Kohlscheids Händler wünschen sich Umstrukturierung

Von: Elisa Zander
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Viel Durchgangsverkehr: Von der Süd-, Ost- und der Nordstraße aus führt der Verkehr stets über den Kohlscheider Markt. Das dort stehende Gebäude der VR-Bank und der dahinter liegende Parkplatz sind Teil der Überlegungen für eine Umstrukturierung. Foto: Elisa Zander
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Beschrankt und für eigene Kunden die erste halbe Stunde kostenfrei: Der Parkplatz der VR-Bank. Die Stadt möchte hier Einzelhandel ansiedeln.

Herzogenrath. In einem sind sich alle einig: Es muss sich etwas tun in Kohlscheid. Aber was und vor allem wie sind die großen Fragen, die in städtischen Ausschüssen diskutiert werden. Und nicht nur dort. Auch die Vertreter vom Einzelhandel und Anwohner machen sich Gedanken um die Zukunft des Zentrums am Markt und die umliegenden Bereiche Süd-/Weststraße und Oststraße/Langenberg.

Die mittel- bis langfristige Entwicklung des Kohlscheider Zentrums sieht vor, mit Handel und Gewerbe den Innenbereich zu stärken, ergänzt mit erweiterten Parkmöglichkeiten und einer überarbeiteten Fußwegverbindung. Stets unter dem Gesichtspunkt, den Durchgangsverkehr von der Innenstadt fernzuhalten, möglich unter anderem durch die Markttangente (siehe Info).

Mehrere Anläufe

Schon mehrfach haben Politik und Planer städtebauliche Entwürfe vorgelegt und diskutiert. „Stadtpark Markt“ etwa vor mehr als 20 Jahren, 2004 dann der aufgelegte Masterplan Kohlscheid, der sogar empfahl, die Südstraße in einen verkehrsberuhigten Bereich umzuwandeln. Viele Pläne, viele Ideen. „Wir hätten als Politik schon längst eine Entscheidung treffen müssen“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Björn Bock. „Insgesamt muss sich etwas tun in Kohlscheid. Das dauert aber viel zu lange.“

Die FDP hatte die Anwohner und Geschäftsleute zu einer Ortsbegehung eingeladen und interessante Anregungen mitgenommen. Etwa, dass die Bürger sich insgesamt eine stärkere Einbindung in die Planung wünschen. Ein großer Supermarkt fehlt im Markt-Bereich, der als Magnet die Kunden anziehen könnte. Davon würden umliegende Geschäfte profitieren. Vielleicht würde dies auch dazu führen, dass sich neuer Einzelhandel ansiedelt.

Drei zentrale Dinge fehlen der Ansicht von Björn Bock nach: Wohnraum, Parkplätze und ein großer Magnet – ein Supermarkt, die in der Summe zu einer gegenseitigen Unterstützung führen würden. Der Kaiser‘s Markt im Bereich Langenberg gilt als schlecht angebunden, um Kundenströme ins Zentrum zu leiten.

Positiv wird das von den Händlern aufgenommen. „Das wäre nicht verkehrt, darüber die Leute ins Zentrum zu holen“, sagt Rolf Schaffrath, Inhaber von „Katja‘s Café“. Allerdings befürchtet er, dass die Geschäfte weiter unten in der Südstraße davon wenig profitieren. „So eine Brötchentaste am Parkautomaten wäre für uns interessanter.“

Phase der Entscheidung

Ein großes Manko insgesamt: Parkplätze. Die fehlen nämlich. „Teilweise können die Gewerbetreibenden ihr Geschäft nicht aufrecht erhalten, weil die Parkplatzsituation so schlecht ist“, sagt der Sachkundige Bürger Uli Rennen und nennt als Beispiel die Fahrschule, die nach Aachen umzog, da sie in Kohlscheid keine Abstellmöglichkeiten für die Fahrzeuge hatte. Die Stellplätze in der Südstraße sind übersichtlich, einige mehr gibt es am Markt. Ortskundige nutzen teilweise den Parkplatz der VR-Bank, der über die Weststraße zugänglich ist.

Geplant ist, einen Einkaufsbereich um das Parkplatzgelände anzulegen inklusive eines Supermarkts. Ob das umgesetzt werden kann und welche Rolle dabei das Gelände spielt, ist derzeit noch offen. Der Parkplatz ist beschrankt und wird zurzeit überwiegend von Kunden der Bank genutzt, steht aber allen offen und ist über die EC-Karte zugänglich. Wie die VR-Bank zu den Überlegungen steht, den Parkplatz möglicherweise an die Stadt abzugeben und Platz für den Einzelhandel zu machen, womit auch eine mögliche Expansion zumindest schwierig werden könnte – dazu konnte die Sprecherin Nina Müller auf Anfrage unserer Zeitung keine Auskunft geben. „Wir sind momentan noch mitten in der Entscheidungsphase.“

Eine direkte Verfügung über das Grundstück hat die Stadt nicht, wie anderweitig zu erfahren war.

 

Gebühren für Warenpräsentation

Auch was die Gastronomie betrifft, gibt es Wünsche. Das Café am Markt hat vor geraumer Zeit geschlossen, Kneipen machen zu – das soll sich ändern. Dem könnte jedoch seitens der Politik ein Stein in den Weg gelegt werden. In der heutigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (18 Uhr im Saal des Rathauses) beraten die Mitglieder über Sondernutzungsgebühren an öffentlichen Straßen. Dazu zählen Außensitzgelegenheiten von Gastronomen, die bislang kostenfrei waren. Künftig könnten dafür 10,25 Euro Benutzungsgebühr anfallen.

Ebenfalls beraten wird die Warenpräsentation vor Geschäften. Derzeit beträgt die Benutzungsgebühr 2,50 Euro pro Monat. Der Änderungsvorschlag sieht vor, dies auf monatlich 1,25 Euro pro Quadratmeter umzugestalten, jedoch eine Mindestgebühr von 10,25 Euro einzuführen. Inwiefern sich das auf potenzielle neue Geschäftstreibende auswirkt, wird sich zeigen.

Die Anwohner und Kunden zumindest würden sich freuen, wenn wieder mehr Leben in das Zentrum käme. „Das ist für uns Ältere doch auch notwendig“, sagt Herbert Merks. „Gerade die Bewohner des Seniorenheims sind doch Kunden.“ Nicht zu vergessen die Anwohner. „Ich kann mir vorstellen, dann auch mehr Einkäufe des täglichen Bedarfs hier zu machen“, sagt Heike Schmitt, für die das auch wegen des Kinderwagens leichter wäre, als mit dem Auto zu den Märkten nahe der Roermonder Straße zu fahren.

Einig ist man sich, die Stadtentwicklung in Kohlscheid voran bringen zu müssen. Auch im Wirtschaftsausschuss bekräftigte man erneut das Vorhaben, setzte jedoch voraus, zu einer Bürgerversammlung einzuladen. Die will Bürgermeister Christoph von den Driesch vorbereiten und sich dafür einsetzen, dass diese „zeitnah“ stattfindet.

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