Klimaschutz hat in Baesweiler jetzt ein Gesicht

Von: Stefan Schaum
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Ladesäule für Elektroautos und Flyer mit Infos: Möglichst umfassend will Baesweilers erste Klimaschutzbeauftragte Caprice Mathar das Thema ins Bewusstsein rücken. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Der Klimaschutz hat in Baesweiler seit einigen Wochen ein Gesicht. Das von Caprice Mathar. 25 Jahre ist sie jung und hat den Master-Abschluss in Wirtschaftsgeographie in der Tasche. Einige Ideen für Baesweiler hat sie bereits entworfen, aber Wünsche der Bürger sind ihr sehr willkommen. Darüber spricht sie im Interview.

Sie kommen recht frisch von der RWTH Aachen. War schon während des Studiums klar, dass es mal in Richtung Klimaschutzmanagement gehen wird?

Mathar: Zunächst nicht. Da wollte ich mehr Richtung Wirtschaftsförderung.

Warum hat sich das geändert?

Mathar: Weil ich entdeckt habe, dass Klimaschutz wesentlich spannender ist. Das ist ein Gebiet, in dem sich vieles verändert, in dem man vieles beeinflussen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich da richtig was erreichen und für andere etwas Gutes tun kann.

Seit Juni sind sie an Bord – haben sie die Stadt schon nach Möglichkeiten durchforstet?

Mathar: Ja. Ich hab‘ schon einen Fahrplan entwickelt. Als erstes habe ich mich bei den Kindergärten und Schulen mit einem Schreiben vorgestellt.

Warum dort?

Mathar: Weil das die Generation von morgen ist. Und weil Kinder einfach die besten Multiplikatoren sind. Wenn die frühzeitig wissen, dass zuhause nicht unbedingt in einem Raum das Licht an sein muss, in dem sich niemand aufhält, dann machen sie auch ihre Eltern darauf aufmerksam. Das gilt für ganz viele Dinge im häuslichen Umfeld. Vom raschen Schließen der Kühlschranktür bis zum Heizen im Winter. Kinder sind da mit ganz viel Eifer dabei.

Wie erreichen Sie die Kleinen denn?

Mathar: Ich habe eine Geschichte geschrieben, in der der Baesweiler Löwe eine Rolle spielt. Der macht Ferien und besucht Freunde auf der ganzen Welt. Dabei stellt er fest, dass viele von ihnen unter den Folgen des Klimawandels leiden. Der Lebensraum des Eisbären schmilzt, der Eukalyptus für die Koalabären wächst unter der enormen Hitze immer langsamer. Am Ende der Geschichte werden die Kinder aufgefordert, ein Klimaschutzmaskottchen zu malen, das den Löwen beim Klimaschutz unterstützt. Wir wollen dem Thema so für die Kinder ein Gesicht geben.

Also: Klimaschutz mit Spaß?

Mathar: Ja. Nur so geht das. Wenn ich mit dem erhobenen Zeigefinger ankomme, dann bringt das nichts. Ich will zeigen – und das nicht nur den Kindern – dass Klimaschutz etwas Tolles ist, das richtig Spaß machen kann.

Gibt es denn Vorbehalte?

Mathar: Ja. Es gibt sicher manchen, der den Eindruck hat, dass das Thema zu sehr von oben herab gesteuert wird. Da kommen Richtlinien, die Vorschreiben, wie viel Watt eine Glühbirne noch haben darf – und man hat vielleicht das Gefühl, dass das einfach durchgedrückt wird.

Heißt: Die Politik sollte das Thema anders und besser kommunizieren?

Mathar: Das könnte sicher hilfreich sein.

Wie ist es denn in Baesweiler um den Klimaschutz bestellt?

Mathar: Hier sind viele Dinge bereits auf den Weg gebracht, durch energetische Sanierungen wie man sehr gut am Gymnasium sehen kann. Dass die Region ländlich geprägt ist, ist natürlich auch ein großer Vorteil. Viele Grünflächen in einer Stadt zu haben, wirkt sich sehr positiv aus.

Ist das Thema Klimaschutz bereits fest genug in den Köpfen verankert?

Mathar: Das ist sehr unterschiedlich. Ich habe auch in Baesweiler schon Erfahrungen gemacht, mit einem Infostand auf dem Wochenmarkt. Das gab es sehr viele positive, neugierige Reaktionen. Klar –es gibt auch Skeptiker, die mit einer Klimaschutzmanagerin noch nicht viel anfangen können. Aber wenn man die Ziele und Möglichkeiten ansprechend aufbereitet und präsentiert, kann man sicher viel erreichen.

Was haben Sie denn geplant?

Mathar: In den kommenden drei Jahren werde ich damit beschäftigt sein, das Kommunale Klimaschutzkonzept umzusetzen, das die Stadt Baesweiler in Zusammenarbeit mit der Städteregion Aachen aufgestellt hat. Dazu gehören viele Dinge aus dem Bereich Mobilität, klimafreundliches Bauen, energetische Sanierung. Vorstellen werde ich es im Umweltausschuss am Dienstag, 22. September.

Und wenn Bürger weitere Wünsche und Ideen haben?

Mathar: Dann können sie mir die sehr gerne mitteilen. Ich habe einen Flyer mit einigen grundsätzlichen Infos rund um Klimaschutz entwickelt. Dazu gehört auch eine Feedbackkarte, auf der man kurz notieren kann, was einem zu dem Thema besonders am Herzen liegt.

Muss man eigentlich eine Ökotante sein, um sich den Klimaschutz dick auf die Fahnen zu schreiben?

Mathar: Nein, überhaupt nicht. Bin ich selbst uch nicht. Da kann wirklich jeder etwas machen, in seinem ganz persönlichen Umfeld. Und zwar in einem Rahmen, der einen überhaupt nicht einschränkt. Klimaschutz ist im Grunde bloß das: ein Umdenken.

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