Kritik am Sparprogramm: „Der Druck auf die Mitarbeiter ist viel zu groß“

Von: Georg Pinzek
Letzte Aktualisierung:

Würselen. Der Personalrat schlägt Alarm: Das Stellenprogramm 2015 sei nicht vertretbar. Entsprechend deutlich ist die Kritik an den Plänen, die im Rahmen des Sparprogramms getroffen worden, auch in einer einer ausführlichen Stellungnahme.

„Der gesamten Belegschaft der Stadt ist bewusst, dass auch sie im Rahmen des Stärkungspakts Opfer bringen muss. Der Personalrat ist jedoch der Auffassung und das zeigt sich verstärkt in den Gesprächen, Anregungen und Problemschilderungen der Kolleginnen und Kollegen, dass ein weiterer Stellenabbau weder menschlich, noch sachlich, noch politisch verkraftbar ist“, formuliert es Personalratsvorsitzender Jochen Gülpen in seiner Stellungnahme zum Stellenplan 2015.

Von 272 Stellen sind 74 im Beamten- und 198 im Tarifbeschäftigtenbereich. Hohe krankheitsbedingte Ausfälle, Langzeiterkrankte, wegbrechende Strukturen, Stellen, die mit kw- (künftig wegfallend) und ku- (künftig umzuwandeln) -Vermerken versehen würden und vieles mehr, seien Faktoren, die seit Jahren auf die verbleibende Belegschaft massiv negativ einwirkten, so dass die Mitarbeiter immer größeren Belastungen ausgesetzt seien. Dazu kämen immer größere Belastungen durch teilweise neue, zusätzliche Aufgaben, zumindest aber keine Reduzierung von Aufgaben. Gülpen: „Immer wieder haben wir als Personalrat einzelne Maßnahmen moniert und Konzepte und Lösungen eingefordert. Es ist dringend an der Zeit, endlich Entlastungen für unsere Kolleginnen und Kollegen zu schaffen.“

„Kein attraktiver Arbeitgeber“

Zunehmende Abwanderungen sorgten für einen deutlich gestiegenen Aufwand bei der Personalfindung. Gülpen: „Das zeigt, dass die Stadt längst kein attraktiver Arbeitgeber mehr ist, belastet aber die verbleibende Belegschaft mehr und mehr. Immer wieder wird Mehrarbeit angeordnet.“

Das erst im Dezember 2014 vorgestellte Gutachten zur Neuorganisation der Stadtverwaltung Würselen vom Mai 2014 belege deutlich Schwachstellen und zeige, dass fehlende Strukturen dringend ersetzt bzw. erneuert werden müssten. „Der Druck, der auf unsere Kolleginnen und Kollegen wirkt, ist unerträglich groß geworden“, fordert Gülpen Gegenmaßnahmen beim Bürgermeister ein, um die Belegschaft zu entlasten. Kritisiert wird auch, dass Stellen, die im Plan als Dauerstellen ausgewiesen seien, befristet besetzt würden. Für den Personalrat steht fest: „Da es sich um Daueraufgaben und teilweise Pflichtaufgaben handelt, müssen diese Stellen auch auf Dauer ausgeschrieben und besetzt werden.“ Der Personalrat fordert, künftig für alle Stellen, für deren Befristung kein sachlicher Grund vorliege, eine unbefristete Ausschreibung und Besetzung.

Auf die geharnischte Kritik reagierte Bürgermeister Arno Nelles bei der Einbringung des Haushaltsentwurfs 2015 im Stadtrat: „Ich nehme die Bedenken und Anregungen des Personalrats sehr ernst.“ Durch die Stellungnahme werde aber der Eindruck erweckt, „dass die vom Rat beschlossenen Personaleinsparungen ursächlich verantwortlich für einen hohen Krankenstand in der Verwaltung seien. Tatsächlich ist in den Bereichen, in denen exorbitante Mehrarbeit geleistet wird, kein außergewöhnlich hoher Krankenstand festzustellen.“

Bürgermeister stellt sich Debatte

Der Bürgermeister versicherte, dass er sich der Diskussion stelle: „Dabei will ich gleichzeitig eine Lanze brechen für die Kolleginnen und Kollegen, die mit großer Motivation dazu beitragen, dass wir vieles noch möglich machen, was andernorts nicht geht.“ Nelles verwies in dem Zusammenhang auf die Erstellung der Jahresrechnungen, denen im Rathaus aus guten Gründen Priorität eingeräumt worden seien. Er räumte aber auch ein: „Ich stelle nicht in Abrede, dass wir eine Menge Handlungsbedarf haben.

In Sachen Neuorganisation befinden wir uns im Gespräch.“ Er verwies auf Ergebnisse eines externen Organisationsberaters. Sobald eine abschließende Position des Personalrats vorliege, soll dem Rat ein gemeinsam getragener Beschluss vorgestellt werden.

Mit einem koordinierten Eingliederungsmanagement werde bereits Langzeiterkrankten die Möglichkeit gegeben, auch arbeitsplatzbedingte Umstände zu benennen und Abhilfe zu schaffen. Zudem habe ein kompetenter Vertragspartner eine Hotline eingerichtet, bei der Mitarbeiter anonym Hilfe fänden. Gegen das steigende Durchschnittsalter der Verwaltung, das auch eine der Ursachen des in allen Verwaltungen feststellbaren Krankenstands sei, gebe es keine Lösungen von heute auf morgen. Nelles: „Bei der Ausbildung des eigenen Nachwuchses sind wir auf dem richtigen Weg.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert