Kritik hält sich in Grenzen: Euregiobahn fährt gute Noten ein

Von: Andreas Gabbert
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Die Linie RB 20 der Euregiobahn kann zum Beispiel in Sachen Pünktlichkeit punkten: Am Bahnhof Alsdorf Annapark haben wir bei den Fahrgästen nachgefragt. Foto: Andreas Gabbert

Nordkreis. Die meisten Fahrgäste, die regelmäßig zwischen Herzogenrath und Alsdorf mit der RB 20 unterwegs sind, scheinen mit den Leistungen der Euregiobahn durchaus zufrieden zu sein. Das geht zum einen aus dem Qualitätsbericht des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland (NVR), aber auch aus unserer stichprobenartigen Umfrage am Bahnhof Alsdorf Annapark hervor.

Außerdem haben wir die Nutzer unserer Facebookseiten gefragt, ob sie regelmäßig mit der Euregiobahn zwischen Herzogenrath und Alsdorf unterwegs sind, ob sie die Bahn gerne nutzen und wie zufrieden sie mit dem Angebot sind.

Punkten kann die RB 20 in Sachen Pünktlichkeit. Laut NVR-Qualitätsbericht belief sich die durchschnittliche Verspätung im Jahr 2015 auf weniger als eine Minute. Im Vergleich dazu lag die durchschnittliche Verspätung eines Regionalexpresses im NVR-Gebiet bei etwa drei Minuten, die einer Regionalbahn bei circa 1,5 Minuten und die einer S-Bahn bei knapp unter einer Minute.

Gut schneidet die Bahnlinie RB 20 auch bei den Sitzplatzkapazitäten ab. Die Ausfallquote liegt hier knapp über null Prozent. Der Durchschnitt im Gebiet des NVR liegt bei rund 0,7 Prozent. Auch die Beschwerden der Fahrgäste halten sich auf dieser Linie in Grenzen. Im Jahr 2015 gab es insgesamt 61 Beschwerden.

Weniger Beschwerden hatten die Linien RE 4 (31), RE 22 (44) und S 12 (56) zu verzeichnen. Mehr Beschwerden gab es zum Beispiel mit Blick auf die Linien RB 48 (79), RB 24 (109), RB 25 (122) und RE 9 (175). Insgesamt registrierte der NVR 945 Beschwerden. Die Gründe für die Beschwerden auf der Linie RB 20 schlüsselt der NVR wie folgt auf: Fehlbehängung (4), Verspätungen (14), Fahrzeugmängel (1), Zugausfälle (13), Überfüllung (1) und sonstige (28).

Die Reaktionen auf unseren Facebookseiten runden das Bild ab. „Ich fahre von Alsdorf aus lieber mit der Bahn als mit dem Bus, vor allem nach Aachen“, schreibt etwa Michael Sabine Poick.

„Die Euregiobahn ist wesentlich zuverlässiger in Fragen der Pünktlichkeit als die AVV-Busse“ , kommentiert Marc Peters. „Ich fahre sehr gerne die Strecke, sie ist für mich wie Erholung. Und man vergisst schnell die Zeit. Mann könnte nur für Rollator-Benutzer etwas ändern“, sagt Heike Roth.

„Ich bin mit der Bahn bis vor einen Jahr zur Arbeit von Alsdorf Kellersberg bis Aachen gefahren. Leider hat die Bahn die Fahrzeiten umgestellt, anstatt 5.58 Uhr Abfahrt Richtung Aachen, fährt die jetzt um 6.25 Uhr nach Aachen. Für mich ist die halbe Stunde viel Zeit und die Bahn für mich leider uninteressant geworden. Ansonsten, wenn die Bahn pünktlich war oder nicht gestreikt wurde, war die viel angenehmer als der Bus“, schreibt Sabine Lejeune.

Franz Kroppenberg schlägt in die gleiche Kerbe. „Verbesserungswürdig wäre, dass die Euregiobahn abends öfters durchgängig nach Alsdorf fahren würde von Herzogenrath aus“, kritisiert Dirk Förmer. Ähnlich sieht das Helga Wolf. Sie wünscht sich Fahrten der Euregiobahn im 15-Minuten-Takt.

„Wenn alle Linien so zufriedenstellend wären wie die RB 20, wären wir froh. Dann hätten wir weniger Arbeit. Die RB 20 gehört auf keinen Fall zu den Sorgenkindern“, sagt der Pressesprecher des NVR, Holger Klein.

Die kritisierte Umstellung der Fahrzeiten sei erfolgt, um die Umstiegszeiten zu verbessern, erläutert Klein. Verspätungen und Ausfälle würden meist durch externe Einflüsse wie Unwetter und Unfälle sowie durch Fehler im Betriebsablauf entstehen. Das sei bei einem fragilen System, in dem ein Rädchen ins andere greife, ein generelles Problem, wovon die RB 20 aber vergleichsweise wenig betroffen sei.

„Mit einer durchschnittlichen Verspätung von weniger als einer Minute gehört diese Verbindung gemeinsam mit der RB 21 zu den Vorzeigelinien im NVR“, sagt Klein. Der Fahrplan sei auch nicht in Stein gemeißelt. Sollte ein entsprechender Bedarf bestehen, seien Anpassungen grundsätzlich möglich, sagt Klein.

Dass einige Fahrgäste in puncto Müll und Lärm wenig Rücksicht nehmen, sei ein gesellschaftliches Problem. Es habe zwar Kampagnen gegeben, um diesem Phänomen entgegenzuwirken, es sei aber fraglich, inwieweit diese wirksam seien. Hier erzieherisch tätig zu werden, sei schwer. Eine Reinigung der Züge erfolge aber in jeder Nacht, erklärt der Pressesprecher.

Die Barrierefreiheit sei auch für den NVR ein wichtiges Thema von großer Bedeutung. „Wir versuchen, den Anforderungen aller Fahrgäste gerecht zu werden“, betont Klein.

Die Kritik, dass die Sitzplätze unbequem seien, höre man beim NVR selten, sagt er. Individuelle Lösungen seien schwierig. Was für den einen Fahrgast zu weich sei, sei für den anderen Fahrgast zu hart. Sessel für die Fahrgäste seien nicht möglich. Man versuche möglichst viele Plätze anzubieten und diese nicht zu teuer zu machen. Die Bahn sei als Massenverkehrsmittel ausgelegt, mit dem Ziel, möglichst viele Menschen schnell zu befördern.

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