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Kommentiert: Das Wesentliche ist unsichtbar

Ein Kommentar von Verena Müller

Wenn man jemanden danach fragt, welche Musik er hört, und man erhält die Antwort: „Eigentlich alles“, dann weiß man: Der hat keinen Geschmack oder kein Interesse an Musik und ist schlimmstenfalls ein Langweiler. Beliebigkeit ist nichts, womit man sich schmücken kann.

Beim ersten Lesen des Konzepts der Stadt Alsdorf für Freizeit und Tourismus kann man diesen Eindruck gewinnen. Alsdorf bietet demnach für jeden etwas. Alsdorf – voller Energie. Alsdorf, die Familienstadt. Alsdorf, die Kultur- und Freizeitstadt mit Tierpark, Stadthalle, Kino und Bowlingcenter. Alsdorf, die ehemalige Zechenstadt. Alsdorf, die Heimat des Duathlon, Kulisse von Frühlingsfest, Europafest, Weihnachtsmarkt.

Ein buntes Allerlei, viele alte Bekannte und darüber hinaus wenig Innovatives. Alles schon mal an anderer Stelle im Tourismussektor gedacht und umgesetzt, jetzt mit Alsdorfer Zuschnitt. Pakete sollen da geschnürt werden: eine Busreise nach dem Motto „Wochenende in Alsdorf“, mit Museumsbesuch, Haldenführung, Radtour, Bowling oder Kino. Das ist bestimmt nicht abwegig und kann auch Erfolg haben.

Ebenfalls empfohlen wird, die einzelnen Attraktionen zu verbessern. Aber ist das nötig? Sind sie nicht schon gut genug? Wird das Energeticon noch attraktiver, wenn es einen Spielplatz erhält? Bleiben Touristen einen Tag länger, wenn sie am Tierpark Räder ausleihen können? Nebensächlich.

Was in dem Konzept viel zu kurz kommt, ist der Überbau. Das, was Alsdorf vorrangig braucht. „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, heißt es im Kleinen Prinzen. Gemeint war in dem Buch zwar etwas anderes, aber so könnte man es auch im Falle des Handlungskonzepts formulieren.

Worum geht es also tatsächlich? Potenziale erkennen und ausschöpfen, Mehrtagestourismus ankurbeln, Schaffung von Arbeitsplätzen, zweites Standbein Tourismus – das ist Förderantragsvokabular. Hier bietet das Konzept sicherlich eine gute Grundlage. Als Basis zum Generieren von Zuschüssen, sobald sich irgendwo ein Topf auftut.

Da gibt es auf dem Tourismussektor in Alsdorf gewiss gute Verwendungsmöglichkeiten, wie der Punkt Ausbau des Radwegenetz zeigt. Was das Konzept leider nicht beinhaltet, ist eine wegweisende Strategie, wie man Menschen nach Alsdorf locken kann.

Was Alsdorf nämlich im Kern braucht – und da ist die Kooperation mit Städteregion, den Nordkreiskommunen und der Grünmetropole ein, aber nicht der Schlüssel – ist Markenbildung, eingebettet in die Bergbauvergangenheit der Region, Werbung und eine Antwort auf die Frage, wer das personell und finanziell schultern soll. Alles andere können nur Mitnahmeeffekte sein.

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