KuBiZ: Fundamente noch löchriger als befürchtet

Von: Verena Müller
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Freigelegt und abgestützt: Von vier massiven Fundamenten war man bislang ausgegangen. Tatsächlich befinden sich unter der Oberfläche aber viele Hohlräumen. Das Dachtragwerk oberhalb der Fenster bleibt erhalten, muss aber abgestrahlt und neu gestrichen werden. Foto: V. Müller
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Eines der vier U-förmigen Fundamente. Darauf stand eine Gasturbine, in der Aussparung in der Mitte rotierte ein Schwungrad. Foto: V. Müller

Alsdorf. Alles, was Hohlräume hat, wird gerne mit einem Schweizer Käse verglichen. Im Fall der Kraftzentrale des Kultur- und Bildungszentrums (KuBiZ) könnte man von einem löchrigen Labyrinth sprechen, und das Ausmaß der statischen Probleme ist immer noch nicht ganz erfasst.

„Man sieht von außen eine ein Meter dicke Wand, denkt, die ist massiv und stellt bei Kernbohrungen fest, dass nach 40 Zentimetern Schutt kommt“, beschrieb Kathrin Koppe, Technische Geschäftsführerin der Grund- und Stadtentwicklung GmbH (GSG) die derzeitigen Untersuchungen beim Ortstermin. Die GSG ist eine Tochter der Stadt und Eigentümerin des Gebäudes. Wenn das KuBiZ fertig ist, wird die Stadt das Langhaus mit der Kraftzentrale und den Neubau nebenan mieten. Wann die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein werden, ist aber nach wie vor offen.

Rückblick: Vor ein paar Wochen sollte in der Kraftzentrale ein in den Boden eingelassener Stahlträger ausgetauscht werden. Zur Überraschung der GSG befand sich darunter aber kein gegossenes Fundament, sondern gemauerter Stein, darunter ein Hohlraum. Die vorliegenden Pläne, der älteste von 1903, wiesen das aber nicht aus.

Bislang war man davon ausgegangen, dass im Boden vier große U‘s von jeweils 20 mal acht Metern liegen. Auf jedem U stand eine Gasturbine, deren Schwungrad in der Mitte des U rotierte. Ursprünglich sollten die vier Fundamente erhalten bleiben und auf ihnen zwei Kuben errichtet werden. Ein Kubus wiegt rund 100 Tonnen, eine Gasturbine wog geschätzt ein paar Dutzend Tonnen. Theoretisch hätte sich das Gewicht der Kuben gut auf die Fundamente verteilt, aber statischer Druck wirkt sich offenbar anders aus als der von Turbinen in Bewegung. Deshalb kann man die Sache nicht so einfach auf sich beruhen lassen.

Das Statikproblem betrifft nur rund zwei Drittel des Langhauses, Bauteil C. Die Bauteile A und B sind bereits saniert, hier können Musik- und Konferenzräume (A) sowie die Fachräume der Realschule und die Werkräume von „Aber Hallo“ der Kunst und Kultur e.V. (B) planmäßig einziehen.

Aktuelle Lage: Weitere Untersuchungen im Bauteil C, in dem Stadtteilküche, weitere Fachräume und das Stadteilforum für Schulen, Vereine, VHS etc. entstehen sollen, ergaben, dass keines der U‘s massiv gegossen ist. Es fanden sich Mauerwerk, Schutt, Kohleabraum und sogar ein Wassertank, von dem man bislang nichts wusste. Alles, was nicht tragfähig ist, wird nun entfernt, der Rest abgestützt. Die Untersuchungen dauern an, voraussichtlich bis Mitte Oktober.

Rost am Dachtragwerk

Unter dem Anstrich des Dachtragwerks ist Rost. Rund anderthalb Jahre hatte das Langhaus kein Dach, vermutlich ist das die Ursache. Inzwischen steht fest: Die 35 Trägerelemente und der Kranwagen müssen komplett abgestrahlt und neu gestrichen – aber immerhin nicht ersetzt werden.

An der Fassade (145 Meter lang 25 Meter breit, 125 Rundbögen und Fenster, über 700.000 Ziegelsteine alleine an einer Langseite) müssen die Fugen erneuert werden, da bei älteren Sanierungsarbeiten erstens das falsche Material und zweitens nicht in der erforderlichen Tiefe verwendet wurde.

Ausblick: Material-, Zeit- und Personalaufwand steigen. Mitte nächster Woche setzt sich die GSG mit den 14 noch involvierten Baufirmen zusammen, um zu erörtern, ob diese über den nun obsoleten Zeitplan hinausgehend arbeiten können. Entsprechend müssen Verträge angepasst oder gekündigt sowie unter Umständen Projekte neu ausgeschrieben werden. Und das kann dauern. Anfang des Jahres 2016 soll die neue Kostenübersicht stehen.

Mehrkosten: Für die außerschulische Nutzung des KuBiZ erhält die GSG zwölf Millionen Euro Landesmittel. Möglicherweise kann der noch nicht näher zu beziffernde höhere Aufwand in die Förderung einbezogen oder der Verkäufer des Langhauses, der Grundstücksfonds des Landes NRW, in die Pflicht genommen werden. Ob die Miete für das KuBiZ steigt, ist noch unklar.

Schulumzug: „Über 95 Prozent der schulischen Nutzung findet im Neubau statt“, sagte Bürgermeister Alfred Sonders. „Der Umzug von Realschule und Gymnasium kann also wie geplant stattfinden.“ Voraussichtlich wird der Neubau drei Wochen eher fertig als geplant, die Kosten liegen derzeit auch noch unter dem Budget. Zusätzlicher Raum könne übergangsweise in Containern geschaffen oder im Energeticon angemietet werden.

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