Kreativ- und Recyclingwerkstatt des Vereins WABe zieht um

Von: Karl Stüber
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Kreativ das eigene Umfeld gestalten: In den gerade neuen Räumen an der Albrecht-Dürer-Straße in Alsdorf bemalt eine Teilnehmerin der WABe-Werkstatt eine Wand. Foto: Karl Stüber
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Ansprechpartner: WABe-Geschäftsführer Alois Poquett, Alexander Plum und Sonja Schneider. Foto: Karl Stüber
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In der Küche geht es nicht nur um die Versorgung bei der Arbeit, sondern auch um Kochkurse. Foto: Karl Stüber
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Zum Programm der WABe-Werkstatt gehört das Herrichten von Möbeln für den Eigenbedarf. Foto: Karl Stüber
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In der Holzwerkstatt können Langzeitarbeitslose unter fachlicher Anleitung kreativ wirken. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. An allen Ecken und Enden wird am neuen Standort der Kreativ- und Recyclingwerkstatt Alsdorf renoviert, eingeräumt und hergerichtet. Gerade wird ein Fahrzeug am Haupteingang des „neuen“ Werkstattgebäudes an der Albrecht-Dürer-Straße 7 entladen, in dem Material vom bisherigen Standort an der Joseph-von-Fraunhofer-Straße gegenüber dem Job-Center herangeschafft worden ist.

Zeitgleich wird der Verwaltungsbereich renoviert, der die Hälfte des Gebäudes Bodelschwinghweg 4 (ehemalige Altenstube) einnimmt und sich nur einige Meter entfernt befindet.

Aktivitäten konzentrieren

Dass der Träger der Werkstatt, der Verein WABe (Wohnen, Arbeiten und Betreuung) – Diakonisches Netzwerk Aachen, ins Umfeld der Evangelischen Gemeinde Alsdorf und der Martin-Luther-Kirche zieht, ist keineswegs Zufall. Die klamme Kirchengemeinde kann auf diese Weise nicht mehr genutzte Räume sinnvoll mit Leben füllen und dabei wichtige Mieteinnahmen zur Konsolidierung erzielen. Ohnehin konzentriert sich das Gemeindeleben immer mehr in Alsdorf-Mitte, nachdem aus finanziellen Gründen die Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden und die Immanuelkirche in Busch aufgegeben worden sind.

„Menschen mit besonderen sozialen Problemen“ – so die offizielle Definition – finden bei der WABe in Alsdorf gezielt Betreuung und Förderung, wie Geschäftsführer Alois Poquett berichtet, während nebenan ein fleißiger Maler die Bürowände streicht. Am Rande einer Synode hatten sich Vertreter der WABe und der Evangelischen Kirchengemeinde Alsdorf erstmals im Frühjahr 2014 über ein mögliches Zusammenrücken ausgetauscht. Letztlich wurde der Plan aufgegeben, das Gebäude an der Albrecht-Dürer-Straße abzureißen.

„Das wäre viel zu schade gewesen, sagt Poquett. „Wir haben jetzt viel mehr Platz als am bisherigen Standort.“ Über Know-how, Kräfte und reichlich Motivation verfügen Betreuer und Betreute gleichermaßen, um überwiegend in Eigenregie die Räume herzurichten. Ein Raum wird derzeit mit Wandmalereien verziert, derweil an den Tischen eifrig weiteres Dekoratives entsteht. Alexander Plum ist einer von zwei Handwerkerspezialisten, welche die rund 40 Teilnehmer an zwei Projekten anleiten und auch betreuen.

25 Landzeitarbeitslose machen bis zu zwei Jahre bei TSTE (Teilstationäre Einrichtung) mit, 15 weitere an einem Anschlussprojekt. Wichtig dabei ist, Menschen, die teilweise etliche Jahre ohne Arbeit waren, wieder an einen geordneten und sinnvollen Tagesablauf heranzuführen. Viel Arbeit und Verantwortung für Sozialarbeiterin Sonja Schneider und einer weiteren Fachkraft. Das Team wird zum Februar durch eine Bürofachkraft ergänzt, die auch im sozialen Bereich zum Einsatz kommt.

„Da ist zum Beispiel der Mann, der nach 20 Jahren unter Tage den Rücken kaputt hatte und seitdem keine Arbeit mehr gefunden hat“, berichtet Schneider. Aber auch viele Junge sind unter den Betreuten. Mit viel Einfühlungsvermögen wird versucht, die Betroffenen dazu zu bewegen, die Wohnung zu verlassen und bei der Kreativwerkstatt regelmäßig mitzumachen. „Leute, die früher gar nicht gekommen sind, bleiben jetzt von 8 bis 14 Uhr hier. Das ist schon ein großer Erfolg“, sagt die Sozialarbeiterin.

Die gerade neu eingerichtete Küche wird dabei zu Kochkursen genutzt, um wissenswertes über gesundes Essen zu vermitteln. Bei Holz- und Metallarbeiten werden Altes aufgearbeitet und Neues geschaffen und so Erfolgserlebnisse ermöglicht, um Vertrauen in das eigene Vermögen zu stärken. Im Schnitt müssen die Betroffenen mit rund 400 Euro (verfügbarem Geld) im Monat auskommen. Pro Stunde Einsatz in der WABe-Einrichtung gibt es 1,10 Euro. Laut Poquet ist so ein zusätzliches Einkommen von 143 Euro möglich. „Nicht viel Geld. Aber für den, der nicht viel hat, ist das sehr wichtig.“

Arbeitslosenfonds wird gekürzt

Leider werden nur wenige Teilnehmer dieser gezielten Betreuung in den ersten Arbeitsmarkt „entlassen“. Sie bekommen in der Regel nur befristete Arbeitsverträge. Und kehren dann zurück.

WABe-Geschäftsführer Alois Poquett bedauert sehr, dass die Evangelische Kirche im Rheinland nun auch beim Arbeitslosenfonds den Rotstift ansetzen will. Aus dem bisher mit drei Millionen Euro gefüllten Topf bekam WABe 40.000 bis 50.000 Euro jährlich. Der Fonds soll nun um die Hälfte schrumpfen. Poquett weiß nicht, wie viel Förderung letztlich noch bei der WABe ankommt. Das schränkt die Möglichkeiten ein.

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