Kohlscheid - Kohlscheider Künstlerin pflegt gute Kontakte in afrikanisches Township

Kohlscheider Künstlerin pflegt gute Kontakte in afrikanisches Township

Von: Patrick Kreitz
Letzte Aktualisierung:
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Die Kohlscheider Künstlerin Uta Göbel-Groß und ihr Kapstädter Kollege Thulani Shuku freuen sich über die von Schülern bunt-kreativ gestaltete Wand des Schulgebäudes.

Kohlscheid. „Oh ja, das warme Wetter!”, sagt Uta Göbel-Groß und lacht, während sie aus dem Fenster schaut. „Darauf freue ich mich besonders.” Verständlich, denn der Blick nach draußen offenbart tristes Februar-Grau mit Wind und durchdringendem Nieselregen.

Die nasse Kälte wird die in Kohlscheid lebende freischaffende Künstler, Kunsttherapeutin und Lehrerin ab Mitte März gegen die Sonne Südafrikas eintauschen.

Zugegeben: Es mag wenig schönere Ziele zu dieser Jahreszeit geben. Doch Goebel-Groß wird in Kapstadt keinen Urlaub verbringen.

Die 50-Jährige reist für zwei Monate in den dortigen Stadtteil Manenberg, ein so genanntes „Township”, ein Armenviertel mit teils - aus hiesiger Sicht - abenteuerlicher, vor allem aber qualitativ schlechter Wohnstruktur.

Dort wird Uta Göbel-Groß gemeinsam mit Norbert Kuntz von der Aachener Initiative „Stadtoasen” ein Kunstprojekt mit südafrikanischen Kindern leiten.

Bei dem Projekt „Coloured Busstops” sollen die Schüler triste Bushaltestellen-Häuschen nach eigenen Ideen verschönern, sich kreativ betätigen und dem eigenen Viertel einen ordentlichen Tupfer Farbe verpassen.

Für Uta Göbel-Groß ist es nicht der erste Besuch am Kap der Guten Hoffnung. Nach der Premierenreise im Jahr 2001 folgten bisher drei weitere Besuche, hinzu kam 2008 ein Aufenthalt in Namibia.

„Das ist beinah eine unendliche Geschichte”, antwortet die lebenslustige Künstlerin auf die Frage, wie sich das alles denn ergeben habe.

Dann gelingt es ihr doch, in aller Kürze den Hintergrund der Reise zusammenzufassen. Im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Kapstadt gebe es eine Menge unterschiedlicher Hilfsprojekte und Kooperationen.

2000 sei ein südafrikanischer Künstler zu Gast in der Domstadt gewesen, mit dem man zusammen den Bunker an der Sandkaulstraße farblich gestaltet habe.

„Diese Sachen waren von vornherein als Zick-Zack-Projekte zwischen Nord und Süd ausgelegt.” 2001 begab sich Göbel-Groß dann auf den vereinbarten Gegenbesuch.

Zusammen mit den Aachener „Stadtoasen” hat die Künstlerin in den vergangenen Jahren immer wieder Projekte mit Schulkindern durchgeführt, bei denen die Schüler nach eigenen Wünschen und Idee gemeinsam großformatige Bilder gemalt, ihre Klassenräume oder auch ganze Schulgebäude unter Anleitung farblich gestaltet haben.

„Die Kinder sollen auf diese Weise lernen, dass man gemeinsam viel erreichen kann - sowohl sie untereinander als auch im übertragenen Sinn auf alle anderen Herausforderungen des Lebens”, erklärt Uta Göbel-Groß den Grundgedanken.

„Vor allem aber soll ihnen ermöglicht werden, Selbstbewusstsein zu erlangen und ihre eigene Lebenswelt zu reflektieren.” Dabei komme es besonders auf einen besseren Bezug zum Thema „Umwelt und Nachhaltigkeit” allgemein an.

Anders als in anderen Staaten Afrikas ist in Südafrika zwar die Grundversorgung weitgehend hergestellt, aber der Umgang mit den „Segnungen” der Zivilisation will gelernt sein.

„Wer noch nie in einem Township gewesen ist, kann sich das Leben dort gar nicht vorstellen: Die Menschen leben auf engstem Raum in behelfsmäßigen Behausungen zusammen”, berichtet die Künstlerin aus Erfahrung.

Man müsse ihnen vermitteln, dass es auch für sie ein besseres Leben geben könne, wenn sie auf sich und ihre Umgebung achten würden. So sei es ebenso wichtig, die Bedeutung der Müllbeseitigung zu vermitteln, wie darauf aufmerksam zu machen, dass kostbares Trinkwasser nicht durch Unachtsamkeit verschmutzt werde.

Wenn man bereits bei den Kindern damit anfange, diese wichtigen Dinge zu vermitteln, sei ein großer Schritt in die Zukunft schon getan, glaubt Uta Göbel-Groß, die das auf künstlerischem Wege leisten möchte.

Und nicht zuletzt gewinnt sie auch für ihre eigene Arbeit in Kohlscheid viel Inspiration aus den Reisen. Davon zeugen viele Arbeiten in ihrer Wohnung und dem Atelier.

Bilder und Installationen, häufig in Rottönen, mit afrikanischer Erde und mit Fundsachen gestaltet, erzählen jeweils eigene Geschichten, fröhliche wie auch einige traurige.

Als Motiv für die Kamera packt sie gerne schon einmal ihre Malutensilien in eine Reisetasche. Damit wollte sie sich eigentlich noch etwas Zeit lassen.

Viel für die Reise vorzubereiten hat sie ohnehin nicht: „Mittlerweile weiß ich, dass die Sachen in Südafrika ganz anders angegangen werden. Da plant man nicht lange im Voraus, sondern organisiert alles erstaunlich gut auf spontane Weise.

Das hat eine Weile gedauert, ehe ich das begriffen habe, aber wenn man das weiß, fährt man sehr gut damit.”

So ganz kann sich die Künstlerin dann doch nicht von Nervosität freisprechen: „Manchmal werde ich doch ein wenig zappelig”, sagt sie mit einem Lächeln.

Dann aber denkt sie an die vielen Freunde, die sie vor Ort gewonnen hat und wieder treffen wird - und schon beruhigen sich die Nerven.
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