Kritik an Schulschließung: „Sie haben uns angelogen”

Von: Holger Bubel
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Brachte Bedenken, Kritik und Befürchtungen auf den Punkt: Cornel Kranen, Lehrer an der Gerhart-Hauptmann-Hauptschule in der Siedlung Ost. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Bürgermeister Alfred Sonders und Schuldezernent Stephan Spaltner ahnten wohl schon, dass es ein heißer Abend werden würde - und kamen hemdsärmelig zur Infoveranstaltung für Eltern, Schüler und Lehrer der Gerhart-Hauptmann-Hauptschule in Ost und der Pestalozzi-Hauptschule in Blumenrath. Einige Hundert Betroffene waren in die Stadthalle gekommen, um den in ihren Augen Verantwortlichen „ordentlich einzuheizen”.

In seinem Amt als Bürgermeister musste sich Sonders erstmals derartige Kritik „seiner Alsdorfer” gefallen lassen. Seinen zahlengespickten Ausführungen zur vorgeschlagenen und - läuft es planmäßig - am 15. Juli zur Verabschiedung an den Stadtrat übergebenen Schließung der Gerhart-Hauptmann-Hauptschule und Aufstockung der Pestalozzi-Hauptschule standen Emotionen von Kindern, Eltern und Lehrern gegenüber.

„Glauben Sie mir, dass ich auch lieber sagen würde, wir lassen alles beim Alten. Aber es geht nicht”, appellierte Sonders, konfrontiert mit Gefühlsausbrüchen und Zwischenrufen, die Stadt spare „auf Kosten unserer Kinder”. Sinkende Schülerzahlen, von denen besonders Hauptschulen betroffen seien, entsprechend geringere Finanzzuweisungen seitens des Landes: „Wir schaffen durch die Zusammenlegung die Basis für die sichere Existenz einer Hauptschule in Alsdorf”, betonte Sonders.

Die Einsparung betrage 700.000 Euro jährlich. Sonders räumte auch ein, dass beide Hauptschulen durch hervorragende Unterrichtskonzepte im städteregionalen Vergleich herausragten. Stephan Spaltner war bemüht anhand eines von seinem Dezernat erarbeiteten Zahlenwerks Fakten folgen zu lassen. „Spätestens 2020 werden wir noch 405 Hauptschüler haben. Beide Schulen einzeln sind ausgelegt für die Beschulung von etwa 450 Schülern.”

Unterschiedliche Konzepte

Neben zahlreichen persönlichen und nicht immer sachlichen Betroffenheitsäußerungen - „Wer sichert den Schulweg unserer Kinder und wer zahlt das?”, „Warum werden zig Millionen in einen Schulneubau im Stadtzentrum gesteckt?”, „Warum müssen unsere Kinder wechseln und nicht die Mariadorfer?” - sahen sich die Männer auf der Stadthallenbühne, unter ihnen auch die Schulleiter Axel Ehl (Ost) und Norbert Steffens (Blumenrath) sowie Schulrat Wolfgang Müllejans, mit inhaltlichen Fragen konfrontiert: „Wie läuft die gesamte Zusammenführung organisatorisch ab? Wann wird klar sein, wie die Schule geleitet wird?”

Cornel Kranen, Lehrer in Ost, machte auf Unwägbarkeiten aufmerksam: „Wie sollen überhaupt die unterschiedlichen Konzepte zusammengeführt werden?” Denn: Die Gerhart-Hauptmann-Schule ist eine integrative Schule, ausgelegt auf individuelle Förderung besonders von Lernschwachen, während die Pestalozzi-Schule anerkannte Europaschule ist und klassenübergreifend unterrichtet - beide sind erfolgreich, doch „ein neues Konzept zu schaffen, ist innerhalb eines Jahres unmöglich”, betonte Kranen.

Auch die Schüler meldeten massive Bedenken an: „In zwei Jahren mache ich mit der 10 meinen Abschluss, ein Jahr vorher soll ich die Schule wechseln, heraus aus meinem gewohnten Umfeld, neuen Lehrern, neuem Schulkonzept? Das ist nicht gerecht”, klagte eine Schülerin der Klasse 8.

Expertenkommission

Gar „Betrug und Lüge” warf Elternpflegschaftlerin Birgit Zöller Schuldezernent Spaltner vor: „Noch im Mai haben Sie uns bei der Schulkonferenz versprochen, dass alle jetzigen Schüler in Ost auch dort ihren Abschluss machen können. Und ein paar Wochen später soll alles in einem Jahr über die Bühne gehen. Sie haben uns angelogen.”

Spaltners Dementi, diese Äußerung nie getan zu haben, wurde von den Anwesenden mit Buh-Rufen quittiert. Das Protokoll der Konferenz wird jetzt bemüht. Bemüht werden soll auch eine externe Expertenkommission, um die Verknüpfung der beiden Schulkonzepte zu begleiten, wie auch Schulrat Müllejans befürwortete.

Am Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung blieben Fragen offen: Reicht das erweiterte Raumangebot in Blumenrath? Muss der integrative Aspekt aus Platzmangel über Bord geworfen werden? Ist die vorhandene Mensa in Blumenrath für den Schulerhalt verantwortlich? Oder steckt vielleicht der Folgenutzungsplan für den Gebäudekomplex in Ost hinter der eiligen Schließung, wie Ex-Ratsmitglied Jürgen Rieger andeutete?
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