Herzogenrath - Kohlscheid soll ein neues Bad bekommen

Kohlscheid soll ein neues Bad bekommen

Von: Markus Bienwald
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Ist derzeit dicht und bald womöglich weg: Das Kohlscheider Hallenbad könnte zum Fall für die Abrissbirne werden. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Etwas versteckt unter dem Tagesordnungspunkt acht verbirgt sich im heutigen Bau- und Verkehrsausschuss ein Beschlussvorschlag, der es in sich hat. Denn nachdem dieser Ausschuss bereits im Februar und im April die Verwaltung beauftragt hatte, den aktuellen Sachstand zum Kohlscheider Hallenbad darzustellen, wird heute Abend um 18 im Rathaus ein Neubau vorgeschlagen.

 Die Diskussion um die Zukunft des Bades hat auch viele unserer Leser bewegt, wie die Resonanz unserer Befragung „Was bewegt Sie...“ verdeutlicht hat.

Der Zeitpunkt für den Baubeginn und der Standort sind noch Verhandlungssache, auch müssen Ausschuss und Rat dem Ganzen noch zustimmen. Aber der Beschlussvorschlag scheint Schluss machen zu wollen mit Spekulationen über Erhalt oder Neubau. So wird der „Neubau eines Familien- und Sportbades mit mindestens vier Schwimmbahnen, sowie Kinder- und Lehrschwimmbecken“ und optionalem Sprungturm, aber ohne Sauna und Gastronomie vorgeschlagen.

Standort und Ausstattung sollen im weiteren Verfahren – unter Einbeziehung externer Fachleute, der Bürgerschaft, Schulen und Vereinen – bei einem Runden Tisch „Bäderlandschaft“ geklärt werden. Rund um die endgültige Stilllegung des derzeit ohnehin geschlossenen Hallenbades an der Zellerstraße ist ein Termin nach dem 30. September angepeilt.

„Wir wollten von Verwaltungsseite eine gute Grundlage vorbereiten, um einen Beschluss besser fassen zu können“, sagte der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Da hier dezernatsübergreifend gearbeitet wurde, liege der Fokus nicht auf einer bestimmten Abteilung im Rathaus, obwohl die technische Seite federführend sei, wie Migenda betont.

Im heutigen Ausschuss wird auch über die Finanzierung des Großprojektes gesprochen. Schließlich geht es um einen ordentlichen Brocken. Eine Sanierung des Bestandsbades würde nach der Kostenschätzung durch die Verwaltung mit zirka 6,6 Millionen Euro zu Buche schlagen. Wird ein Neubau umgesetzt, kommen Kosten von rund 4,9 Millionen Euro auf die Stadt Herzogenrath zu. Allerdings gibt es dazu insgesamt neun verschiedene, bereits berechnete Bauvarianten. Der Kostenrahmen schwankt hier zwischen knapp 4,7 und 6,1 Millionen Euro. Dabei spielt vor allem die Ausstattung eine wesentliche Rolle.

Sind es bei der als „Mindestausstattung“ deklarierten Variante ein Vier-Bahnen-Becken, Planschbecken und Lehrschwimmbecken bei 4,674 Millionen Euro, steigen die Kosten durch eine Bahn mehr auf 5,13 Millionen Euro. Sechs Bahnen bei ansonsten gleicher Ausstattung kosten voraussichtlich 5,586 Millionen Euro und bei der von der Verwaltung als „Maximalausstattung“ deklarierten Variante neun sind es mit sechs Bahnen, Plansch- und Lehrschwimmbecken sowie Drei-Meter-Sprungturm ziemlich genau 6,099 Millionen Euro.

Diese Varianten sind es auch, die dem Runden Tisch „Bäderlandschaft“ vorgeschlagen werden sollen. Bei den Betriebskosten ohne Personalkosten geht die vorläufige Kalkulation davon aus, dass diese bei einem Neubau geringer sind. So würde selbst die Maximalausstattung mit einer Sauna wie im vergleichbar gebauten „SimmBad“ in der Gemeinde Simmerath rund 266.500 Euro an jährlichen Kosten verursachen. Die Basis-Variante eins, ohne Sauna, fällt mit gut 194.000 Euro ein Stück niedriger aus. Hingegen hat das aktuelle Bad in der Zellerstraße im Jahr 2013 Betriebskosten von mehr als 421.000 Euro verursacht. Eine Sauna wird es bei einem Neubau aber wohl nicht mehr geben. „Sowohl bei einer Sanierung, als auch bei einem Neubau, ist eine Sauna nicht zu empfehlen“, schreibt die Verwaltung. Zudem hielten auch Schulen und Vereine diese für verzichtbar.

Ein kleiner Imbiss, obwohl ganz sicher keine Pflichtaufgabe der Kommune, erhöhe hingegen die Attraktivität eines Bades, schließt die Dokumentation. Aber auch hier ist noch nichts entschieden. Die Bauzeit soll Schätzungen zufolge 17 Monate betragen, davor gibt es noch eine Planungszeit von 14 Monaten. Bei der Standortfrage spreche laut Verwaltung „einiges für die Beibehaltung des jetzigen Standortes“. Die unmittelbare Nähe zur Gesamtschule und dem TPH sowie die Tatsache, dass die Stadt Eigentümerin des Grundstückes ist, sind Vorteile.

„Alternative Grundstücke müssten erworben werden“, wobei Dauer, Preis und Ausgang der Verhandlungen „derzeit nicht abgeschätzt“ werden können. Natürlich würde ein Abriss des jetzigen Bades eingeplant, der mit Entsorgung rund eine halbe Million Euro kosten würde. Dazu muss eine so genannte „Tagesöffnung“ – eine Hinterlassenschaft aus dem früheren, oberflächennahen Bergbau – für rund 363.000 bis über 440.000 Euro saniert werden. „Hiervon wird der EBV einen Großteil zahlen“, beschreibt die Verwaltung.

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