Würselen - Künstler Sous beklagt Zustand seiner Objekte

Künstler Sous beklagt Zustand seiner Objekte

Von: Verena Müller
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Seit zwei Jahren liegt die Schiffsschraube im Atelier des Künstlers: Albert Sous kann nicht nachvollziehen, warum die Stadt Würselen offenbar nicht an der Reparatur seines Brunnens auf dem Morlaixplatz interessiert ist. Zumal es nicht um Geld geht. Foto: Verena Müller
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Die Überreste des „Flugobjekts“, das im Frühjahr heruntergestürzt ist. Der Schrott liegt beim Bauhof.

Würselen. Albert Sous ist bestimmt kein empfindlicher Mensch und auch keiner, der schnell die Geduld verliert. Wenn er sagt, die Kränkung sitze inzwischen tief, dann muss das schon einen triftigen Grund haben. Die Wurzeln des Problems, das der Künstler mit der Stadt Würselen hat, liegen zwei Jahre zurück.

 Damals schellte ein Mitarbeiter des Bauhofs an der Tür und überreichte Sous eine der Schiffsschrauben des Brunnens „Die Bürger von Morlaix“ – „oder ,Bürgerinnen von Morlaix‘ müsste man eigentlich sagen, denn die Gesichter sind die der Marktfrauen von Morlaix“, sagt Sous.

Er hatte die Skulptur aus dem Jahr 1986, nachdem sie den Wettbewerbs für ein Denkmal mit Partnerstadt-Bezug gewonnen hatte, der Stadt vermacht. Der Brunnen besteht, wie man es von Sous kennt, aus Recyc­lingmaterial; die Kupferwannen etwa stammen aus der Aachener Schokoladenfabrikation. Das große Rad zeigt gen Morlaix.

Vor zwei Jahren war das Objekt grober Gewalt zum Opfer gefallen. Zeugen erzählten Sous, „schwere, große Jungs“ seien so lange auf die Schraube gesprungen, bis das Kugellager nachgegeben habe. Seitdem fehlt die Schraube an der mittleren der drei Wannen.

Der Mitarbeiter des Bauhofs (der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe Würselen) habe ihm die Schraube mit den Worten, sie gehöre ja schließlich ihm, überreicht. Rein rechtlich stimmt das so nicht. Sous hat der Stadt nicht nur dieses Werk geschenkt. Es gehört jetzt der Kommune. Sous fühlte sich nach seinem Umzug von Stolberg nach Würselen im Jahr 1963 rasch mit seiner neuen Heimat verbunden.

Die Feier unter Stadtdirektor Albert Cramer zur frisch gegründeten Partnerschaft mit der Stadt in der Bretagne fand in Sous‘ Garten statt. Gegen den Schwimmbadabriss hatte der streitbare Geist sich stark gemacht und auch den Finger gehoben, als es darum ging, Teile der alten Zigarrenfabrik auf dem Singer-Gelände zu erhalten.

„Ich habe so ein Glück gehabt im Leben“, sagt Sous, „vor allem, seit ich meine Frau kennengelernt habe.“ Das war Anfang der 60er an der Werkkunstschule Aachen. Susi war damals 17 und hatte ihm ab und zu Modell gesessen. Sous findet, wenn es das Leben so gut mit einem meint wie mit ihm, dann müsse man auch etwas zurückgeben. Der Erhalt von historischen Bauten fällt für ihn beispielsweise darunter.

„Es geht nicht um Geld“, unterstreicht er mehrfach. Das gelte auch für die Brunnenreparatur. In der Zwischenzeit habe sich ein Mann bei ihm gemeldet, dessen Eltern viel an dem Brunnen liegt und die gerne auf einer der Bänke, die ihn umgeben, sitzen. Die waren vor rund 15 Jahren aufgestellt worden, nachdem ein anderes Element durch rangierende Marktbeschicker beschädigt worden war.

Der Mann schrieb, seine Eltern und er bedauerten den Zustand des Brunnens sehr, er käme gerne für die Reparaturkosten auf. Er mailte mehrfach ans Rathaus. Das erste Mal im Mai 2015, das letzte Mal im August 2016. Passiert ist nichts. Sous würde die Reparatur selbst vornehmen. „Aber ich finde, ich muss nicht darum betteln.“ Einmal habe er den Bürgermeister persönlich auf den Brunnen angesprochen, auch danach habe sich nichts getan.

Vermutlich würde all das den 81-Jährigen nicht so sehr ärgern, wenn er nicht das Gefühl hätte, bei anderer Gelegenheit vor den Karren gespannt zu werden. Noch im September 2013 ließ sich Bürgermeister Arno Nelles groß beim „Atelierbesuch“ mit Sous ablichten, und wenn es um die Frage der Belebung des Morlaixplatzes gehe, werde er ebenfalls gefragt, sagt Sous. Und lacht. Ein Künstler solle wohl auf alle Fragen die richtigen Antworten parat haben.

300 Kilogramm Metall

In diesem Frühjahr sollte derselbe Bauhof-Mitarbeiter übrigens noch einmal bei Sous schellen. Bei einem schweren Sturm waren 300 Kilogramm Metall mehrere Meter tief auf einen Parkplatz gefallen: das „Flugobjekt“ (1984) von Sous auf dem ehemaligen Marktplatz in Broichweiden. Die Säule steht noch. Sie teilt die Zufahrt zu den Parkplätzen in zwei Hälften. Wer hier sein Auto abstellt, kommt nicht umhin, sie eng zu passieren.

Auch wenn sich das „Flugobjekt“ und der Brunnen im Besitz der Stadt befinden, schmerzt es Sous sichtlich, dass sie „verletzt“ sind, wie er es sagt. Sie bleiben seine Kinder. Und die Untätigkeit der Stadt kann er nicht nachvollziehen. In mehrfacher Hinsicht.

Sous sagt, er habe die Stadt – als diese plante, das „Flugobjekt“ vom Platz auf einen Kreisverkehr umziehen zu lassen – darauf hingewiesen, dass man seine Standfestigkeit überprüfen müsse. Sous kennt die Schwachstellen, bei regelmäßiger Wartung bestehe aber keine Gefahr. Und hält ein Schreiben der Stadt Stolberg hoch, die die Skulptur „Vogelmensch“ besitzt.

Der Technische Beigeordnete schreibt Sous, dass dessen Anregungen „selbstverständlich“ berücksichtigt würden. „Umgehend“ sei eine Metallbaufirma mit der Begutachtung beauftragt worden. Mit dem „Ergebnis, dass die Skulptur standfest ist, alle Schweißnähte noch in Ordnung sind, alle Lager in Funktion und genügend Spiel haben“.

So etwas hätte sich Sous auch in Würselen gewünscht. Stattdessen liegt der abgestürzte Teil seines Flugobjekts auf dem Gelände des Bauhofs. Den Schrott könne selbst er nicht mehr brauchen, habe er dem Bauhof-Mitarbeiter an seiner Tür gesagt. „Dass mir das ausgerechnet in Würselen passiert, wo ich mich so wohlfühle“, sagt Sous.

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