Kohlscheider Markt: Flaniermeile und Passage sind möglich

Von: Elisa Zander
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Beinahe maßstabsgetreu geplant: Die von Dieter Topa (r.) gefertigten Pläne sind in Augen von Björn Bock mehr als nur Skizzen. Foto: E. Zander

Herzogenrath. Dass sich die Bürger interessieren und sich einbringen wollen, hat die Bürgerversammlung zur Neugestaltung am Kohlscheider Markt gezeigt. Etwa 300 Teilnehmer hörten zu, machten Vorschläge, diskutierten konstruktiv. Doch Dieter Topa hat sich „anschließend nur geärgert“.

Nicht über die Versammlung, sondern vielmehr über das, was vorgestellt wurde. Die zwei Planungsvarianten „entsprechen nicht dem, was die Politik am 19. November im Umwelt- und Planungsausschuss gefordert hat“, sagt der Geschäftsmann, der seine Werkstatt an der Südstraße hat. „Das ist für mich kein Konzept.“ Durch den vermehrten Leerstand sei der Kern „unansehnlich“, ohne „geordnete Verkehrsführung“ – und die entstehe mit dem Plan „erst recht nicht“.

Den Aufruf in der Versammlung, sich an den Planungen zu beteiligen, nahm Topa ernst. Innerhalb von drei Stunden zeichnete er am nächsten Tag eine Entwurfsskizze – und die wird in Herzogenrath mittlerweile heiß diskutiert, mit durchweg positivem Feedback.

„Eigentlich habe ich nur die Ausschussvorlage gelesen und das, was dort steht, umgesetzt“, sagt Topa. Und setzte bei seiner Ausarbeitung auf die Stärke von Kohlscheid. „Hier ist fußläufig innerhalb von 300 Metern alles erreichbar. Das, was andere Städte wollen, haben wir. Die Voraussetzungen stimmen also. Wir müssen es nur richtig nutzen.“

Und dazu gehört für Topa in erster Linie, die Attraktivität der Innenstadt durch Flanier- und Verweilmöglichkeiten zu steigern. Dazu müssten fünf Häuser im oberen Bereich der Südstraße abgerissen werden – um an gleicher Stelle fünf bis zehn Meter rückwärtig im modernen Baustil neu errichtet zu werden. Im Parterre sollen Gewerbeflächen entstehen, möglichst mit einer größeren Glasfläche überdacht. Der so gewonnene Raum biete Platz für einen breiten Bürgersteig und öffne die Straße optisch in Richtung Markt. Kombiniert würde dies mit einem Durchbruch in die vorhandene, querende Paulusstraße, die derzeit nur für Fußgänger durch eine Durchführung erreichbar ist. Dieser bliebe erhalten, daneben entstünden etwa 45 Meter neue Straße, um Paulus- und Südstraße zu verbinden. So würde die Südstraße etwa bis Höhe der Gaststätte Herfs, so Topas Vorschlag, zweispurig verlaufen. „Insgesamt entstünde so eine fünfseitige Anbindung an die Innenstadt“, erklärt er.

Der Vorteil, den Dieter Topa durch den Erwerb der Häuser an der Südstraße sieht (die Bereitwilligkeit zum Verkauf sei gegeben, so Topa), ist der Preis. „Diese fünf Häuser sind vermutlich günstiger, als die VR-Bank oder das Gelände davor.“ 1,2 Millionen Euro, schätzt Topa, würden die Immobilien zusammengerechnet kosten. Leisten könnte es sich die Stadt, denn: „Im Haushalt sind 1,5 Millionen Euro für den Erwerb von Immobilien vorgesehen“, sagt Björn Bock, FDP-Fraktionsvorsitzender, der gleich, nachdem Dieter Topa den Plan an die Fraktionen schickte, Kontakt mit ihm aufnahm.

Rund 5000 Quadratmeter Fläche stünden so zur Verfügung – eine angrenzende Wiese, die bereits Eigentum der Stadt ist, mit eingerechnet. Der dort zu etablierende Supermarkt, „am besten mit City-Konzept“, müsste im Außenbereich mit zusätzlichen Parkflächen versehen werden. Eine Tiefgarage wäre denkbar, deren Ausgang aber nicht im Inneren des Lebensmittelmarktes liegen dürfte, „sonst haben wir den gleichen Effekt wie beim Kaufland in Mitte“, befürchtet Bock, dass die Kunden keinen Fuß mehr nach draußen setzen könnten.

In diesem Zuge könnte auch die Weststraße von der Ertüchtigung des Geländes profitieren, indem etwa auch im rückwärtigen Bereich Eingänge zu den bestehenden Geschäften geschafft werden. Denkbar wäre auch eine weitere Passage, die beide Geschäftsbereiche miteinander verbindet.

Eine solche Passage ist in Topas Plan auch zwischen dem neu geplanten Handel und den bestehenden Banken vorgesehen. Einerseits als verbindendes Element zwischen Parkplatz und Markt, und andererseits bietet sich innerhalb dessen ein Platz für Außengastronomie – „die benötigen wir hier unbedingt“.

Der kritisierte Stau auf der Südstraße „ist oft hausgemacht“. Dieter Topa führt ihn auf die Bushaltestelle am Markt zurück. „Würde man die zwei Meter zurückbauen und eine Haltebucht ermöglichen, wäre das erledigt.“

Der Vorteil, den Topa in seiner Ausarbeitung sieht, ist, dass „alle Geschäfte erhalten bleiben und neuer Einzelhandel hinzukommt. Es ist ganz wichtig, dass das Gelände Lebensqualität bekommt, auch durch Grünflächen.“ Die geplante Markttangente hält Topa für „gut und wichtig. Aber die kommt erst in acht bis zehn Jahren. So lange können wir hier nicht warten.“ Noch in diesem Jahr sollten Entscheidungen fallen. „Diese Chance, die wir jetzt haben, bekommen wir nie mehr.“ Das sieht auch Christian Thies, Vorsitzender des Kohlscheider Werberings so, der angetan ist von dem Plan.

Gleiches gilt für die Politik. Auch Bürgermeister Christoph von den Driesch hat positiv reagiert, erzählt Björn Bock, der ihm den Plan vorgelegt hatte. Auch die CDU sieht das so und hat mittlerweile den Antrag gestellt, Topas Variante im Umwelt- und Planungsausschuss zu diskutieren, denn, so heißt es in dem Antrag, „diese Variante eröffnet eine neue und in mehrere Richtungen offene Perspektive“. Die FDP und Dieter Topa präsentieren den Plan am Freitag, 7. März, um 15 Uhr auf dem Markt in Kohlscheid.

Was sagen Sie, liebe Leser, zu dem Plan von Dieter Topa? Was ist realisierbar, was fehlt? Schreiben Sie uns unter leser-meinung.de.

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