Kraftvoller Griff fürs Pferdewohl

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
pferdeost_bu
Das will geübt sein: Wenn Claudia Schleiermacher zum Huf greift und die Beweglichkeit des Beines untersucht, muss sie auf der Hut sein. Ein „Pferdekuss” - das weiß sie - tut nämlich ganz schön weh. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Das mit dem Image ist so eine Sache. Es gibt immer mal einen, der Claudia Schleiermacher für eine sanfte Pferdeflüsterin hält. Dabei ist sie doch ein recht handfester Typ. Wenn die 40-Jährige ans Pferd kommt, packt sie kraftvoll zu. Seit gut drei Jahren kümmert sich die Humanphysiotherapeutin auch um die Leiden von Vierbeinern. Unter ihrem Griff lösen sich Blockaden und verschwinden Verspannungen.

Die Baesweilerin ist eine Pferdeosteopathin. Ein Beruf, den selbst unter Pferdefreunden nicht jeder kennt. Daher das Vorurteil: Sie ist keine Tierärztin, also muss sie wohl so eine Art Pferdeflüsterin sein...

Damit kann sie leben und Zweifler auf eine zweijährige Ausbildung am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie in Dülmen verweisen. „Für mich ein Traumberuf”, sagt sie. „Ich hänge an jedem Pferd, das ich behandle.”

Begonnen hatte alles mit dem Kauf ihrer Friesenstute „Sijtje”. „Die ist ein Montagspferd”, wie sie schmunzelnd sagt. „Sie hatte ständig Blockaden, konnte kaum laufen.” Seinerzeit hatte eine Frau, die heute eine Kollegin von ihr wäre, dem Tier geholfen. Und bei Claudia Schleiermacher hat sie die Lust auf den Zweitberuf geweckt.

Wenn man so will, ist der Unterschied zwischen den Professionen gar nicht so groß. „Das Skelett eines Pferdes ist zwar größer als das eines Menschen, aber es hat die gleichen Gelenke.” Der Haken an der Sache ist die fehlende Verständigung.

Wo menschliche Patienten ihre Schmerzen in Worte fassen können, muss sie sich beim Pferd dorthin vortasten. Und dabei stets auf der Hut sein. „Man merkt schon recht gut, wenn man an die Stellen kommt, wo es weh tut. Dann muss ich aufpassen, dass das Tier nicht explodiert.”

Beißen, treten, plötzlich zur Seite springen - das hat sie bei ihren Patienten alles schon erlebt. Große Blessuren hat sie jedoch nicht zurückbehalten. „Es gab nur einmal einen satten Treffer an meinem Oberschenkel. Tat schon weh.”

Die Technik stimmt

Den Pferden kann sie die Schmerzen in der Regel nehmen. Gut anderthalb Stunden dauert eine Untersuchung. Hier und da muss sie dabei auch mal etwas einrenken, was ihr trotz der eher zierlichen Größe von 1,65 Metern gut gelingt. Sie lacht. „Es kommt auf die Technik an.” Dass ihr Beruf langsam aber stetig bekannter wird, freut sie. „Die Tiere brauchen Pferdeosteopathen ebenso, wie sie Ärzte, Sattler oder Hufschmiede brauchen.”

Falsche Belastung beim Reiten - etwa durch einen unpassenden Sattel - zu wenig Auslauf oder zu kleine Pferdeboxen können sie auf den Plan rufen. Sie berät Besitzer dann, wie sie die Pferde so halten können, dass es nicht zu Verspannungen kommt.

Bei aller Liebe zu den Tieren dreht sich nicht alles nur ums Pferd. Mit ihrem Freund teilt sie ein Faible für das Motorradfahren. „Manchmal”, sagt sie, „müssen es 98 Pferdestärken statt nur einer sein.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert