Kultur nach 8: Frisch, frech und manchmal recht bissig

Von: Elisa Zander
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Zwei sibirische Bezirks-Hebammen: Zwar gibt es dort kein Spaßbad und auch kein Outlet-Center, aber "in Wodka desinfizierte Kinder"... Foto: Elisa Zander

Baesweiler. Spritzig, charmant und sehr charismatisch - das sind Biggi Wanninger und Anne Rixmann. Außerdem sind beide über 50 - „und solche Frauen sind „ schwer im Kommen”, bringt Biggi es auf den Punkt.

„Wir diskutieren nicht mehr, wir nehmen uns einfach, was wir wollen, sind intelligent und sehen gut aus.” Bestes Beispiel seien Angela Merkel und Brigitte Monhaupt - schließlich hätten beide viele Männer aus dem Weg geräumt.

Wanninger und Rixmann - das Duo, das viele aus dem Kölner Karneval kennen, ist Biggi Wanninger doch die Präsidentin der dortigen Stunksitzung, war im Rahmen der Reihe „Kultur nach 8” in der Baesweiler Burg zu Gast und bot sein Programm „Zwei ist eine zu viel” dar.

Eine Pointe jagte die andere, die unterschiedlichen Charaktere der Frauen - Wanninger rheinisch aufbrausend, Rixmann nordisch kühl - ergänzten sich hervorragend. Gerade noch urkomisch sind sie im nächsten Moment politisch bissig, um anschließend Stars und Sternchen auf die Schippe zu nehmen. Sie reihen einen Gag an den anderen und schippern mit dem Publikum durch alle möglichen gesellschaftlichen Reizthemen.

Ob Klimakatastrophe - „Die Holländer müssen sich nicht wundern, wenn ihr eigenes Land irgendwann durch die ganzen Kühe weggefurzt wird” - oder die sinkende Geburtenrate: Vor nichts machen die Kabarettistinnen halt. Als sibirische Bezirks-Hebammen erklären sie: „Bei uns wird das Baby nach der Geburt in Eiswasser gebadet und anschließend in Wodka desinfiziert.”

Natürlich darf auch das, was dem Duo zufolge zu 99 Prozent das weibliche Kabarett ausmacht, nicht fehlen: das Chanson. Zugegeben rückt ihre Interpretation von dem ab, was weitläufig unter dem Begriff verstanden wird, eben das gediegene liedhafte, musikalische Genre. Aber das, was sie anstelle dessen bieten, ist besser. Sie rocken und rappen auf bekannte Melodien und haben auch „I swear” umgeschrieben: „Ich schwitz´”.

Herrlich komisch ist es, wenn beide als alte Damen verkleidet mit Perücke, Hut und hochgeschlossenem nudefarbenem Mantel für Biggi Wanninger als Frau Schmitz-Klettenberg eine Leihmutter suchen, weil sie vor Jahren in New York Eizellen hat einfrieren lassen. „Ich wollte nie Kinder haben, aber Enkelchen schon”, erklärt sie.

Allerdings dürfe das Kind nicht spießig oder hochintelligent werden. „Schüler machen heute ja alle ihr Abi mit Eins und am Ende können sie doch nur Hartz-IV-Anträge in fünf Sprachen ausfüllen”, stichelt Anne Rixmann. Doch das Duo sieht ein, dass das Kind eh nie so cool wie es selbst werden könnte. Schließlich sind sie die „Berlin-Gangster”, die sich mit Koma-Saufen auch auskennen, „wir machen das nur mit Eierlikör”. Und dann rappen sie über Rheuma und schmerzende Knien.

Rhetorisch perfekt

Natürlich dürfen bei so viel weiblicher Power die Männer-Witze nicht fehlen, verpackt in eine szenische Erinnerung an die Beerdigung von Wolf-Dieter, seines Zeichens Lehrer und Jugendliebe der Rixmann. Das Begräbnis wird im hinduistischen Stil gehalten. Eigentlich wollte es seine erste Exfrau wie bei den Eskimos halten - ins Kanu und dann rauf aufs Wasser. Doch da habe die direkt hinterm Deich auf Amrum lebende zweite Ex-Frau widersprochen: „Auf keinen Fall. Wenn ein Tsunami kommt, hab´ ich den mit der nächsten Welle wieder in der Küche sitzen”...

Biggi Wanninger und Anne Rixmann liefern sich für ihre Witze rhetorisch perfekt eingeübte Steilvorlagen, die dem Publikum Lachtränen in die Augen treiben. Und am Ende zieht Marlene Vossen, Dauerbesucherin der Reihe „Kultur nach 8”, das Resümee: „Das war einer der besten Abende in den verangenen Jahren.”
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