Kulinarische Erinnerung an die Heimat

Von: Markus Bienwald
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Leeecker! Hier waren alle mit Begeisterung dabei: Bei der Kochaktion mit Flüchtlingen, Schülern und Freiwilligen herrschte in der Schulküche der Europaschule regelrechtes Gedränge rund um die Herde. Foto: Markus Bienwald
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Der Spaß am Kochen drückte sich auch in Speisen aus, die wir hier mit Kräutern hübsch verziert wurden.

Herzogenrath. Den Spruch mit den vielen Köchen, die den Brei verderben, den kann René Körfer-Losen definitiv ad acta legen. Denn der Schulsozialarbeiter der Europaschule in Herzogenrath war einer von gut 100 Teilnehmern beim gemeinsamen Kochen von Schülern, Lehrern, Freiwilligen und Flüchtlingen.

„Natürlich war es ein chaotisches Bild, schließlich hatten wir mit Sicherheit noch nie so viele Leute gleichzeitig in unserer Schulküche“, sagt Körfer-Losen. Dennoch funktionierte das Chaos besser als gedacht, und nach einer Aktion, die am Morgen begann und sich bis zur besten Zeit fürs Abendessen hinzog, gab es statt der geplanten fünf Rezepte schließlich doppelt so viele Möglichkeiten, seinen Appetit zu stillen. Doch der Reihe nach, denn „Let’s cook together“, wie die konzertierte Aktion der Europaschule mit zwei ortsansässigen Supermärkten als Zutatenspendern, Ehrenamtlern und Flüchtlingen überschrieben wurde, brauchte erstmal Unterstützer. Die gab es in besagten Supermärkten, die schon seit längerer Zeit Kooperationspartner der Gesamtschule sind.

Dann musste noch eingekauft werden, was sich schon als größere Hürde erwies. „In einem Supermarkt hat man uns eine eigene Kasse gewidmet“, erklärt der Schulsozialarbeiter. Dass schon das Einkaufen zum großen Vergnügen wurde, lag aber nicht nur daran, dass die Schüler statt die Schulbank zu drücken, sich mit insgesamt acht Einkaufswagen durch den Lebensmittel-Dschungel schlugen. Unterm Strich hat der Einkauf zwar länger gedauert als das Kochen an sich.

Doch das lag sicher auch am Aachener Koch Robert Wolf, der am späten Nachmittag die Koordination der Freizeitköche übernahm. „Es war schon überraschend, wie viele Leute in die Küche passen“, umschreibt Robin Quix vorsichtig die konzertierte Aktion. Er freute sich sehr, dass auch Freiwillige, die spontan vom Kochen hörten, vorbeikamen, um zu helfen. Wenn fünf Leute in einem Topf rühren, muss das Ganze noch lange nicht schmecken, meint Talha Cakir. „Beim Kochen konnten wir aber probieren, und das war lecker“, sagte der 16-Jährige.

Die Kommunikation, für die Umsetzung der Rezepte unerlässlich, war nach dem Rieseneinkauf die zweite größere Hürde. „Eigentlich waren die Rezepte von Arabisch ins Englische und dann auf Deutsch übersetzt worden“, erklärt René Körfer-Losen. „Aber dann hatten manche der Flüchtlinge, mit denen gekocht wurde, nur die arabische Version dabei.“ Es musste also improvisiert werden, und es wurde gedolmetscht. Diesen Job haben aber nicht Profis übernommen, Flüchtlinge halfen hier gerne aus. So zum Beispiel der erst zehnjährige Abu Mohsin. „Es hat Spaß gemacht“, erklärt er spontan. „Eier kochen konnte ich schon“, meint auch sein Bruder Mohammed. Der 14-Jährige konzentrierte sich am Kochnachmittag nicht nur auf das Übersetzen, sondern zauberte auch einen viel beachteten Salat. „Der war köstlich“, lobte Lehrerin Martha Leisten, die mit ihrer Klasse 9 LZ ebenso wie die Literaturkursschüler der Q2 von Nicole Jacobi dabei waren. LZ steht übrigens für Langzeitpraktikum, was laut Martha Leisten dem Durchhaltevermögen auch bei solch langen Tagen zugutekommt.

„Wir haben viele Anregungen mitgenommen“, freute sich die Lehrerin, als sie die Bilderserie vom Einkaufen, vom Kochen und auch vom gemeinsamen Essen betrachtet.

Besonders in Erinnerung blieben den Teilnehmern neben dem reibungslosen Ablauf noch drei Sachen: Zum einen, dass die mitgebrachten Plastikdosen im Prinzip nicht zum Einsatz kommen mussten, „denn schon am Abend war fast alles aufgegessen“, sagte René Körfer-Losen. Zum zweiten waren sie positiv überrascht von der schönen Gruppendynamik, die den Tag nicht nur beim Essen zum Genuss werden ließ. Und zuletzt war da noch die Sache mit der Petersilie, die in der hiesigen Küche zwar sparsam vorkommt, in anderen Kulturen aber tragende Rollen einnehmen kann.

Und wenn dann den ganzen Tag über Crossover-Küche aus türkischen, syrischen, arabischen, albanischen, kurdischen und deutschen Rezepten zum Einsatz kommt, wird schon mal ganz viel von dem Kraut gebraucht. „Ich glaube, wir haben an diesem Tag alle verfügbare Petersilie in Herzogenrath aufgekauft“, lacht Körfer-Losen. Bei einer Neuauflage der Kochaktion, die schon bald stattfinden soll, wird sicherlich vorab schon mal ein guter Petersilie-Vorrat angelegt.

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