler Karnevalisten daher. Eben alles unter einer Kappe.

Unterm Baseballmützchen hat der Scharfzeichner des intellektuellen politischen Kabaretts eine einzigartige Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang. In Baesweiler präsentierte der Gelsenkirchener nun sein neues Programm mit dem Titel „Herrschaftszeiten“.

In der ausverkauften Scheune des Kulturzentrums Baesweiler trat Butzko im Rahmen der Reihe „Kultur nach Acht“ auf. Der bekennende Schalke-Fan greift sofort an. Ohne großartiges Aufwärmen. Er bedient sich seines herzhaft rauen Ruhrpott-Charmes und schießt Breitseiten quer durch die politische Landschaft auf Bundesebene. Sicher ist vor ihm keiner.

Beliebtes Ziel ist die große Koalition und insbesondere Kanzlerin Angela Merkel. Aber bevor er sich „Mutti Merkel“ zuwendet, wird die SPD und ihr Vorsitzender „Siggi“ Gabriel ins Visier genommen. Dem SPD-Chef verabreicht Butzko den Titel „Gabriel, der erhabene Buddha aus Goslar, man könnte ihn auch Harzer Roller bezeichnen“.

Gauck als Soldat

Bundespräsident Joachim Gauck „will den Einsatz deutscher Soldaten im Ausland“. Damit ist Butzko dann auch völlig einverstanden: „Und zwar dann, wenn er selbst vorne wegzieht“. Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla, jetzt im Vorstand der Deutschen Bahn, muss sich einer speziellen Definierung seines Namens unterziehen. Butzko klärt auf: „Pofalla, das heißt doch Sturz auf den Ar…!“ Warum die Bahn ihn verpflichtete, weiß der Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2014 auch: „Die haben ihn rübergeholt, weil sie endlich mal eine schwarze Null haben möchten.“

Dann ist Angela Merkel dran. Er schaut auf die Handhaltung der zusammengeführten Zeigefinger und Daumen. „Was will sie uns damit sagen? Lasst die Finger von Sekundenkleber“? Butzko hat seine Antwort gefunden, die da lautet, „die Spaßbremse aus der Regierung will uns mit dieser Geste nur zeigen, das ist das schwarze Loch. Und zwar der Eingang.“

Es geht weiter zur Wirtschaftspolitik und den Banken. Früher habe er Fähnchen und Luftballons bei den Banken geschenkt bekommen. „Heute bekommt man dort Euros, die andere Art von Luftballons“. Schaut HG Butzko auf seine Bankauszüge empfindet er „den Geldraum in seinen unendlichen Pleiten“. Ob das Geld sicher bei den Banken aufgehoben ist? „Natürlich, man muss es nur rechtzeitig abheben.“

Europa ohne Euro

Europa und der Euro – ebenfalls ein Thema, das weidlich ausgeschlachtet wird. „Was ist das Resultat, wenn der Euro scheitert? Ein Europa ohne Euro“, seufzt der Künstler. Und dann lacht er spitzbübisch, verbunden mit der Bemerkung, „ich kenne das noch“.

In zwei Stunden gelingt ihm das Kunststück, seinem Publikum aus den Herzen zu sprechen. Denn Butzkos Intellekt kommt aus dem Bauch und geht in den Kopf. Alles unter einer Kappe.

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