Knapper Wohnraum: Wohin weichen Aachener Studenten aus?

Von: Verena Müller
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Auch für Studenten attraktiv: Kleine Wohnungen entstehen am Casino-Park in Kohlscheid. Der erste Komplex wird Ende des Jahres fertig. Da es in Aachen nicht genügend Wohnheimsplätze gibt, bietet der Nordkreis Alternativen. Foto: Verena Müller

Nordkreis. An die 56.000 Studenten zählen FH und RWTH Aachen derzeit, davon stehen 5200 auf der Warteliste des Studentenwerks für einen Wohnheimplatz. Das Studentenwerk verfügt aber nur über 4811 Plätze in 23 Anlagen in Aachen und Jülich. Wohin weichen die Studenten aus, wenn sie nicht bei den Eltern wohnen bleiben können oder wollen und normale Wohnungen auch als WG zu teuer sind?

Ute von Drathen, Sprecherin des Studentenwerks, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die hausinterne Wohnraumvermittlung in diesen Fällen auf eine Kartei mit privaten Anbietern zurückgreifen und Empfehlungen aussprechen würde: „Günstigen Wohnraum gibt es im Moment zum Beispiel in Alsdorf, Würselen und Eschweiler, aber auch direkt hinter der Grenze, zum Beispiel in Vaals.“

Aber wird der auch in Anspruch genommen? Das weiß von Drathen nicht, denn Rückmeldungen würden, wenn, nicht ausgewertet. Wohl weiß sie, dass lange Wege und schlechte Verkehrsanbindungen – etwa, wenn der letzte Bus um acht Uhr abends fährt – nur ungern in Kauf genommen werden. „Am liebsten wollen natürlich alle Studenten im Aachener Zentrum wohnen, aber das ist nicht machbar.“

Nicht an oberster Stelle

Im Nordkreis wird studentisches Wohnen in der Stadtplanung durchaus berücksichtigt, wenn auch nicht an oberster Stelle. Ein Ort, an dem ganz gezielt (auch) diese Gruppe angesprochen werden soll, ist Kohlscheid.

Im Casino-Park, zwischen der Kaiserstraße und der Händelstraße, keine 500 Meter vom Bahnhof entfernt und in unmittelbarer Nähe zum Technologiepark Herzogenrath, entstehen gerade zwischen 250 und 300 neue Wohnungen. Das erste Haus mit rund 70 Wohnungen wird Ende des Jahres fertig und ist von der Kaiserstraße aus zu sehen.

Bis auf zwei Einheiten ist der Komplex schon verkauft. Es handelt sich in erster Linie um Ein- und Zweizimmer-Appartements, die zu größeren Wohnungen verbunden werden können. So erklärt sich die ungenaue Zahlenangabe.

Realisiert wird das Projekt durch Heins-Architekten und -Wohnungsbau, die in Kohlscheid ansässig und in einem Umkreis von rund 40 Kilometern tätig sind. „Die Quartiersentwicklung im Casino-Park zielt mit auf Studenten ab“, erklärt Michael Heins an der Baustelle.

„Wir haben bei einem ähnlichen, bereits fertiggestellten Projekt rund 800 Meter weiter, an der Weberstraße, die Erfahrung gemacht, dass Interesse besteht.“ An anderen Standorten hätte er registriert, dass viele (größere) Wohnungen als WGs angemietet werden. Eine Monostruktur wolle man aber nicht fördern. „Gerade die Nähe zum Technologiepark lässt eine Mischung zu“, so Heins. Als Business- oder Seniorenwohnungen seien die Räume ebenso geeignet.

Zumal er für letztgenannte Gruppe auch das derzeit leerstehende, ehemalige EBV-Casino im Blick hat. Hier könnte eventuell eine Tagespflege einziehen, die bei Bedarf später die Senioren versorgen könnte ...

Zwischen 26 und 56 Quadratmeter sind die Appartements im Casino-Park groß, der Mietpreis hängt letztlich vom jeweiligen Käufer ab. Bei den Wohnungen, die Heins selbst vermieten will, soll der Quadratmeterpreis zwischen neun und zwölf Euro liegen.

Geplant und entwickelt wurde das Projekt – wie üblich – in Abstimmung mit der Stadt Herzogenrath. Der Technische Beigeordnete der Kommune, Ragnar Migenda erläutert auf Nachfrage, dass die Stadt generell „keine explizite Wohnbaupolitik für eine bestimmte Klientel wie Studenten oder Senioren“ betreibe, sondern immer auf Mischformen setze. „Mit diesem Mix ist man flexibler.“

Der Standort der Immobilie in Kohlscheid böte aber für Studenten viele Vorteile: „Man hat hier kurze Wege zur Bahn, zur Autobahn, zum Campus Aachen hinter dem Lousberg und zu TPH. Es gibt einen Waschsalon und Car-Sharing. Die Wohnungen liegen also im Dunstkreis von Aachen, aber zu günstigeren Preisen.“ Und er ergänzt: „Auch in der Innenstadt wird diese Zielgruppe berücksichtigt.“

Singlewohnungen und kleineren Appartements in verkehrsgünstiger Lage – „das Thema ist bei uns natürlich auch bereits seit einigen Jahren im Blick und findet sich auch in unseren Stadtentwicklungsprojekten wieder“, sagt die Technische Beigeordnete der Stadt Alsdorf, Susanne Lo Cicero-Marenberg.

„Ein jüngst fertiggestelltes Beispiel ist das Bauprojekt ,Stadttor Alsdorf‘ – am modifizierten Kreisverkehr vis-à-vis ZOB/Euregiobahn-Haltestelle Annapark – der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Alsdorf.“ Im dortigen Mehrfamilienhaus mit 33 Wohnungen seien ein Großteil 50 Quadratmeter groß, „insofern also auch für Studenten sehr attraktiv“, so die Beigeordnete.

Es habe bereits seitens der Stadt Aachen und Städteregion Runde Tische gegeben mit dem Thema, wie die Wohnungsangebote in den Nachbarstädten gegebenenfalls den Wohnungsmarkt in Aachen entlasten könnten, entsprechende Immobilienangebote seien dann auch an die Stadt Aachen gemeldet worden, fügt sie an.

Baesweiler hätte sicherlich noch Kapazitäten, aber ob die Stadt, die ja noch nicht an die Schiene angebunden ist, für Studenten attraktiv genug ist, daran hegt der Technische Beigeordnete Peter Strauch Zweifel. „Aber es wird nach wie vor viel gebaut, auch kleinere Wohnungen“, so Strauch. Und so schlecht sei die Verbindung nach Aachen auch wieder nicht, immerhin gebe es eine direkte Buslinie, die auch eng getaktet sei – bis spät in den Abend.

Wie es um die Wohnsituation für Studenten in Würselen bestellt ist, konnte der Sprecher der Stadt, Bernd Schaffrath, auf die Schnelle nicht sagen. Studenten würden vonseiten der Stadt nicht gesondert erfasst und über den freien Markt lägen keine Erkenntnisse vor. Laut Studentenwerk gibt es aber auch hier für Studenten geeignete Wohnungen.

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