Kohle zieht die Menschen aus ganz Europa an

Von: Markus Bienwald
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Dunkel, eng, nicht gerade einladend, aber immer lohnend war die Arbeit der Kumpel unter Tage, so auch in Übach-Palenberg. Foto: Markus Bienwald
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Bis heute eindrucksvoll bleibt der Blick in die ehemalige Lohnhalle des heutigen Carolus-Magnus-Centrums: Hier erhielten die Bergleute ihr Bares. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es ist nur schwer vorstellbar, wo Übach-Palenberg ohne seinen bergbaugeschichtlichen Hintergrund heute stehen würde. Denn bevor 1911 die als „Gewerkschaft“ bezeichnete Grube Carolus Magnus offiziell gegründet wurde, waren die Orte, die das heutige Stadtgebiet umfassen, noch sehr stark landwirtschaftlich geprägt.

Wer sagt, dass die Bergbaugeschichte auch zur Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1967 geführt hat, wird wahrscheinlich auch nicht so sehr danebenliegen. Denn spätestens mit der ersten Steinkohleförderung 1917 war auch die damalige Gemeinde nicht nur als Teil des Aachener Kohlenreviers bekannt. Es kamen auch viel mehr Menschen in die Stadt, als zuvor dort lebten. Und auch infolge der aus verschiedenen deutschen Landesteilen, aber auch aus Europa nach Übach und Palenberg drängenden Arbeiter wuchs eine entsprechende Infrastruktur, um die Bevölkerung versorgen zu können. Handel entstand, die noch heute prägenden Bergbauhäuser wurden in Siedlungsstärke gebaut, und auch der Stadtteil Boscheln, der zwar auch von Bergleuten geprägt, aber eher in Richtung Baesweiler mit der Zeche Carl Alexander ausgerichtet war, trug zur Bergbaugeschichte in der Stadt bei.

Wer im Geschichtsbuch der Stadt blättert, findet 1912 den Bau eines neuen Bahnhofs in Palenberg, ein Jahr später den Bau der ersten Beamtenwohnungen für den Bergwerksdienst in Palenberg, aber auch 1962 die letzte Förderung und damit die Schließung der Grube als wesentliche Eckpfeiler wieder.

3000 Kumpel verlieren Job

3000 Kumpel verloren damals ihre Arbeit, und wer bedenkt, dass an so gut wie jedem Bergmann auch eine Familie und auch Kinder hängen, kann sich schnell errechnen, welche wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Bergbau für Übach-Palenberg hatte.

Dieses Arbeitnehmerpotenzial wussten natürlich auch teils noch heute existierende Betriebe wie der aktuell unter Saurer.Schlafhorst firmierende Textilmaschinenbauer Schlafhorst zu schätzen. Sie fanden nicht nur viele Mitarbeiter, sondern nutzten gleich noch einen Teil des früher von der Zeche genutzten Geländes für ihre immer weiter expandierenden Betriebsteile. Spuren des Bergbaus sind in der Stadt nicht nur an den vielen Zechenhäusern zu sehen, die im typisch roten, teils schillernden Backstein errichtet worden sind, dessen Ziegel auf dem Betriebsgelände von Carolus Magnus gebrannt wurden.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude und heutige Carolus-Magnus-Centrum (CMC) entstand zwischen 1928 und 1930 und ist bis heute als Denkmal eins der hervorragendsten Zeugnisse des Ziegelexpressionismus, muss auch keine Vergleiche mit beispielsweise dem Frankfurter Hoechst-Haus scheuen. Einige Steinwürfe entfernt erhebt sich bis heute die Bergehalde, die man zu Fuß erleben kann und auf deren Wegen noch immer hier und da ein Stück „Schwarzes Gold“ der früheren beiden Schächte der Gewerkschaft Carolus Magnus schillert.

Weithin sichtbares Denkmal

Selbst der frisch entstandene Magnus-Einkaufspark baut nicht nur auf dem früheren Grund der Zeche auf, sondern nutzt deren Namen. Vereine, persönliche Geschichten und auch soziale Einrichtungen wie die früheren Invalidenvereine und heutigen Seniorenvereine, die sich in Übach-Palenberg in einer großen Zahl finden, zeugen heute von der Verbundenheit, die früher für die Kumpel unter Tage das ausmachte, was Gemeinschaft für sie bedeutete. Letztlich gibt es mit dem 1912 errichteten, aber heute nicht mehr zugänglichen Wasserturm am Fuße der Bergehalde noch ein weithin sichtbares Denkmal der früheren Zechengemeinde und heutigen Stadt Übach-Palenberg. Die ehrte die Männer, die damals im Wortsinn „Kohle machten“ noch mit einem auch in seiner Nähe zur früheren Arbeitswelt unter Tage sehr eindrucksvollen Bergarbeiterdenkmal in Übach-Palenberg diejenigen, die die Stadt von unten herauf aufbauten.

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