Koreas Gemüse gedeiht in Puffendorf gut

Von: Stefan Schaum
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Koreanischer Leckerbissen: Auch scharf-würzigen Sellerie-Salat baut Kwang-Heung Chang auf seinen Feldern in Puffendorf an. Foto: Stefan Schaum
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Erinnerung an die alte Zeit: In der ehemaligen Waschkaue der Grube Anna II hat Kwang-Heung Chang viele Jahre die Bergmannskluft angezogen.

Baesweiler/Alsdorf. Neulich war wieder ein Kamerateam aus Seoul da. Den ganzen weiten Weg von Südkorea kam es angeflogen, bloß um bei Puffendorf einige Aufnahmen auf den Feldern von Kwang-Heung Chang zu drehen. Zwar ist der 63-Jährige in seiner Heimat kein Star, aber so ganz unbekannt ist er dort auch nicht.

Immer wieder mal taucht er in südkoreanischen Zeitungen mit dem auf, was er da in der Ferne treibt: Er baut koreanisches Gemüse an und beliefert koreanische Vereine und Schulen in ganz Deutschland.

Der jüngste Beitrag im südkoreanischen Fernsehen wird in einer Sendung zu sehen sein, wie es sie auch hierzulande in vielen Formaten gibt: Auswanderer werden bei dem beobachtet, was sie in ihrer neuen Heimat so treiben. Dabei liegt die Auswanderung von Kwang-Heung Chang schon lange zurück, nämlich 36 Jahre. Und auf die Felder geführt hat sie ihn zunächst auch nicht, sondern unter Tage. „Ich bin nach Deutschland gekommen, weil im Bergbau dringend Arbeiter gebraucht wurden“, sagt der Mann, der in Korea als Bauarbeiter sein Geld verdient hatte. Er kam mit einer regelrechten Welle. „Im Flugzeug, in dem ich damals saß, waren noch 170 weitere Koreaner, die auch im Bergbau in Deutschland arbeiten wollten.“ Für lange Zeit sollte es bei ihm eigentlich nicht sein. „Ich dachte erst an drei Jahre, aber dann hab‘ ich immer wieder verlängert.“ Seine Erinnerungen an die Zeit auf den Gruben Emil-Mayrisch in Siersdorf und Anna II in Alsdorf fasst er allerdings recht knapp zusammen: „Schwere Arbeit – aber gutes Geld“. Ab 1993 hat er in Kamp Lintfort gegangen, bis für ihn 1997 Schluss mit Bergbau war.

Ein gereiftes Hobby

Damals begann sein Hobby so richtig zu reifen: die Landwirtschaft. Was vorher bloß auf ein paar Quadratmetern Erde geschah, füllte fortan ganze Felder neben der alten B 56 zwischen Loverich und Puffendorf. Dass der Mann dort etwas Besonderes treibt, sieht man allerdings auf den ersten Blick nicht. Es sind keine ungemein exotischen Gemüse, die er dort anbaut, sondern im Grunde die, die man auch hierzulande findet: Gurken, Salate, Rettich. Oder Chinakohl, wie er ebenfalls in Supermärkten angeboten wird. Der Clou sind jedoch die Samen, denn die bezieht der Landwirt aus Korea. Und was aus denen wächst, sieht zwar nicht viel anders aus, schmeckt aber so. „Viel intensiver“, sagt der koreanische Landwirt. „Die Gurken, die ich ziehe, schmecken so, wie sie hier vor vielen Jahren mal geschmeckt haben.“ Anderes, wie sein Sellerie-Salat mit den würzig-scharfen Blättern oder die Wasserpflanze, ist für deutsche Gaumen ungewohnt. Bei Koreanern ist er sehr gefragt. Und weil die vor allem in Großstädten zu finden sind, fährt Kwang-Heung Chang dort hin. Es kommt vor, dass er seinen Transporter belädt und bis Berlin fährt, wo koreanische Vereine ihn erwarten. Das passiert zwar selten, aber Köln und Düsseldorf steuert er regelmäßig an, auch in der Städteregion hat er Abnehmer. Ein großer Kaufmann ist an ihm nicht verloren gegangen. „Ich verschenke auch schon mal einen Teil des Gemüses“, sagt er. Ihm geht es um den Spaß, um den Anbau. Und es macht ihn jedes Mal zufrieden, wenn es seinen Landsleuten gut schmeckt.

Lustige Abwechslung

Dass sein Gemüse das deutsche Klima verträgt, freut ihn. Schließlich ist es auch ein Stück Heimat, das da auf seinen Feldern reift. Um mit der ganzen Sache im koreanischen Fernsehen zu landen, ist er eigentlich viel zu bescheiden. Aber so ein Drehteam mitten auf seinem Acker – das sei schon mal eine lustige Abwechslung.

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