Kopfläuse: Keine Frage der Hygiene

Von: Lars Odenkirchen
Letzte Aktualisierung:
lausmittelbu
Sofort reagieren: Wie hier Kathrin Heimes in der Würselener Kaiser-Apotheke halten viele Apotheken in der Region ausreichend Mittel gegen die lästigen Kopfläuse bereit. Foto: Lars Odenkirchen

Nordkreis. Sie ist winzig, verbreitet aber großen Schrecken: die Kopfläuse, biologisch „pediculus humanis capitis”. Der beißende Sauger ist längst nicht besiegt, wie man einst glaubte, ganz im Gegenteil - einigen Berichten zu Folge ist der kleine Parasit wieder im Vormarsch und soll dazu Resistenzen entwickelt haben.

Dr. Cornelia Konteye kann dies aber nicht bestätigen. „Von wissenschaftlich erwiesenen Resistenzen ist uns nichts bekannt, und selbst wenn es so wäre, gäbe es genügend alternative Mittel”, berichtet die Hygenieexpertin des Gesundheitsamtes der Städteregion.

Absolute Sicherheit bieten die Zahlen des Gesundheitsamtes allerdings nicht, Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen sind zwar gehalten, Kopflausbefall zu melden, eine Pflicht dazu gibt es aber nicht.

Dennoch kann die Medizinerin eher Positives berichten: „In der Städteregion gibt es keine Zunahme, die Zahl gemeldeter Infektionen ging in den letzten Jahren eher geringfügig, aber kontinuierlich zurück. Wir haben viel Aufklärungsarbeit in Schulen und Kindergärten geleistet, dies könnte das erfolgreiche Resultat sein.”

Trotz aller Aufklärung bleibt die Laus ein Tabuthema: Gleich mehrere Schulleiterinnen und Schulleiter wollen sich zu dem Thema lieber nicht äußern, zu groß ist die Angst, dass die eigene Lehranstalt mit den Parasiten in Verbindung gebracht wird.

Dabei haben Kopfläuse entgegen der landläufigen Meinung nur wenig mit Hygiene und Körperpflege zu tun, wie auch ein Kinderarzt aus dem Nordkreis bestätigt, der aber ebenfalls anonym bleiben will: „Kopfläuse gibt es in den besten Familien. Die Leute haben trotzdem Horror vor dem Thema, schämen sich und mögen oft gar nicht sagen, was sie haben. Befallen werden kann jeder, ein Hygieneproblem liegt meist nur dann vor, wenn man die Kopfläuse nicht los wird.”

Eine Zunahme der Fälle kann auch der Kinderarzt nicht bestätigen: „Solche Berichte sind oft Panikmache und bedienen die Phobie vor kleinen Krabbeltierchen. Ich habe in fünf Jahren keinen Anstieg beobachtet. Bezüglich der Resistenzen gibt es auch keinen Grund zur Sorge. Es gibt physikalische Mittel, die die Tiere ersticken und gegen die keine Resistenz entwickelt werden kann.”

Entwarnung gibt es aus den Schulen, die sich äußern möchten. „Es gab bei uns in letzter Zeit keine Fälle, und wenn etwas passiert, sind wir vom Gesundheitsamt ausreichend vorbereitet worden”, berichtet Irene Jenniches, Direktorin des Baesweiler Gymnasiums.

Auch ihr Alsdorfer Kollege Peter Lambertz, verantwortlich für die dortige Realschule, sieht keinen Grund zur Beunruhigung: „In unregelmäßigen Abständen gibt es mal einen Fall - und klare Maßnahmen: Die Klassenleitung informiert die anderen Kinder, das betroffene Kind bleibt zu Hause. Nach Befallsfreiheit darf es dann wieder am Unterricht teilnehmen.” Auch Lambertz weiß: „Wenn so etwas vorkommt, heißt das nicht, dass die Familie oder das Kind unsauber wäre. Eine Entwicklung kann ich insgesamt nicht feststellen, und wenn, dann eher dahin, dass die Fälle seltener werden.”

Positives gibt es auch von Einrichtungen für jüngere Kinder zu hören. „Bei uns gab es bisher noch keine Kopfläuse, höchstens Vorsichtsmaßnahmen, weil Geschwisterkinder betroffen waren”, sagt Christine König, Leiterin einer Herzogenrather Kindertagesstätte.

Claus Breuer, Inhaber der Kaiser-Apotheke in Würselen, hat hingegen vermehrt Mittel gegen Kopfläuse verkauft. Die kleinen Plagegeister sind aus seiner Sicht durchaus wieder im Aufschwung: „Dies liegt auch an der wachsenden Reisefreudigkeit der Menschen, wodurch sich auch Parasiten und Krankheiten schneller verbreiten.”

Vor allem nach Urlauben stellten viele einen Befall fest. Außerdem seien in erster Linie jüngere Kinder betroffen, „weil sie noch kontaktfreudiger sind und unbeschwerter miteinander umgehen”. So hatte die Kaiser-Apotheke im vergangenen Jahr sogar ein Projekt gegen Kopfläuse angeboten, unter anderem mit „Erste-Hilfe-Sets” für Kindergärten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert