Kritik an Politik: „Projekt Sportpark ist kontraproduktiv“

Von: Markus Roß
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Macht im Interview seinem Unmut Luft: Bernd Rongen, Vorsitzender des SV Rhenania 05 Würselen. Foto: Markus Roß

Würselen. Das Vorstandsteam des SV Rhenania 05 Würselen macht sich Sorgen um die Zukunft. Im Interview äußert sich Vorsitzender Bernd Rongen über den Erhalt des Standortes Lindenplatz. Zudem geht es um die daraus abgeleitete Online-Petition sowie weitere Aktionen zum Erhalt des Rhenania-Sportplatzes.

 

Derzeit geht es in der Würselener Sportpolitik ziemlich turbulent zu. Dabei kommt der Sport ja fast zu kurz. Wegen der ungeklärten Zukunft des Lindenplatzes blickt das Vorstandsteam der Rhenania sorgenvoll in die Zukunft. Wie ist der Stand der Dinge?

Bernd Rongen: Lassen Sie mich am Anfang etwas Generelles sagen. Wir sind sicher für den Erhalt des Rhenania Sportplatzes und kämpfen dafür – wir sind aber auch Würselener, die diese Politik für den Bürger der Stadt in Frage stellen. Der Sportpark wird laut Gutachten circa 12,6 Millionen Euro kosten, kommuniziert sind aber nur fünf bis sechs Millionen Euro.

In Gesprächen mit dem Bürgermeister und seinem Vize sowie dem Ersten Beigeordneten haben wir immer betont, dass wir für den Erhalt unseres Sportplatzes sind und es Alternativen gibt. Leider werden seinerzeitige Zusagen der Stadt immer weiter zusammengestrichen, und ein Konzept für drei beziehungsweise vier Vereine an diesem Standort gibt es nicht. Hinzu kommt, dass die Trainingszeiten auf der geplanten Anlage nicht ausreichen für alle Mannschaften der Vereine.

Weiterhin sind die höheren Betriebskosten für die schulische und sportliche Nutzung der Anlage nicht ausreichend geklärt. Zusätzlich ist eine Eigenfinanzierung der Vereine an diesem Standort nicht mehr gegeben. Ein Verein finanziert sich heute zum Großteil aus den Einnahmen der Bewirtung, ist dies nicht mehr gegeben, wird der Verein sich nicht mehr refinanzieren können. Wir sprechen hier von einer Außenlage vergleichbar wie die in Dürwiß-Laurenzberg.

Erfahrungen anderer Kommunen werden bei Entscheidungen nicht berücksichtigt oder erfragt. Die Rhenania begrüßt und unterstützt das Engagement, für die DJK Armada Euchen-Würselen eine Umlaufbahn zu errichten. Wenn aber andere Vereine deshalb ihre Heimat verlieren, ist dies wohl sehr einseitig.

Aus diesem Grund haben wir uns mit den Fußballvereinen und den Leichtathleten der Armada Euchen zusammengesetzt und eine machbare und kostengünstige Alternative erarbeitet, die den Leichtathleten gerecht wird und den Fußballvereinen ihren Kunstrasenplatz gibt und damit ausreichend Trainingskapazitäten. Es gibt eine breite Zustimmung hierfür. Um Antworten zu erhalten haben wir die Petition initiiert.

Ihre Enttäuschung und der Unmut sind nicht zu überhören. Mit dieser Online-Petition gingen Sie kurz vor Ostern in die Offensive. Sie ist auf Ihrer Homepage www.rhenania-wuerselen.de verlinkt. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Rongen: Wir möchten den Stadtrat zu einem Umdenken in der Sport- und Haushaltspolitik bewegen. Das Aquana trägt den Schatten voraus genau wie andere Projekte, zum Beispiel der „Eierweg“ im Wurmtal. Die Gesamtschule wurde am geplanten Standort des neuen Sportparkes wegen Verkehrsrisiken verworfen. Wir reden hier von zehnjährigen Kindern, aber unsere Bambini von sechs Jahren sollen die K 30 queren können. Wo ist hier der Sinn?

Zudem sollen die Würselener Bürger für Entscheidungen der Politik sensibilisiert werden. Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, wenn sich die Interessenlage der Vereine und Bürger nicht widerspiegelt in politischen Entscheidungen. Eine Stadt für Kinder benötigt keine Leuchtturmprojekte, eine Stadt für Kinder benötigt eine kindgerechte und sichere Planung in der Stadtentwicklung – das Projekt Sportpark ist hier kontraproduktiv. Wir sind davon überzeugt, dass es dringlichere Projekte als einen Sportpark gibt.

Was fordern Sie konkret?

Rongen: Wir hätten gerne belastbare Antworten von der Politik.Welche Auswirkungen haben die Ausgaben für Sportpark und Gesamtschule auf die Haushaltsplanung heute (Investition) und morgen (Betriebskosten)? Welche finanziellen Auswirkungen hat ein ÖPP- Projekt (Gesamtschule) auf die Risiken der Zukunft unter Berücksichtigung des demografischen Wandels? Wie können Ertragseinbußen der Vereine am neuen Standort kompensiert werden? Es werden langfristige Entscheidungen getroffen, die uns und unsere Kinder betreffen werden.

Derzeit beläuft sich die Zahl der Unterstützer auf über 1160, davon 716 aus Würselen. Wie geht es weiter?

Rongen: Der Stadtrat wurde bereits kontaktiert, auf eine Stellungnahme aller Ratsmitglieder wird gewartet. Sie können die Antworten in der Petition online mit verfolgen. Diese von uns initiierte Online-Petition hat natürlich noch keine rechtliche Bindung, sie bildet aber bereits jetzt ein deutliches Stimmungsbild ab. Wie es danach weitergehehen wird, hängt von den weiteren hoffentlich konstruktiven Gesprächen mit der Politik ab. Je nach Beschlussfassung des Würselener Stadtrates können wir uns aber durchaus auch vorstellen, ein Bürgerbegehren zu initiieren.

Welche Aktionen sind darüber hinaus geplant und rechnen Sie persönlich noch mit einem Einlenken seitens der Politik?

Rongen: Es wird weitere Aktionen geben, die die Öffentlichkeit über das Thema Sport aber auch zum Thema Finanzen und Finanzierung informieren wird. Die Hoffnung, etwas zu erreichen, besteht weiterhin, zumal der aktuelle Haushalt schon genug Herausforderungen bietet. Immer mehr Würselener Bürger solidarisieren sich mit uns, um uns und den anderen Vereinen zu helfen – eine gute Entwicklung, die mich zuversichtlich stimmt.

Mit dem VfR Würselen und weiteren Vereinen arbeiten Sie hier eng zusammen. Sind gemeinsame Aktionen geplant?

Rongen: Wir stimmen uns mit vielen Würselener Fußballvereinen ab und haben eine gemeinsame Interessenlage erkannt. Es sind weitere gemeinsame Aktionen mit den Würselener Sportvereinen geplant. Für uns ist wichtig, dass alle Interessen gewahrt bleiben und der Sport aus der Aktion gestärkt hervorgeht.

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