Komiker Martin Schopps bringt den Kevinismus auf die Bühne

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Martin Schopps: Der 42-jährige Berufsschullehrer ist im Karneval mit seinen humorvollen Geschichten aus dem Schulalltag bekannt worden. Foto: Michael Schopps

Alsdorf. Morgen Abend tritt Komiker Martin Schopps im Energeticon im Fördermaschinenhaus Alsdorf, Konrad-Adenauer-Allee 7, auf. Der 42-jährige Berufsschullehrer ist im Karneval mit seinen humorvollen Geschichten aus dem Schulalltag bekannt worden.

In einem Gespräch mit Laura Laermann verrät der Kölner ein paar Details aus seinem Programm und wie es zu seiner „zweiten Karriere“ kam.

Herr Schopps, Sie treten seit Ende März mit ihrem ersten Soloprogramm „Tafeldienst“ auf den Bühnen NRWs auf. Am 29. April sind Sie auch hier in Alsdorf. Was erwartet die Zuschauer?

Martin Schopps: Eine sehr lustige Doppelstunde mit großer Pause dazwischen. Das Programm greift den alltäglichen Wahnsinn auf, der an unseren Schulen herrscht. Ich nehme also den ganzen Kosmos Schule auf‘s Korn: Das sinkende Bildungsniveau der Schüler, der Einzug des „Kevinismus“, die Veränderung der Sprache und verzweifelte Lehrer, die mit weichgespülten pädagogischen Mitteln versuchen, mit schwierigsten Schülern klar zukommen und so natürlich erstmal scheitern.

Sie sind ja schon seit über zehn Jahren Berufsschullehrer. Da wiederholt sich doch bestimmt einiges. Woher kommen die neuen Geschichten, die Sie mitbringen?

Schopps: Es ergeben sich immer wieder Situationen im Unterricht, die ich dann weiterspinne. Dabei entstehen die Ideen. Lehrern wird ja nachgesagt, dass sie relativ viel Zeit haben, um sich den einen oder anderen Gedanken zu machen.

Können Sie unserem Leser einen kleinen Vorgeschmack geben und eine Anekdote aus ihrem Lehrerleben erzählen?

Schopps: Ende vergangenen Jahres hatten wir das Thema Halloween im Unterricht. Ein Schüler war der festen Überzeugung, Halloween sei ein christliches Fest und würde gefeiert, weil Jesus vor 2000 Jahren mit einem einzigen Kürbis 5000 Leute satt gemacht hat. (lacht)

Wie haben denn ihre Lehrerkollegen und Schüler reagiert, als sie begonnen haben, sich über den Schulalltag lustig zu machen?

Schopps: Die Schüler fanden es eigentlich witzig, obwohl sie diejenigen sind, die noch am ehesten „verarscht werden“. Wobei man sagen muss, dass ich den Schulalltag übertrieben darstelle. Es ist zwar nicht sooo weit weg von der Realität, aber die Schüler wissen schon, dass ich nicht sie persönlich meine. Die meisten Lehrer fanden es auch total witzig. Es gibt aber auch den ein oder anderen Pädagogen der politischen Korrektheit, der dann die Nase rümpft und es nicht so lustig findet.

Sind Sie auch als Lehrer immer eher der lustig lockere Typ? Warum nimmt man Sie in der Schule trotzdem ernst?

Schopps: Ja auf jeden Fall. Meine Fächer sind Sport und Deutsch. Vor allem im Sport bekommt man einen guten Zugang zu den Schülern, in Kombination mit Humor funktioniert es noch besser. Man hört ja lieber jemandem zu, den man symphatisch und witzig findet. Aber man muss auch Grenzen abstecken. Alles dürfen meine Schüler auch nicht machen: Bei Unverschämtheiten mir oder anderen gegenüber ist dann Schluss. Am Ende sollen nämlich alle gemeinsam lachen.

Sie sind ja schon 2001 in der Comedy des Karnevals unterwegs und hatten auch schon einige Kurzauftritte. Jetzt gehen Sie zum ersten Mal mit einem eigenen Soloprogramm auf die Bühne. Warum?

Schopps: Zum einen hat sich viel Material angesammelt für ein ganzes Programm, zum anderen kann man mal in verschiedene Richtungen denken. Der Zuschauer hört anders zu als bei Kurzauftritten. Man kann mal einen Gedanken stehen lassen und muss nicht in kürzester Zeit mehrere Pointen rausknallen.

Sehen Sie Ihr erstes Soloprogramm als Herausforderung?

Schopps: Auf jeden Fall. Für mich bedeutet das auch Weiterentwicklung.

Sie hatten ja bereits drei „Tafeldienste“. Wie fällt die erste Resonanz aus?

Schopps: Es ist super angenommen wurden, noch besser als ich es erwartet hatte. Bisher bin ich – Toi Toi Toi – noch nie ohne Zugabe von der Bühne gegangen, und das ist ein gutes Zeichen, wenn die Leute auch nach 90 Minuten noch Spaß haben. Das passiert einem in der Schule eher selten... (lacht)

Welches Publikum ist leichter zu überzeugen – die Besucher des Soloprogramms oder die Karnevalisten?

Schopps: Das kommt drauf an. Zu meinem Soloprogramm kommen die Leute entweder wegen mir oder, weil Sie die Inhalte ansprechen. Deswegen lässt sich das Publikum mehr darauf ein. Beim Karneval muss man sich sein Publikum erarbeiten und darf keine Minute locker lassen. Sonst driften die Zuschauer wieder ab, weil ein Kellner vorbeikommt, jemand ein Gespräch beginnen will oder man auf Toilette muss. Dann ist es schon mal wahrscheinlicher, dass man in eine schwierige Phase kommt, vor allem wenn man der letzte Redner ist und die Leute schon zwei Promille haben. Am Ende muss man aber jedes Publikum überzeugen.

Wie bewältigen Sie so eine schwierige Phase?

Schopps: Wenn es daran liegt, dass die Leute schon platt sind, dann kann man Inhalte anpassen, auf einfache Pointen gehen und den musikalischen Teil in den Vordergrund stellen. Im Karneval unterteile ich mein Programm in verschiedene Blöcke, die je nach Geschlecht, Uhrzeit und Alkoholpegel funktionieren. Die kann ich dann umstellen, reinnehmen oder auch weglassen. Beim Tafeldienst kam ich zum Glück noch nicht in eine schwierige Situation. Wenn es dann passiert – man die Pointe setzt und keiner reagiert – weiß man: Da ist gerade irgendwas schief gelaufen. Schön ist das dann nicht. Wenn der ganze Saal nicht lacht, fliegt dieser Teil dann auch beim nächsten Auftritt raus.

Hatten Sie auch schon mal einen Auftritt in Alsdorf und können Sie sich noch an einen Moment dieses Auftritts erinnern?

Schopps: Ich war schon mal im Karneval in Alsdorf gemeinsam mit Jürgen Beckers, der auch Lehrer ist. Wir sind dann quasi als Lehrer-Doppel auf die Bühne gegangen.

Zum Abschluss: Was waren Sie für ein Schüler?

Schopps: Ich hätte damals als Schüler nicht mein eigener Lehrer sein wollen. Denn ich war auch ein chaotischer Schüler und hab ordentlich Mist gebaut. In den ersten vier Schuljahren habe ich wahrscheinlich mehr Zeit auf dem Flur, als im Klassenzimmer verbracht… Die Lehrer mussten jedes Jahr darüber diskutieren, wie es mit mir weiter geht.

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