Kubiz-Kraftzentrale: Jetzt entscheidet der Rat

Von: Verena Müller
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Instabil: abgestützte Fundamente in der Kraftzentrale. Foto: V. Müller
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Instabil: abgestützte Fundamente in der Kraftzentrale. Foto: V. Müller

Alsdorf. Dass es am Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) nicht nach Plan läuft, das wurmt den Bürgermeister. Und daraus macht er auch keinen Hehl. Ein Jahr Bauverzögerung in der Kraftzentrale, 4,9 Millionen Euro Mehrkosten – diese Zahlen sind seit Dienstag bekannt. Dabei lief es so gut.

„Wir haben uns so angestrengt, lagen eine dreiviertel Million unter dem Budget und sollten früher als geplant fertig werden – von welchem Bauprojekt kann man das behaupten? Deshalb ist das jetzt besonders ärgerlich“, so Alfred Sonders. „Aber es ist wie es ist.“

Wie es bautechnisch genau ist, erläuterte die Technische Geschäftsführerin der Grund- und Stadtentwicklung, Kathrin Koppe, am Mittwoch beim offiziellen Pressetermin im Rathaus: Die Hohlräume in den Fundamenten in der Kraftzentrale einfach zu komplett zu verfüllen, wäre zu teuer. Stattdessen wird teilverfüllt, die Basis der Fundamente verstärkt, Stützen werden eingebaut und die Decke – der künftige Fußboden – in Gänze erneuert. Um die Stabilität des Gesamtbaus nicht zu gefährden, geht man abschnittsweise vor.

Die einzelnen Fundamente muss man sich als liegende U‘s vorstellen, auf ihnen stand jeweils eine Turbine. Ein U ist 20 Meter lang, acht Meter breit und 3,50 Meter hoch. Es reicht also vom Kellerboden bis zur Kellerdecke. Lange dachte man, die U‘s seien massiv, tatsächlich stieß man aber auf Mauerwerk und unzählige Hohlräume. Darin fanden sich Abraum, Schutt, Elektroschrott, Fahrräder, ... alles keine stabile Substanz jedenfalls, auf der man – wie geplant – Kuben errichten könnte.

Finanziell ergibt sich diese Lage: Rund 12 Millionen Euro sollte die Sanierung und Fertigstellung der Kraftzentrale kosten. Darin inbegriffen sind Planungskosten und die Gestaltung des Außengeländes. Nun werden es 4,9 Millionen Euro mehr. Davon entfallen alleine 762.000 Euro auf die Sanierung der Dachkonstruktion und 230.000 Euro auf die Fassade, denn auch hier war man auf unangenehme Überraschungen gestoßen (Stichworte Rost und Fugenerneuerung).

Insgesamt steigt die Gesamtsumme für den Neubau und den Umbau des denkmalgeschützten Industriebaus von 40,3 auf 45,2 Millionen Euro. „Bei den 4,9 Millionen Euro haben wir großzügig gerechnet und nichts beschönigt. Wir wollen vermeiden, später noch mal das Budget anpassen zu müssen“, so Sonders.

Wer ist mit im Boot? Die Grund- und Stadtentwicklungs GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Alsdorf, hat die Immobilie dem Land NRW abgekauft und baut im Auftrag der Stadt den gesamten Kubiz-Komplex bestehend aus Neubau und Langhaus mit Kraftzentrale. Die Tochtergesellschaft finanziert den Bau und erhält dazu von der Stadt, die die Gebäude später mietet, Eigenkapital. Projektpartner ist NRW Urban.

Wer trägt welche Kosten? Das Kubiz besteht aus mehreren Bausteinen. Manche Bereiche werden später rein von Realschule und Gymnasium genutzt, andere Räume (Turnhallen, Mensa, Musik- und Werkräume oder die Multifunktionshalle) können auch oder werden nur von der breiten Öffentlichkeit mit Leben gefüllt. Etwa von Vereinen, der VHS, dem Jugendtreff und so weiter. Mit diesem Konzept wird Alsdorf vom Land NRW im Rahmen der Sozialen Stadt gefördert.

Heißt: Die Bauteile, die von den Bürgern genutzt werden, erhalten zu 80 Prozent Landesmittel. Das sind in etwa 12,5 Millionen Euro. Den Rest zahlt die Stadt. Ein Fünftel ist Eigenkapital – zum Beispiel aus dem Verkauf des Gewerbeparks oder aus der Verwertung der dann ehemaligen Gelände von Realschule und Gymnasium –, vier Fünftel werden über Kredite abgedeckt.

Da von den Nachbesserungen der „öffentliche“ Teil des Kubiz betroffen ist und die Baumängel vor der Übergabe an die Stadt nicht bekannt waren, setzt Alsdorf darauf, dass das Land die Förderung anpasst „aber das steht noch nicht fest“, sagt Sonders. Bisherige Signale vonseiten der Regierungspräsidentin und des Grundstücksfonds des Landes NRW als Treuhänder und Projektpartner seien aber positiv gewesen.

Wie ist das weitere Verfahren? In der nächsten Ratssitzung muss über die Budgetanpassung und die Bereitschaft der Stadt, notfalls auch die 4,9 Millionen Euro zu übernehmen, abgestimmt werden. Denn nur mit einer finanziellen Zusicherung kann die Grund- und Stadtentwicklung Aufträge an Baufirmen vergeben. Bis Jahresende will die Stadt den Förderantrag erweitert und bei der Bezirksregierung eingereicht haben.

Im Frühjahr wird diese dann eine Empfehlung ans Land aussprechen. Das wiederum entscheidet letztlich, ob der Antrag ins Stadterneuerungsprogramm aufgenommen wird oder nicht – sprich: ob Alsdorf zusätzliche Fördermittel erhält. So ist das übliche Prozedere. Ein halbes Jahr verstreichen zu lassen, ist aber indiskutabel, denn an dem Projekt will die Stadt so oder so festhalten – auch wenn es um den Haushalt nicht gut bestellt ist, seit im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass sie an Cinram 27 Millionen Euro Gewerbesteuer zurückzahlen muss.

Warum ist das Kubiz so wichtig? Zum einen waren die Betriebskosten der beiden Schulen zu hoch: Stromkosten in Höhe von einer Million Kilowattstunden pro Jahr, um mal eine Hausnummer zu nennen. Der Neubau kommt mit deutlich weniger Fläche aus und unterschreitet die energetischen Auflagen um 20 Prozent. Zum anderen ist das Zentrum der Stadtteil mit den meisten Armen und Migranten.

Über Bildungsangebote direkt vor der Haustür dieser Bevölkerungsgruppe – so die Hoffnung – ist langfristig weniger finanzielle Unterstützung nötig. Daneben kann das Langhaus, fraglos ein Beispiel imposanter Industriearchitektur, erhalten und genutzt werden.

Was heißt das für den Umzug? Die Schulen sind kaum betroffen und ziehen im Sommer um. Für fehlende Räume ist Ersatz organisiert. Das Langhaus wird nach der Gesamtfertigstellung eröffnet, auch wenn rund ein Drittel des Baus voraussichtlich nächsten Monat fertig ist. „Wir wollen keine Kinder in der Baustelle“, so Sonders.

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