„Kohlhaas”: Stück über blinde Wut bleibt hoch aktuell

Von: Nina Krüsmann
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Theater im Klassenzimmer: Stefan Leonhard spielt Kleists „Kohlhaas”. Foto: Krüsmann

Herzogenrath. Mit einem Stück über Wut, die blind wütet, beeindruckte das Westfälische Landestheater jetzt die Schüler an der Erich-Kästner-Gemeinschaftshauptschule. In der Reihe „Theaterstarter” ist die Inszenierung von „Kohlhaas” besonders bemerkenswert.

Das Stück von Marco Baliani und Remo Rostagno nach dem Original von Heinrich von Kleist erzählt die Geschichte von Michael Kohlhaas, einem braven Familienvater und rechtschaffenen Pferdehändler. Er ist verheiratet mit Lisbeth und hat zwei Kinder.

Alles wird anders, als er eines Tages vom Freiherrn von Tronka grundlos schikaniert wird. Aufgrund der willkürlichen Machtdemonstration des Freiherrn kommen KohlhaasÔ Pferde abhanden und werden übel zugerichtet. Der gepeinigte Pferdehändler versucht daraufhin, über mehrere Instanzen zu seinem Recht zu gelangen, verliert dabei aber auch noch seine geliebte Frau und den Glauben an einen für Gerechtigkeit sorgenden Staat.

Schauspieler Stefan Leonard füllt die Hauptrolle in diesem 45-minütigen Solostück auf beeindruckende Weise mit Leben und vor allem mit Emotionen. Eingebettet in die Rahmenhandlung um einen Amokläufer ähnlich dem Fall in Emdetten 2006 spielt er die Geschichte des Rebellen Kohlhaas, der nach und nach tausende Unterdrückte um sich schart, wahllos mordet und wütet.

Er wünscht sich endlich Gerechtigkeit, auch wenn die Welt darüber zugrunde geht. „Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt, die mich nicht sein lassen will, wie ich bin. Ich wollte nicht, dass das geschieht, was in meinem Namen geschehen ist. Ich wollte im Kreise der Menschen bleiben”, sagt Kohlhaas im Stück.

Für die Überzeugung lässt er sein Leben

Am Ende lässt er für seine Überzeugung am Schafott sein Leben. „Kohlhaas ist ein Stück, das die jugendlichen Zuschauer zum Nachdenken anregt. Es geht um das Thema Gerechtigkeit, die Frage, wo es Ungerechtigkeiten gibt und, wie man damit umgehen soll”, erklärt Theaterpädagogin Franziska Rieckhoff.

Im abschließenden Gespräch mit den Schülern stellte sie die Frage, ob Waffengewalt - wie im Fall von Kohlhaas - das richtige Protestmittel sei beziehungsweise welche Alternativen es gibt.

Im Vergleich zu Kohlhaas, der ein ganzes Heer von Mitstreitern um sich scharte, sei ein Amokläufer heutzutage ein Einzelkämpfer. „Obwohl die Geschichte von Kleist im 16. Jahrhundert spielt, hat sie eine ganze Menge mit uns und unserer heutigen Zeit zu tun”, stellt die Theaterpädagogin fest.

Auch Amokläufer wie Sebastian B. aus Emsdetten würden daran glauben, für ihre Gerechtigkeit bis zum blutigen Ende zu kämpfen. „Sie sind nicht mehr bereit, in einer staatlichen Ordnung oder einem sozialen System zu leben, dass sie durch Ausgrenzung, Leistungsdruck und Hierarchien zu verschlingen droht.

Das Scheitern an der Realität eskaliert schließlich in einem in Szene gesetzten Rachefeldzug, der zumeist mit der eigenen Hinrichtung endet”, zieht Rieckhoff die Parallelen von hochaktuellen Fragen zu Kohlhaas.
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