Künstlerin Kerstin Thelen gestaltet Mosaike

Von: Rolf Hohl
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Kerstin Thelen in ihrem Atelier: Die Künstlerin und Kunsttherapeutin gestaltet vor allem Mosaike. Nun auch am Soziokulturellen Zentrum Klösterchen. Foto: Rolf Hohl

Herzogenrath. Es muss erst etwas kaputtgehen, bevor Kerstin Thelen mit ihrem Werk beginnen kann. Während Bruchstücke für die meisten anderen Leute nämlich eher ein Ärgernis sind, erschafft die Künstlerin aus Herzogenrath daraus Mosaike. An ihrer neuen Wirkungsstätte, im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen, plant sie jetzt mit dem „Baum des Lebens“ ihr nächstes Projekt.

An der noch tristen Westfassade des Gebäudes soll das neue Mosaik entstehen, für das sie ab jetzt Bruch- und Schmuckstücke sammelt.

Bäume, das wird schnell klar, haben es Thelen angetan. Viele ihrer bisherigen Arbeiten zeigen eben solche, die zu großen Teilen aus Bruchstücken von Spiegeln bestehen und sich in die entlegensten Winkel schlängeln. „Hinter jedem dieser Stücke steckt eine Geschichte“, sagt sie. „Manchmal ist sie völlig belanglos, manchmal aber auch berührend und sehr persönlich.“

In ihrem Atelier „Werkstatt Lebensbaum“ geht es aber nicht nur um belaubte Zeitgenossen, sondern in erster Linie um Menschen. Seit Thelen ihre Weiterbildung zur Kunsttherapeutin abgeschlossen hat, hilft sie anderen durch schwierige Lebensphasen.

„Die Menschen kommen mit ihren Alltagskrisen hierher, um sie in Ruhe zu bewältigen. Das sieht man manchmal in den Bildern, aber Kunsttherapie hat auch nicht das Ziel, etwas Schönes zu erschaffen“, sagt sie. Oft müsse man erst das Kindliche in sich wiederentdecken und die Blockade überwinden, die einen daran hindere, einfach planlos etwas Neues anzufangen.

Sie selbst, die von der Kunst lebt, kann das hingegen nur begrenzt. „Ich habe zwar durch das Mosaik gelernt, das Ungewisse zuzulassen. Aber einen groben Plan, wie es später aussehen soll, habe ich meist schon.“ Nun soll es also ein Wandmosaik mit einer Höhe von über drei Metern werden, die da an der Klösterchen-Fassade entstehen wird.

In kleinen Papiertütchen können Interessierte ihre Bruchstücke bis zum Donnerstag, 6. Juli, abgeben oder einschicken, zusammen mit einer kleinen Geschichte, die hinter dem Stück steht. Und auch das ist eine Besonderheit von Thelens Mosaiken: Sie fasst den Begriff sehr weit und bringt neben Scherben aller Art auch andere Gegenstände darin unter. Sei es eine Uhr, Legosteine, Spielzeugautos oder eine Gummiente – fast alles findet seinen Platz.

Der große „Baum des Lebens“ soll wieder ein Gemeinschaftsprojekt werden. Denn wie schon bei vorangegangenen Werken können die Leute ihre Bruchstücke nicht nur einschicken, sondern dürfen ebenso an der Fertigstellung des Mosaiks mitarbeiten, die am Samstag, 8. Juli, beginnt.

Für die Künstlerin ist das Projekt auch eine symbolische Öffnung gegenüber der Nachbarschaft. Das gemeinsame Erschaffen eines solchen Werks, das weiß sie von früheren Arbeiten, habe eine sehr verbindende Wirkung und schnell komme man miteinander ins Gespräch. Das sei einer der Unterschiede zwischen der Kunst und der bloßen Arbeit: „Kunst ist ein Drang“ sagt Thelen. „Man kann sich nicht einfach hinsetzen und funktionieren wie in einem Büro.“

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